Zentralverband des
Deutschen Handwerks
08.01.2021

Kanada: "Blue-Box Recycling"-Programm

Produzenten von Abfallprodukten müssen in Ontario ab 2023 die Entsorgung und das Recycling schrittweise selbst organisieren und die Kosten dafür tragen.

Die kanadische Provinz Ontario gehört mit einer Tonne Müll pro Kopf jährlich zu den größten Abfallproduzenten der Welt. 70 % des Abfallaufkommens landen bisher in Deponien. Das dort aktuell von den Gemeinden organisierte und finanzierte "Blue-Box Recycling"-Programm wird ab 2023 schrittweise in die Hände der Hersteller von Produkten und Produktverpackungen gegeben. Produzenten von Abfallprodukten müssen die Entsorgung und das Recycling dann selbst organisieren und die Kosten dafür tragen. Ab 2026 soll das Recyclingprogramm vollständig und mit allen Auflagen in Kraft treten.

Dazu wird das bisherige Recyclingsystem erweitert. Zukünftig gehören zu den akzeptierten Materialien in der Blue-Box unter anderem auch Plastik- und Pappbecher, Plastikgeschirr und Strohhalme sowie andere Einwegplastikverpackungen wie Folien und Tüten. Die Entsorgungsverantwortung ist für die Unternehmen ein Anreiz, ihre Produkte nachhaltiger zu entwickeln und zu verpacken. Daraus können auch neue Geschäftsmöglichkeiten für Recycling und Verpackungsdesign entstehen.

Unter das Blue-Box-Recycling fällt allerdings nur Müll aus privaten Haushalten. Auch in dem neu ausgelegten Programm werden gewerblicher Müll und Industrieabfälle nicht berücksichtigt. Um Ontarios Müllaufkommen insgesamt zu reduzieren, müsste die Provinzregierung einen Schritt weiter gehen und in ihr neues Recyclingprogramm auch das Gewerbe und die Industrie einbeziehen, die zwei Drittel des gesamten Müllaufkommens in Ontario verursachen.

Quelle: Nachrichten für Außenhandel Nr. 226 vom 20. November 2020

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