Geballte Frauenpower im Handwerk

Steigende Energierechnungen machen auch dem Handwerk zu schaffen. Deshalb schlossen sich Anfang 2016 neun Essener Unternehmerinnen zum ersten Energieeffizienz-Netzwerk im deutschen Handwerk zusammen. Sie wollten ihre Betriebe fit für die Zukunft machen und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. 

Die Essener Goldschmiedin Waltraud Schöne iniitierte das erste Energieeffizienz-Netzwerk des Handwerks.
Foto: Privat

Energie ist zwar nicht so wertvoll wie Gold – trotzdem möchten kleine Handwerksbetriebe nicht mehr als nötig von ihr verbrauchen. So sah das auch Waltraud Schöne, Mitinhaberin einer Essener Goldschmiede und Trägerin des Netzwerks. Als sie im Februar 2016 bei einer Informations- veranstaltung der Stadt Essen von der Netzwerkidee hörte, sprang der Funke sofort über. Noch am gleichen Abend fand sie acht Mitstreiterinnen und das Energieeffizienz-Netzwerk der Essener Innungsbetriebe und Unternehmerfrauen war geboren. Es war nicht nur das erste des deutschen Handwerks, sondern auch das erste reine Frauennetzwerk der Initiative. „Die Männer trauen sich offenbar nicht. Also machen wir es“, sagt Schöne selbstbewusst.

Voneinander lernen

Neben der Goldschmiede von Waltraud Schöne waren drei Elektro-, zwei Maler- und zwei Dachdeckerbetriebe sowie eine Unternehmensberaterin in dem Netzwerk vereint. Die Zusammenarbeit dauerte zwei Jahre und endete Anfang 2018. Noch vor Ablauf der Laufzeit einigten sich die Teilnehmerinnen auf eine Fortsetzung. „Man lernt so viele neue Dinge, die man dann im eigenen Betrieb umsetzen kann. Beispielsweise hat ein teilnehmender Elektrobetrieb ein System präsentiert, mit dem man Heizung und Beleuchtung automatisch über eine App steuern kann. Einige von uns wussten gar nicht, dass so etwas möglich ist. Inzwischen haben es drei der Betriebe bei sich eingeführt“, erzählt Schöne. „So kann im Netzwerk jeder vom Wissen des anderen profitieren.“

 

Einfache Maßnahmen – große Effekte

 „Durch einfache Effizienzmaßnahmen können Handwerksbetriebe ihren Energieverbrauch um bis zu zehn Prozent reduzieren. Einsparpotenziale ergeben sich oft bei der Beleuchtung. Hier sind häufig noch alte Leuchtstoffröhren im Einsatz, die im Vergleich zu moderner LED-Beleuchtung unnötig viel Strom verschlingen. Aber auch Geräte im Standby-Betrieb sind Stromfresser, die sich mit geringem Kostenaufwand und durch Verhaltensänderungen bei den Mitarbeitern beseitigen lassen“, erklärt Energieberater Jörg Wegener, der gemeinsam mit Peter Scharfenberg, dem Energieexperten des Zentrums für Umwelt, Energie und Klima der Handwerkskammer Düsseldorf, das Netzwerk in der ersten Runde unterstützte. Mithilfe einer Wärmebildkamera spürten die beiden Berater in den Werkstätten und Ladengeschäften ineffiziente Dämmung und fehlende Abdichtungen an Fenstern und Türen auf. In einem Elektrobetrieb stießen sie auf einen übermäßig stark gekühlten Serverraum. „In unserer Goldschmiede haben wir zum Beispiel die Beleuchtung komplett auf LED umgestellt und zugige Fenster und Türen abgedichtet. Das hat sich gelohnt. Die Investitionskosten sind schnell wieder drin und die Raum- und Vitrinenbeleuchtung ist viel besser geworden. Sogar Kunden haben uns darauf angesprochen“, berichtet Schöne.

 

Erfolg, der mobilisiert

Am Netzwerkende fiel die Bilanz mehr als positiv aus: „Insgesamt rund 25 Megawattstunden haben die neun Betriebe zusammen eingespart und ihr Ziel damit um mehr als 85 Prozent übertroffen. Nahezu alle geplanten Maßnahmen wurden umgesetzt und so finanzielle Einsparungen von jährlich mehr als 10.000 Euro realisiert“, sagt Gabriele Poth, Leiterin der Abteilung Umwelt, Energie und Klima bei der Handwerkskammer Düsseldorf und Moderatorin des Netzwerks. Auf ihre Unterstützung können die Teilnehmerinnen auch in der zweiten Runde bauen. Das Folgenetzwerk fokussiert auf nachhaltige Mobilität. „Wir wollen die Energiewende in unseren Betrieben ganzheitlicher angehen“, so Waltraud Schöne, erneut Trägerin des Netzwerks, „und beweisen, dass jedes Unternehmen dazu beitragen kann, die Verkehrsprobleme unserer Zeit, wie Staus und Feinstaubbelastung, langfristig zu überwinden.“ Mit inzwischen zehn Teilnehmerinnen wird das Netzwerk nun drei Jahre dauern und in enger Zusammenarbeit mit der Mobilitätspartnerschaft von Wirtschaft und der Stadt Essen stattfinden.

Zusammen ergibt es einen Leuchtturm

Auch im neuen Netzwerk stand am Anfang eine Bestandsaufnahme der Handwerksbetriebe. Diese übernahm wiederum die Handwerkskammer Düsseldorf gemeinsam mit Fachberatern der Bundesinitiative „mobil gewinnt“. Zu den identifizierten Maßnahmen zählen zum Beispiel Fahrradleasing, der Einsatz von Hybrid- und Elektrofahrzeugen sowie ein Umstieg auf den ÖPNV. Außerdem sollen Schulungen für ein effizientes, spritsparendes Fahren, eine Routenoptimierung sowie die effiziente Beladung der Fahrzeuge durchgeführt werden. Mithilfe der neuen Maßnahmen werden voraussichtlich 15 Megawattstunden eingespart. „Im Vergleich zur Stahlindustrie ist das zwar recht wenig, aber wenn alle Handwerksbetriebe mitmachen, ergibt es zusammen einen Leuchtturm“, so Poth. Und Netzwerkträgerin Schöne betont: „Wir sind wahrscheinlich die letzte Generation, die noch etwas gegen den Klimawandel unternehmen kann. Da zählt einfach jeder Beitrag.“

Foto: HWK Düsseldorf
Foto: HWK Düsseldorf

Diese Story erschien erstmals in der Publikation "Gemeinsam erfolgreicher" der Initiative Energieeffizienz Netzwerke (IEEN), an der der ZDH als Träger beteiligt ist.


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