Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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Eigenkapitalquoten im Handwerk

Die Eigenkapitalquote ist ein wichtiger Gradmesser für die "finanzielle Gesundheit" einer Branche oder eines Unternehmens.

Die Bedeutung des Eigenkapitals als Vorsorge für Krisenzeiten ist bei Handwerksbetrieben bekannt, weshalb im Langzeitvergleich die Bemühungen erkennbar sind, ausreichend Eigenkapital aufzubauen. Die Finanzkrise 2008/2009 hat sich erst mit zeitlicher Verzögerung im Handwerk bemerkbar gemacht und führte in den folgenden drei Jahren zum Absinken des Anteils der Handwerksbetriebe, die mit mehr als 30 Prozent eine komfortable Eigenkapitalausstattung haben. Doch seit dem Jahr 2013 steigt der Anteil der Betriebe mit einer soliden Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent kontinuierlich an und der Anteil der unterkapitalisierten Betriebe mit weniger als 10 Prozent Eigenkapital nahm kontinuierlich ab.

Im ersten Corona-Jahr 2020 stoppte dieser Trend abrupt und drehte sich um: Der Anteil der solide mit Eigenkapital ausgestatteten Betriebe reduzierte sich auf 21,5 Prozent (Vorjahr 22,4 Prozent) und der Anteil der unterkapitalisierten Betriebe erhöhte sich auf 32,7 Prozent (Vorjahr 31,7 Prozent). Im Jahr 2021 – mit dem langsamen Auslaufen der Pandemie-Maßnahmen – erholte sich die Situation und insbesondere Betriebe, die vor der Pandemie in der Gruppe mit einem Eigenkapital von 11-30 Prozent zu finden waren setzten nun alles daran, den Eigenkapitalpuffer zu erhöhen. Deshalb verzeichnen wir im Jahr 2021 einen deutlichen Zuwachs bei den Betrieben mit mehr als 30 Prozent Eigenkapital; dieser Anteil liegt nun bei 23,6 Prozent. Der Anteil der unterkapitalisierten Betriebe sinkt dagegen nur leicht auf 32,4 Prozent in 2021.

Der Erholungseffekt war jedoch nicht nachhaltig. Unverkennbar führen die massiven Kostensteigerungen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg, die von den Unternehmen gar nicht oder nicht vollumfänglich an die Kunden weitergegeben werden können zu deutlichen Ertragseinbrüchen, die nun wiederum über das Eigenkapital ausgeglichen werden müssen. Entsprechend sinkt der Anteil der solide kapitalisierten Betriebe in 2022 auf 22,1 Prozent und der Teil der unterkapitalisierten Betriebe steigt in 2022 deutlich um 1,9 Prozentpunkte auf 34,3 Prozent. Diese Trendwende setzt sich im Jahr 2023 augenscheinlich nicht fort, denn der Anteil der Handwerksbetriebe mit einer Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent hat sich zumindest stabilisiert und ist mit 34,1 Prozent fast auf dem Niveau des Vorjahres (34,3 Prozent). Im Bereich der solide eigenkapitalisierten Betriebe (Eigenkapitalquote >30 Prozent) ist sogar ein leichtes Wachstum hinsichtlich der Anzahl der Betriebe festzustellen (+ 0,7 Prozentpunkte auf 22,8 Prozent).

(Wirtschaftslage und Finanzierung im Handwerk 2022/23 - Creditreform; Wirtschaftsforschung)

Eigenkapitalquoten im deutschen Handwerk

(Untersuchungen der Vereine Creditreform)

Angaben in % der Befragten, Rest o. A.

Jahre"Mangelhafte" Eigenkapitalquote
von unter 10 Prozent
an der Bilanzsumme
"Unzureichende" Eigenkapitalquote
zwischen 11 und 30 Prozent
an der Bilanzsumme
"Solide" Eigenkapitalquote
von über 30 Prozent
an der Bilanzsumme
DeutschlandWestOstDeutschlandWestOstDeutschlandWestOst
202334,134,034,443,042,644,622,823,520,7
202234,334,434,143,644,541,222,121,224,7
202132,433,030,744,043,146,323,623,923,0
202032,732,533,345,846,643,921,521,022,7
201931,731,931,245,945,121,022,423,020,8
201832,534,227,745,043,848,222,522,024,1
201732,431,136,246,346,346,221,222,617,6
201631,330,63345,946,743,822,922,723,2
201533,231,537,547,647,747,219,220,715,3
201434,635,033,444,843,947,620,621,118,9
201336,933,341,343,343,243,319,821,515,5
201238,737,841,445,14642,616,216,315,9

Eigenkapitalquoten im deutschen Handwerk

Eigenkapitalquote 2000 - 2023

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