Junger Unternehmer liebt altes Handwerk

Sattler und Polsterer Jonas Moos hat sich mit seinem Geschäft in Hadersleben niedergelassen. Der Trend zur Nachhaltigkeit verhilft seiner Branche zum Aufschwung, meint der Handwerksmeister.

Jonas Moos vor seinem Betrieb in Hadersleben/Dänemark.
Foto: Der Nordschleswiger/Karin Riggelsen

Sattler und Polsterer Jonas Moos hat sich mit einer Werkstatt mit angeschlossenem Geschäft an der Lavgade niedergelassen. Der 30-jährige Haderslebener lernte das alte Handwerk von der Pike auf. Nach sieben Jahren mit Firmensitz am Naff steht Moos seit Ende Mai auf eigenen Beinen. „Ich habe mich 2013 mit ,Haderslev Auto- og Møbelpolstring‘ selbständig gemacht und saß seitdem bei meinem Vater zur Untermiete“, erzählt Jonas Moos.

Geschäft und Werkstatt unter einem Dach

In der Südstadt ist Meister Moos gut eingerichtet. In zentraler Lage unweit der Fußgängerzone und dem großen Parkplatz an der Süderbrücke, hat er wochentags, außer sonnabends, ab 8 Uhr geöffnet. „Werkstatt und Geschäft sind unter einem Dach. Wenn gerade mal keine Kunden da sind, habe ich auch keine Langeweile. Dann sitze ich an der Nähmaschine“, lacht Jonas Moos.

Eigentlich hatte sich der Unternehmer vorgenommen, niemals in die Fußstapfen seines Vaters Jon Moos, der seit 1972 „J. M. Bådnyt Sadelmager“ betreibt, zu treten. „Aber irgendwie ist es dann doch so gekommen, dass ich bei meinem Bruder in die Lehre gegangen bin“, erinnert sich Jonas Moos. Insgesamt sechs Jahre dauerte die Ausbildung, bei der der Haderslebener zunächst als Sattler und anschließend als Polsterer in der Lehre war. „Ich bin mit dem alten Handwerk aufgewachsen. Meine drei Brüder haben den gleichen Weg eingeschlagen und sind alle Möbelpolsterer“, schmunzelt Jonas Moos.

Keine Auftragseinbrüche wegen der Corona-Krise

Ein Standortwechsel in Zeiten von Corona – für viele Geschäftsleute ein unvorstellbares Unterfangen. Jonas Moos erlebte aber keine Auftragseinbrüche. „Es klingt vielleicht etwas sonderbar, aber es scheint so, als ob die Leute die Corona Auszeit nutzten, um Projekte, die sie auf die lange Bank geschoben hatten, zu realisieren“, überlegt Moos.

Viele Kunden hätten auch Interesse daran, die nachhaltige Entwicklung zu fördern: „Ich erlebe, dass Kunden ihre Erbstücke sanieren lassen, statt Neues zu kaufen. Dabei spielt wohl auch der Trend zur Nachhaltigkeit eine gewisse Rolle“, so der Handwerksmeister.Jonas Moos hat keine Angst um das Fortbestehen des alten Handwerkes. Er schätzt, dass landesweit rund 70 bis 80 Handwerker den Beruf ausüben. Er tut auch das Seine dazu, um die Tradition in Ehren zu halten, weswegen er auch einen Lehrling ausbildet.

„Es gibt wirklich viel zu tun. Im Augenblick komme ich kaum der Nachfrage nach“, sagt Jonas Moos. Dank seiner fachlich fundierten Ausbildung beherrscht er viele Techniken. Von Sitzkissen für Boote und Wohnwagen über Sitze für Motorräder und Autos sowie Polsterung von Möbeln – die Spannbreite seines Wirkungsfeldes scheint umfangreich. „Ich habe gerade 100 Stühle für ein Pflegeheim in Tondern aufgepolstert und ein Sofa für das Hospiz in Hadersleben überarbeitet“, erzählt Moos.

Der Fachmann schätzt Möbelklassiker

Moos werde die Arbeit nie eintönig oder ermüdend. „Ich habe Kunden in der ganzen Region. Deswegen komme ich viel herum“, verrät Moos. Sein Zuhause teilt sich der junge Handwerksmeister mit seiner Lebensgefährtin. „Statt günstige Wohnungseinrichtung im Möbelhaus zu kaufen, lege ich mir lieber gebrauchte Klassiker zu. Die kann ich dann auch selbst aufarbeiten“, lacht Jonas Moos.

Foto: Der Nordschleswiger/Karin Riggelsen

Diese Story von Karin Friedrichsen erschien zuerst in "Der Nordschleswiger".

 

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