Aufbau von Qualifizierungsstrukturen in der Ukraine
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Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine stellt eine außerordentliche Belastungsprobe für das gesamte Gesundheitssystem des Landes dar, auch für den orthopädischen Sektor. Die zunehmende Zahl von Amputationen und anderen durch Kampfhandlungen verursachten Verletzungen hat zu einem drastischen Anstieg der Nachfrage nach orthopädischen Hilfsmitteln wie Prothesen und Orthesen sowie orthopädischem Schuhwerk geführt.
Durch den Krieg unterbrochene Lieferketten für Rohstoffe und Komponenten zur Herstellung von Prothesen, zerstörte Produktionskapazitäten und die Auswanderung medizinischer Fachkräfte haben den Zugang der Bevölkerung zu orthopädischen Hilfsmitteln sowie die begleitende langfristige Rehabilitation erheblich eingeschränkt. Experten gehen davon aus, dass aktuell von Amputationen betroffene Menschen bis zu zehn Jahren auf die Versorgung mit einer passenden Prothese werden warten müssen.
Errichtung einer modernen Werkstatt in Lwiw
Im Mai 2024 wurde eine Werkstatt für die Orthopädietechnik und Orthopädieschuhtechnik in dem neu errichteten Rehazentrum “Unbroken” in Lwiw eröffnet, das mit Fördermitteln aus Deutschland gebaut wurde. An der Planung und Einrichtung der Werkstatt war der Orthopädieschuhmachermeister und Internationale Meister Bernd Franke als Experte maßgeblich beteiligt.
Da es in der Ukraine an Fachkräften für die Orthopädieschuhtechnik fehlt, hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) 2025 ein Projekt zur Ausbildung von ukrainischen Fachkräften zusammen mit dem deutschen Verein Praeparatio initiiert. In der Ausbildung sollen Kenntnisse über den Leistenbau, die Schaftmodellierung und die Montage von orthopädischen Maßschuhen mit sowohl klassischen Handwerkstechniken als auch digitalen Fertigungssystemen vermittelt werden.
Vom Pilotkurs zur geregelten Ausbildung
In einem Pilotkurs wurden zwei ukrainische Orthopädietechniker aus der Werkstatt in Lwiw und zwei Studenten von der Universität Kiew mit Hilfe einer neuen E-Learning Plattform qualifiziert und online auf den praktischen Teil vorbereitet. Dieser wurde in drei Workshops im September und Oktober 2025 von den Orthopädieschuhmachermeistern Franz Fischer und Bernd Franke in Lwiw durchgeführt, unterstützt durch einen Dolmetscher. Am Ende der Ausbildung hatten die Teilnehmer alle Arbeitsschritte zur Herstellung eines orthopädischen Schuhes erlernt.
Die bei diesem ersten Pilotprojekt gesammelten Erfahrungen sollen in Lehrpläne der Universität KNUDT in Kiew einfließen, mit denen eine neue Generation von Spezialisten für orthopädisches Schuhwerk in der Ukraine ausgebildet werden soll.
Quelle:
Orthopädieschuhtechnik 11/2025