Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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Deutschen Handwerks
01.09.2022

Holzgestalter reizt Grenze des handwerklich Machbaren aus

Durchhaltevermögen, gepaart mit Kreativität und handwerklicher Präzision – Ein Bildhauer aus dem Allgäu betreibt Kunsthandwerk in Perfektion.
Schreiner bearbeitet ein Stück Holz

Den Bildhauer Christoph Finkel aus Bad Hindelang im Allgäu reizt die Herausforderung, den Charakter des Holzes von jahrhundertealten Bäumen offenzulegen. Die Veränderungen, die Wind, Regen, Schnee oder Krankheiten im Holz hinterlassen haben, verleihen seinen Skulpturen einen einzigartigen Charme. Dafür geht er an die Grenzen des handwerklich Machbaren. Für ihn ist es wichtig, „das Material zu verstehen“, das er bearbeitet. Er will immer wissen, wo der Baum gestanden hat, wann er gefällt wurde und wie alt er war.

Eine über 100-jährige Drehbank für besonders schwere Rohlinge

Um zu ergründen, wo die Grenze zwischen Kunst und Handwerk verläuft, lohnt ein Blick in die Werkstatt Finkels im Erdgeschoss der alten Dorfschule von Vorderhindelang. Dort befindet sich eine tonnenschwere Maschine aus der Epoche der Industrialisierung um 1900 in Chemnitz. Mit diesem Koloss kann er Hölzer von 1,2 Metern Durchmesser drehen, ohne dass Spindel oder Lager durch die anfängliche Unwucht Schaden nehmen. Selbst einen rund eine Tonne schweren Rohling aus nassem Eichenholz hat Christoph Finkel schon auf der Maschine in Form gebracht.

Tiefes Verständnis für das Naturmaterial Holz

Sein Verständnis für das Naturmaterial wie das handwerkliche Geschick im Umgang mit Holz wurzeln in seiner Kindheit. Schon als kleiner Junge bastelte Christoph Finkel gern in der Werkstatt seines Vaters, der wie seine Vorfahren als Wagnermeister vor allem Schlitten baute. Mit ihm stieg er ins Gebirge, um das elastische, wintergeschlagene Eschenholz zu holen. Bei diesen Streifzügen schärfte er seine Aufmerksamkeit dafür, wie der Wuchs des Baumes die Holzeigenschaften beeinflusst. Diese elementaren Erfahrungen haben dem heute 50-Jährigen früh die Wertschätzung der Natur gelehrt.

Künstler brauchen einen langen Atem

Nach dem Abitur ging Christoph Finkel an die Schnitzschule Elbigenalp im Lechtal, weil ihn das figürliche Gestalten interessierte. Von dort wechselte er aber bald an die Akademie der Bildenden Künste nach Nürnberg. Am Ende dauerte es 20 Jahre, ehe der Holzkünstler von seiner Kunst leben und eine Familie ernähren konnte. Lange arbeitete er für einen Stundenlohn von fünf Euro – die Freiheit, ohne Auftrag und ergebnisoffen zu arbeiten, hatte ihren Preis.

Durchbruch auf der internationalen Design Week in Mailand

Den Durchbruch schaffte Christoph Finkel vor zehn Jahren, als die italienische Möbelmarke Paola Lenti seine Arbeiten zur internationalen Design Week in Mailand ausstellte. Kundschaft aus Amerika kaufte damals sämtliche Exponate von Finkel auf. Später entdeckte er seine Skulpturen und seinen Namen in einer amerikanischen Zeitschrift. Sie standen als Dekor in der Villa des Schauspielers Balthazar Getty in Hollywood.

Liebhaber zahlen fünfstellige Summen

Christoph Finkel wurde unter anderem mit dem Hessischen und dem Bayerischen Staatspreis für Kunsthandwerk geehrt. Seine Werke stehen heute in Galerien und Museen in den USA, Südkorea, Stockholm oder Basel. Liebhaber zahlen fünfstellige Summen für die Skulpturen, die meist an Gefäße erinnern, jedoch nicht als Gebrauchsgegenstände gedacht sind.

Quellen: www.kultursponsoren-landkreis-passau.de, Pressemitteilung vom 28. Juli 2022;
                  www.deutsche-handwerks-zeitung.de, Pressemitteilung vom 11. Januar 2022

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