Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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Deutschen Handwerks
27.06.2019

Edle Stoffe aus alten und neu entwickelten Webstühlen

Zwei Handwerksunternehmen lassen die jahrhundertealte Webtechnik an historischen und selbst konstruierten Webstühlen wieder aufleben.

Andreas Möller hat die jahrhundertealte Webtechnik wiederbelebt. In seiner Weberei in Hamburg im Stadtteil St. Pauli (www.moeller-hamburg.com) lässt er sie mit wunderschönen Decken, Schals und Handtüchern neu aufleben. Nach einer Weberlehre und vielen Jahren der Übung webt der in Johannesburg geborene Kunsthandwerker reliefartiges Stoffdesign mit komplexen Strukturen und einer plastischen Optik aus ägyptischer merzerisierter Baumwolle und italienischer Merinowolle. Als ambitionierter Tüftler hat er auch den Webstuhl weiterentwickelt und rückenfreundlicher gemacht, gleichzeitig geht das Weben schneller und leiser. Der von ihm selbst entwickelte Webstuhl „Flying 8“ (leitet sich von Flying Shuttle und 8 Schäften ab) ist so einfach, dass er sogar in Entwicklungsländern schnell nachgebaut werden kann. Das hat den Deutschen Entwicklungsdienst auf ihn aufmerksam gemacht, der ihn gleich nach Afrika schickte. Dort sorgte er dafür, dass Menschen in Äthiopien, Tansania oder Botswana eigene Webereien gründen und von ihrer Handarbeit leben können. An Möllers Webstühlen sitzen mittlerweile Menschen auf vier Kontinenten in über 20 Ländern. Mit Webkursen und Vorträgen bringt er rund um den Globus anderen Menschen sein Metier nah. Er arbeitet für verschiedene Organisationen, u.a. für die UN und die GIZ und stellt auf Messen in Europa, Amerika, Afrika und Indien aus. Für seine moderne Wollkunst hat er Dutzende von internationalen Staats- und Designerpreisen erhalten.

Auch die Stoffe der traditionsreichen Cammann Gobelin Manufaktur (www.cammann-weberei.de) in Braunsdorf bei Chemnitz sind etwas ganz Besonderes. Man findet sie auf der Burg Kriebstein, in der Semperoper in Dresden oder auch im Moskauer Kreml. Textilfachmann Torsten Bäz ist Inhaber der von Paul Cammann 1886 in Chemnitz gegründeten Weberei für schwere Möbelstoffe und Wanddekorationen. Das Unternehmen fertigt bis heute exklusive und nach traditionellen Webereiverfahren hergestellte Möbelstoffe. Durch sogenannte „Französisch-Feinstich“-Musterkarten entstehen die historischen Modelle und Motive. Mit viel Liebe zum Detail und vor allem handwerkliches Geschick werden ausgewählte Stoffe durch Handcoloration zu unverwechselbaren Unikaten. Die historischen riesigen, archaisch wirkenden Maschinen weben jeweils je nach Komplexität des Musters zwischen fünf und acht Meter Stoff - ein Bruchteil dessen, was ein moderner Webstuhl schafft. Jedoch kommt dieser längst nicht an die Dichte und Haltbarkeit der auf den Dinosaurier-Maschinen gewebten Stoffe heran. Cammans Stoffe sind vor allem bei Polstereien, Restauratoren, aber auch Schlössern und Museen sowie Privatleuten gefragt. 2018 kam sogar ein Auftrag eines Raumausstatters aus New York.

Aus dem Unternehmen, das vor der Wende rund 600 Mitarbeiter beschäftigte, ist ein Zweieinhalb-Personen-Betrieb geworden. Nach Einschätzung von Torsten Bäz geht der Trend aktuell wieder zu hochwertigen und langlebigen Produkten, die Camman-Stoffe beginnen bei 125 Euro pro laufenden Meter. Die große Herausforderung besteht darin, Weber zu finden, die sich in die Bedienung der alten Technik hineinfuchsen wollen. Sein im Unternehmen angestellter Weber ist einer der wenigen Menschen, welche die historischen Webmaschinen noch bedienen können.

Quellen: www.welt.de; Pressemitteilung vom 28. Januar 2018;
                www.moeller-hamburg.com, Stand: Juni 2019;
                Freie Presse, Pressemitteilung vom 26. Februar 2019

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