Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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01.11.2020

Maschinenbauer meistert mit Improvisationstalent Corona-Zeiten

Ein Handwerksbetrieb nutzt freie Kapazitäten, um seine Mitarbeiter in Corona-Zeiten nicht in Kurzarbeit schicken zu müssen.

In der oberbayerischen Gemeinde Ampfing sitzt ein hoch dekorierter Handwerksbetrieb mit internationaler Strahlkraft. Ob Australien, Kanada, Thailand oder halb Europa – die Produkte von Wackerbauer Maschinenbau sind weltweit begehrt. Die internationale Ausrichtung des Familienunternehmens hat jedoch auch ihre Schattenseiten. So sind in der Corona-Krise viele Aufträge weggebrochen und Montagen im Ausland waren zeitweise kaum noch möglich. Doch statt seine Mitarbeiter auf Dauer in Kurzarbeit zu schicken, nutzte Wackerbauer Maschinenbau die freien Kapazitäten und fertigte mit Hilfe eines eigenen Roboters kurzerhand 7.000 Visiere und Sichtschilde für ein Krankenhaus.

In dritter Generation leitet Claudia Wackerbauer gemeinsam mit ihrem Bruder, einem Feinwerkmechanikermeister, seit sechs Jahren die Geschicke des Familienunternehmens. Gegründet in den 1930er Jahren bildete das Handwerksunternehmen über die Jahre ein Netz an Kunden aus der Chemie-, Lebensmittel- und Luftfahrtindustrie. Heute ist Wackerbauer Maschinenbau in der Branche eine feste Größe und vor allem für seine Exportschlager bekannt, die allein die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen. Für seine Innovationskraft erhielt der Handwerksbetrieb bereits zweimal den Bayerischen Staatspreis sowie 2019 den Exportpreis Bayern.

"Wir kommen immer dann ins Spiel, wenn der Standard nicht funktioniert. Nichts bei uns ist von der Stange. Wir bauen Maschinen, die für ein spezielles Problem die passende Lösung bieten", erklärt Claudia Wackerbauer das Geschäftsmodell. Für den Hubschrauberhersteller Airbus Helicopters entwickelte Wackerbauer 2001 den Helilifter. Der Transporter wird per Fernsteuerung gefahren und ist mit einer innenliegenden Antriebseinheit mit Hydraulikaggregat und Batterien ausgestattet. Neben dem Umweltaspekt spricht für die Technik die stufenlose Einstellung von Geschwindigkeit, Drehmoment und Kraft über einen großen Bereich. Ob Polizei, Luftrettung, Zollbehörden, Katastrophenschutz oder Militär – Behörden auf der ganzen Welt nutzen heute den Helilifter. Und auch knapp 20 Jahre nach seiner Einführung verbessert Wackerbauer die Technik des Helilifters noch stetig.

Das zweite wichtige Standbein im Exportgeschäft ist die Trennmühle TM75. Ein Unternehmen aus der Entsorgungsindustrie stand vor dem Problem, Bioabfall von Plastikresten zu trennen, um in Biogasanlagen aus den Speiseresten Energie erzeugen zu können. Bei der Vergärung lagerten sich die Plastikstoffe wie eine Haut über den Speiseresten ab und behinderten so den natürlichen biologischen Prozess. Sohn und Vater Wackerbauer entwickelten ein Trennsystem, dass die Fremdstoffe zuverlässig aus dem Bioabfall entfernt. Inzwischen sind über 65 dieser Anlagen auf der ganzen Welt im Einsatz. Claudia Wackerbauer sieht vor allem im Ausland noch Wachstumspotenzial für das Produkt, weil in vielen Ländern die Mülltrennung noch nicht so genau geregelt ist wie in Deutschland.

Ob beim Helilifter, der Trennmühle oder den anderen Spezialmaschinen: Das Unternehmen bietet alle Leistungen aus einer Hand an, um sich nicht von anderen abhängig zu machen. "Wir wollen kein Zulieferer sein, sondern die komplette Kontrolle über die Wertschöpfung behalten", sagt Wackerbauer. So befinden sich alle Abteilungen unter einem Dach, von der Dreherei über die CNC-Technik bis hin zur Blechbearbeitung. Von den 23 Mitarbeitern haben die meisten eine handwerkliche Ausbildung, etwa als Feinwerkmechaniker, Spengler oder Maschinenschlosser. Alle Maschinen werden im Werk gefertigt. Zum Service zählen auch individuelle Schulungen für die Kunden, wie sie die Spezialmaschinen fachmän-nisch bedienen, warten und reparieren. Das spart später Aufwand bei Reklamationen und stärkt zugleich die Kundenbindung.

Für die nächsten Jahre ist Wackerbauer weiterhin zuversichtlich. Viele Märkte bieten noch Absatzchancen, andere sind noch gar nicht erschlossen. Sorgen bereitet hingegen die schwierige Suche nach Fachkräften und Auszubildenden. Zwar bietet das Unternehmen vier Ausbildungsberufe an, aber kein einziger Platz ist derzeit besetzt. Claudia Wackerbauer wünscht sich deshalb mehr Anerkennung für das Handwerk in der Gesellschaft.

Quelle: www.deutsche-handwerks-zeitung.de, Pressemitteilung vom 12. Oktober 2020

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