Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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26.08.2020

Über Italien nach Portugal: Eine Geigenbauerin kehrt zurück

Nach 23 Jahren in Italien, Frankreich und Portugal ist eine Geigenbauerin aus der Oberpfalz wieder zurück in ihrer Heimat und bringt dort in ihrer Werkstatt Holz zum Klingen.

Nach 23 Jahren ist Judith Bauer aus Weiden in der Oberpfalz (www.judithbauer.com) wieder zurück in ihrer Heimat. Die Geigenbauerin und leidenschaftliche Cellospielerin lebte und arbeitete lange Zeit in Italien, Frankreich und Portugal.

Gepackt von ihrer Begeisterung für das Cellospielen und den Geigenbau seit ihrer Kindheit, ging Judith Bauer nach dem Abitur in die italienische Stadt Cre-mona und lernte dort das Geigenbauerhandwerk von der Pike auf. In Italien verbrachte sie auch ihre Gesellenjahre. Nur für die Gesellenprüfung an der Staatlichen Musikinstrumentenbauschule in Mittenwald kam sie kurz nach Deutschland zurück. Nach dem Abschluss vertiefte sie ihr handwerkliches Wissen durch Praktika in Italien und Frankreich sowie die spätere Arbeit in Portugal. Ihr Sprachschatz umfasst mittlerweile Italienisch, Portugiesisch, Französisch, Englisch und Spanisch.

2002 wagte Judith Bauer den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnete ihre erste eigene Geigenwerkstatt in Lissabon. Das Geschäft lief sehr gut. Laut Bauer werden die Deutschen für ihre Genauigkeit und Pünktlichkeit im Ausland sehr geschätzt. Die Portugiesen hingegen sind viel spontaner und improvisieren gerne.

Die Handwerkerin geht bei der Bestellung eines neuen Streichinstruments im Vorgespräch ganz genau auf die individuellen Bedürfnisse ein: „Ist der Kunde Kammermusiker oder Solist? Welche Art der Musik spielt er auf dem Instrument? Ist er Profi oder Anfänger?“ Bis hin zur Größe der Hände und der Statur. Jedes Instrument soll ein individuelles Einzelstück sein, das seinen Spieler lange begleitet. International berühmte Kunden wie die Cellistin Hanna Chang oder der Geigenspieler Bin Chao ließen sich schon ihren Bogen von Bauer behaaren oder gaben ein neues Instrument in Auftrag.

Judith Bauer ist sich sicher, dass der Nachwuchs mit den richtigen Argumenten für ein Traditionshandwerk überzeugt werden kann: “Als Handwerker kann ich etwas Nachhaltiges und Kreatives mit meinen eigenen Händen erschaffen. Das gibt dir so viel Zufriedenheit.“ Auch im Traditionshandwerk Geigenbau gibt es Innovationen wie E-Geigen oder Streichinstrumente aus Carbonfasern – einem Material, das eigentlich im Auto- und Flugzeugbau verwendet wird. Auch könne man in Zukunft das stark gefährdete Ebenholz durch heimisches, speziell behandeltes Fichtenholz ersetzen, ein Schritt in Richtung Umweltschutz.

Quellen: www.deutsche-handwerkszeitung.de vom 5. Februar 2020;
                 www.oberpfalz.de

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