Zentralverband des
Deutschen Handwerks
16.09.2026

Weniger EU-Vorgaben, mehr Vertrauen in Betriebe

Anlässlich der Rede zur Lage der Union von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 16. September erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH):
Holger Schwannecke

"Europa muss seine Wettbewerbsfähigkeit stärker aus der Perspektive der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Betriebe denken. Rund 26 Millionen KMU tragen Wirtschaft, Beschäftigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Europa. Von der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erwartet das Handwerk, dass sie deren Wettbewerbsfähigkeit zum Maßstab europäischer Politik macht.

Die Realität in den Betrieben ist derzeit eine andere. Gerade kleine und mittlere Handwerksbetriebe stehen unter erheblichem Druck. Zu viele Belastungen sind Folge einer europäischen Gesetzgebung, die zu detailliert, zu bürokratisch und zu wenig an der betrieblichen Praxis ausgerichtet ist. 

Angesichts der Lage der Betriebe und ihrer Rolle als Temperaturfühler der Gesellschaft ist es nicht nachvollziehbar, dass die Kommissionspräsidentin hier nicht deutlicher gegensteuert. Europa braucht mehr legislative Zurückhaltung. Nicht jedes Problem lässt sich durch europäische Regulierung lösen. Wo dezentrale und praxisnahe Lösungen möglich sind, sollten sie Vorrang haben.

Die mehr als eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland sind fest vor Ort verankert. Ihre Eigentümerinnen und Eigentümer tragen persönliche Verantwortung und haften mit ihrem eigenen Vermögen. Umso wichtiger ist es, dass die Gesetzgeber in Berlin und Brüssel den Betrieben mehr Vertrauen entgegenbringen, statt sie durch pauschale Nachweis-, Prüf- und Dokumentationspflichten unter Generalverdacht zu stellen.

Europa liegt dem Handwerk gerade in diesen Zeiten besonders am Herzen. Die großen Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam bewältigen. Eine wettbewerbsfähige Wirtschaft ist dafür die Grundlage. Europäische Maßnahmen dürfen deshalb vor Ort nicht vor allem als zusätzliche Belastung wahrgenommen werden. Wenn Regulierung regelmäßig mit mehr Bürokratie und weniger Handlungsspielraum verbunden wird, erschüttert das Vertrauen in die europäischen Strukturen. Dieses Vertrauen gilt es durch mehr Augenmaß, weniger Bürokratie und mehr Vertrauen in die Verantwortung der Betriebe zu stärken."

Schlagworte