Das Handwerk "menschelt" auch in Zukunft
Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein digitales Hilfsmittel. Sie filtert Bewerbungen, erstellt Texte, analysiert Zahlen, plant Abläufe und gestaltet Präsentationen fast auf Knopfdruck. Aufgaben, für die früher ein halber Arbeitstag nötig war, sind heute teilweise in wenigen Minuten erledigt. Doch genau dieses Tempo verunsichert viele Beschäftigte: Kaum hat man eine Anwendung verstanden, steht schon die nächste technische Neuerung vor der Tür.
Im Handwerk sieht die Lage jedoch anders aus. Zwar kann KI auch hier unterstützen – etwa bei Angeboten, Materialplanung, Dokumentation oder Kundenkommunikation –, doch die eigentliche Arbeit bleibt in vielen Gewerken schwer automatisierbar. Wer eine undichte Leitung repariert, eine Wand verputzt, ein Dach saniert oder eine Maßanfertigung einpasst, arbeitet unter ständig wechselnden Bedingungen: kein Einsatzort gleicht dem anderen, Materialien reagieren unterschiedlich, und oft braucht es Erfahrung, Fingerspitzengefühl und spontane Problemlösung. Genau diese Kombination aus Wahrnehmung, handwerklicher Geschicklichkeit und Anpassung an unvorhersehbare Situationen gilt in der Forschung weiterhin als große Hürde für KI und Robotik. Hinzu kommt das Bedürfnis nach sozialem Miteinander in einer sich verändernden Arbeitswelt. Egal ob im Kundenkontakt oder in der Zusammenarbeit unter Kolleginnen und Kollegen sowie Gewerken – das Handwerk basiert auch in Zukunft auf menschlicher Begegnung.
Handwerk ist …
ZDH
Handwerkliches Geschick
ZDH
Physische Präsenz
ZDH
Situative Intelligenz
ZDH
Vertrauensvolle Interaktion
Best Practices KI-Einsatz im Handwerk
Künstliche Intelligenz ist in vielen Handwerksbetrieben angekommen. Hier stellen wir Betriebe vor, die innovative Tools nutzen und entwickeln.
Welche Jobs werden morgen gebraucht?
Die demografische Herausforderung ist gigantisch: Bis 2036 fehlen Deutschland 4,3 Millionen Arbeitskräfte (IW Köln). Die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge gehen in Rente, es rücken zu wenige Junge nach. Der Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen zieht sich durch alle Wirtschaftsbereiche und Institutionen.
Auch im Handwerk ist die Lage angespannt – 250.000 offene Stellen, 125.000 Betriebsnachfolgen in den nächsten fünf Jahren, 20.000 Ausbildungsplätze bleiben jährlich unbesetzt. Dabei wird das Handwerk dringend gebraucht bei den Transformationsprozessen beim Klimaschutz sowie bei der Energie- und Mobilitätswende, im Wohnungsbau, im Bereich Gesundheit & Pflege oder auch bei Landwirtschaft & Ernährung. Auch im Bereich der Daseinsvorsorge bei kritischer Infrastruktur und als Krisenhelfer im Bevölkerungsschutz ist das Handwerk mittlerweile unverzichtbar.
Handwerk sichert zudem kulturelles Erbe und bewahrt Handwerkstraditionen, die durch keine KI ersetzt werden können. Die Berufe aus dem Kunsthandwerk, der Denkmalpflege und Restaurierung sowie dem Instrumentenbau vereinen jahrhundertealtes Wissen mit absoluter Präzision.
Welches Handwerk passt zu dir?
Auf handwerk.de findest du Informationen zu allen Berufen im Handwerk. Dort gibt es den “Berufe-Checker” sowie viele weitere Hilfen und Praxisbeispiele.
Starkes Handwerk nur mit starker Berufsausbildung
Das Handwerk versöhnt diese beide Zukunftsthemen miteinander: Es bietet in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit eine Vielzahl an Ausbildungsplätzen und kreativen Karriereoptionen. Und es befriedigt das Bedürfnis nach menschlichem Miteinander und sinnstiftender Arbeit. Es ist daher im politischen Interesse, den Übergang in Handwerksberufe und vorwiegend in die berufliche Ausbildung zu erleichtern.
Ansatzpunkte
- Ein DQR-Gesetz, das die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung rechtlich verankert.
- Eine Sicherstellung von Grundkompetenzen und eine Vermittlung von Berufswahlkompetenz durch die allgemeinbildenden Schulen. Zudem sind fehlende Kompetenzen in Mathematik und Deutsch durch Fördermaßnahmen des Bundes und der Länder auch beim Übergang in die Ausbildung zu vermitteln.
- Es braucht auch an Gymnasien eine vorurteilsfreie Berufsorientierung zu Handwerksberufen sowie verbindliche Praktika in der gymnasialen Oberstufe.
- Eine verlässliche Förderung zur Sanierung und Modernisierung der Bildungsstätten des Handwerks aus Bundeshaushalt und Sondervermögen.
- Mindestens 90 Millionen Euro Bundesmittel für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU), damit Auszubildende auch aus kleineren Betrieben moderne Ausbildungsangebote nutzen können.
- Die bundesweite Einführung eines Freiwilligen Handwerksjahrs (FJH) nach einheitlichem Standard – analog zum FSJ oder FÖJ.
- Programme wie die Passgenaue Besetzung & Willkommenslotsen müssen weiter gefördert und ausgebaut werden.
- Die Potenziale bei der Fachkräfteeinwanderung und der Integration geflüchteter Menschen in den Arbeitsmarkt heben, beispielsweise durch Integrations- und Sprachkurse.
- Weitere Maßnahmen ergreifen, die die Fachkräftepotenziale im In- und Ausland heben, wie zum Beispiel Drehscheibenmodelle, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die vom aktuellen Stellenabbau betroffen sind, zügig in andere Wirtschaftsbereiche vermitteln.






