Zentralverband des
Deutschen Handwerks

Handwerk handlungsfähig halten

Fachkräftebedarf, digitale Abhängigkeiten und steigende Komplexität bedrohen die Leistungsfähigkeit der Betriebe. Nur wer selbst handlungsfähig bleibt, kann im Krisenfall einen Beitrag leisten.

Wettbewerbsfähigkeit & wirtschaftliche Robustheit

Mittelstand und Handwerk tragen maßgeblich zu einer resilienten Wirtschaft bei. Sie bieten Stabilität in der Krise, sichern Lieferketten und sind standorttreu. Aber: Nur wettbewerbsfähige Unternehmen und Betriebe können im Krisenfall schnell handeln und somit die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft erhöhen. Planungssicherheit und Bürokratieabbau müssen weiter vorangetrieben werden und regulatorische Rahmen (z.B. KRITIS-Dachgesetz, Nationale Wirtschaftsschutzstrategie) mittelstandsfreundlich gestaltet und umgesetzt werden.

Im Zuge geopolitischer Herausforderungen, einer fragmentierten Weltwirtschaft sowie struktureller, inländischer Wachstumsschwächen sind wirtschafts- und sicherheitspolitische Fragestellungen zunehmend miteinander verknüpft. Die Studie “Wachstumsgrundlagen erneuern, Sicherheit nachhaltig stärken” des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft analysiert die gegenwärtige Ausgangslage und zeigt Handlungsoptionen zur Resilienzsteigerung auf. Die Erhöhung des eigenen Wachstumspotenzial ist hier eine wesentliche Forderung.


Digitalisierte Wirtschaft mit digitaler Souveränität

Die Wertschöpfung verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum – auch im Handwerk. Wer die digitalen Schnittstellen zum Kunden kontrolliert, kontrolliert zunehmend die Wertschöpfung. Handwerksbetriebe laufen Gefahr, Kundenzugang, Preishoheit und unternehmerische Autonomie an dominante Plattformen zu verlieren. Digitale Souveränität ist daher eine Voraussetzung für wirtschaftliche Resilienz. Sie erfordert souveräne Dateninfrastrukturen auf Basis von Open-Source-Lösungen, Dateninteroperabilität und faire Digitalmarktmechanismen. Gleichzeitig wächst die Bedrohung durch Cyberangriffe auf KMU.


Fachkräfte und Nachwuchs sichern

Ohne ausreichend Personal können Betriebe weder den laufenden Betrieb aufrechterhalten noch im Krisenfall zusätzliche Kapazitäten mobilisieren. Mit Blick auf den demografischen Wandel und die bereits existierende Fachkräftelücke im Handwerk sind eine echte Bildungswende – mit gleichwertiger Anerkennung beruflicher und akademischer Wege –  und weitere Maßnahmen, die die Fachkräftepotenziale im In- und Ausland heben, resilienzpolitisch notwendig.

Neue Formate wie ein Freiwilliges Handwerksjahr im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes und eine gezielte Übergangsbegleitung vom Wehrdienst in die handwerkliche Ausbildung können zusätzliche Zugänge schaffen.

Freiwilliges Handwerksjahr im Freiwilligen- und Zivildienst

  • Handwerk und Gesellschaftsdienste
    Konzept, Juni 2026
Stellungnahme zum Referentenentwurf (Reservestärkungsgesetz – ResStG)

Gesetz zur Stärkung der Reserve

Auch wenn die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands sowie die Verbesserung der personellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr unverzichtbar und notwendig sind, greifen die im Referentenentwurf vorgesehenen Maßnahmen erheblich in die Personal- und Organisationsstrukturen der Handwerksbetriebe ein. Die Systemrelevanz des Handwerks für Wirtschaft und Gesellschaft in Krisenzeiten wird nicht hinreichend berücksichtigt. Zur ZDH-Stellungnahme:

  • ZDH-Stellungnahme zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Reserve

Resiliente Betriebe

Handwerksbetriebe können selbst Opfer von z.B. Cyberangriffen und Bedrohungslagen sein. Sie müssen sich anders und besser als in der Vergangenheit schützen und auf Krisenfälle vorbereitet sein.

Cybersicherheit für Betriebe

Eine zunehmende Verschiebung von Wertschöpfungsprozessen in den digitalen Raum sowie die Zunahme von Cyberattacken auch auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erfordern, dass sich Betriebe mit dem Thema Informations- und Cyber-Sicherheit vertraut machen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bietet umfangreiche Informationen und Hilfestellungen für KMU an und auch die Allianz für Cyber-Sicherheit, in der sich der ZDH von Beginn an engagiert, bietet auf seinen Seiten einen Rundumblick zum Thema mit vielen Empfehlungen und Handbüchern.

Ratgeber BBK

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) stellt verschiedene Vorsorge-Ratgeber mit Handlungsempfehlungen für verschiedene Notsituationen zur Verfügung.

Allgemeine Ratgeber Ratgeber zu Sektoren und Branchen KRITIS

Betreiber kritischer Infrastruktur

Wenn Betriebe kritische Anlagen betreiben beziehungsweise in besonders wichtigen Sektoren agieren, unterliegen sie Regulierungen durch KRITIS-Dachgesetz (KRITISDachG) und NIS2-Umsetzungsgesetz. Die Plattorm openkritis verschafft einen guten Gesamtüberblick zu KRITIS und NIS2. Das BSI stellt umfangreiche Orientierungshilfen und Anleitungen zur Verfügung.

Unterstützung bei Handwerkskammern und Verbänden

Die Handwerkskammern vor Ort beraten zu Themen wie Notfallplanung, Cybersicherheit, Förderprogrammen und betrieblicher Krisenvorsorge. Sie vermitteln Kontakte zu relevanten Behörden und unterstützen bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen – etwa im Zusammenhang mit NIS2 oder dem KRITIS-Dachgesetz. Ergänzend bieten die jeweiligen Fachverbände und Innungen branchenspezifische Informationen, Schulungen und Netzwerke, die Betriebe gezielt auf krisenrelevante Herausforderungen vorbereiten.