30.05.2018

Das Handwerk engagiert sich überproportional bei der Ausbildung von Flüchtlingen

ZDH
Foto: ZDH/Schüring.

„Kein anderer Wirtschaftsbereich integriert so viele Flüchtlinge in Qualifizierung und Qualifikation wie das Handwerk. Aus der jährlich erhobenen Berufsbildungsstatistik und dem daraus extrahierten Lehrlingsbestand für die acht häufigsten nichteuropäischen Asylzugangsländer (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien, Stichtag 31.12.) wissen wir, dass die Zahl der Auszubildenden im Handwerk, die aus diesen acht Ländern kommen, nochmals deutlich gestiegen ist. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt (+6.514 bzw. +142,7%). Mittlerweile befinden sich über 11.000 Personen mit einer Staatsangehörigkeit aus einem der acht Asylzugangsländer in einer Ausbildung im Handwerk.

Wenn man das gesamtwirtschaftliche Ausbildungsgeschehen in der deutschen Wirtschaft betrachtet, dann verdeutlichen vor allem zwei Zahlen die besonders große Integrationsleistung des Handwerks bei der betrachteten Personengruppe. Der Anteil von Handwerksauszubildenden gemessen an der Gesamtzahl aller Auszubildenden macht 27 % aus. Demgegenüber absolviert hingegen knapp die Hälfte aller Auszubildenden mit einer Staatsangehörigkeit aus einem der acht Asylzugangsländer ihre Ausbildung im Handwerk (aktuellste mögliche Daten für 2016: 48,4%).

Vor dem Hintergrund der im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen überproportional hohen Ausbildungsleistung des Handwerks von Flüchtlingen ist noch weniger nachzuvollziehen, warum die Bundesländer die vom Handwerk durchgesetzte 3+2-Regelung nach wie vor unterschiedlich handhaben und damit unseren integrationswilligen und ausbildungsbereiten Betrieben immer noch Steine in den Weg gelegt werden. Unsere Betriebe brauchen Rechtssicherheit. Ein Lehrling mit Bleibeperspektive, der von einem Betrieb ausgebildet wird, muss die Ausbildung auch beenden dürfen und nach seinem Abschluss auch zwei Jahre dort arbeiten dürfen, ohne fürchten zu müssen, abgeschoben zu werden. Wenn das nicht flächendeckend so garantiert werden kann, werden Betriebe vermutlich bald keine Flüchtlinge mehr ausbilden.“

 

Auszüge des Statements erschienen am