Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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19.12.2023

Köln hilft Notre Dame – Restaurierte Fenster zurück in Paris

Glasmaler aus Ostwestfalen verhalfen Fensterscheiben der Kathedrale zu alter Schönheit.
Kathedrale Notre Dame mit Weihnachtsmarktständen in der Nacht.

Vielen gilt sie als Inbegriff der Kathedralen Frankreichs: Notre-Dame in Paris. Der verheerende Brand 2019 hat das Dach fast vollständig zerstört, der sogenannte Vierungsturm stürzte ein. Auch viele ihrer Fensterscheiben wurden vernichtet. Nach fast einem Jahr Restaurierung in der Kölner Dombauhütte kehrten im April dieses Jahres vier der beschädigten riesigen Fenster der Kathedrale nach Paris zurück.

"Wie Champions League" für Glasmaler

Insgesamt 50 Quadratmeter Fenster, in 160 Einzelteile zerlegt, mussten in Kleinstarbeit restauriert werden. Stephan Lübbers und sein Partner Stefan Lücking von der Firma "Die Glasmaler" führten die Arbeiten für die Kölner Dombauhütte durch, die wiederum von der zuständigen französischen Behörde beauftragt worden war. Für die Glasmaler aus Borchen war der Auftrag „wie Champions League".

Fenster aus dem Jahr 1965

Von Juni 2022 bis April 2023 wurden die Gläser in der Borchener Werkstatt vom Feuerruß gereinigt und die Rahmen neu gelötet und gekittet. Sie waren mit Bleistaub bedeckt, der beim Brand des Daches der Kathedrale entstanden war. Außerdem hatte sich jahrzehntelang Schmutz angesammelt, der ebenfalls entfernt wurde. Wo es nötig war, wurde Glas neu eingebaut und vor allem in Blau- und Rottönen nachgemalt, angelehnt an die Farben mittelalterlicher Fenster. Im Vergleich zur knapp 900 Jahre alten Kathedrale sind die neun Meter hohen und drei Meter breiten Bleiglasfenster blutjung: Sie wurden 1965 vom bekannten französischen Glasmaler Jacques Le Chevallier geschaffen.

Herausforderungen bei der Restaurierung der Fenster

Die Restaurierung verlief nicht ohne Herausforderungen. Aufgrund der hohen Bleibelastung in der Kathedrale mussten die Handwerker bei jedem Verlassen der Baustelle duschen und ihre Kleidung wechseln. Beim Brand 2019 waren rund 400 Tonnen Blei geschmolzen und teils verdampft, was zu einer gefährlichen Bleibelastung führte.

Die Wiederherstellung der Glaskunst als Symbol deutsch-französischer Zusammenarbeit

Bei der Glasrestaurierung seien Deutschland und insbesondere Köln führend, hatte die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner vor Beginn der Arbeiten gesagt. Sie ist auch Koordinatorin für die deutsche Hilfe beim Wiederaufbau von Notre Dame. In Deutschland waren etwa 500.000 Euro an Spenden eingegangen, weitere 200.000 Euro hatte der Zentral-Dombau-Verein zu Köln gesammelt. Frankreichs Präsident Macron besuchte in diesem Monat die Baustelle des Wahrzeichens und lobte die über eintausend Menschen, die mit ihrer handwerklichen Exzellenz "eine unglaubliche Challenge" angenommen hätten. Macron hatte schon am Tag nach dem Unglück angekündigt, die Kathedrale innerhalb von fünf Jahren zur Vitrine der französischen Handwerkskunst zu machen. Über die Hälfte der rund tausend Personen, die derzeit handwerklich mit der Restaurierung und dem Wiederaufbau der Kathedrale beschäftigt sind, sind dabei nicht auf der Baustelle anzutreffen, sondern arbeiten in Werkstätten und Ateliers in ganz Frankreich. Nur ein einziges ausländisches Unternehmen – Die Glasmaler aus Deutschland – war an der Baustelle beteiligt. Man habe die Aufträge EU-konform ausgeschrieben, die besten Angebote aber eben doch in Frankreich gefunden, heißt es.

Wiedereröffnung für Dezember 2024 geplant

Für 2025, dem ersten Jahr nach der Wiedereröffnung, werden 14 Millionen Touristen erwartet – 2 Millionen mehr als vor dem Brand. Der ambitionierte Termin für die Wiedereröffnung steht auch fest: Es soll der 8. Dezember 2024 sein. Bis dahin gibt es noch viel zu tun.

Quellen: www.tagesschau.de, Pressemitteilung vom 8. Dezember 2023;
                  www1.wdr.de, Pressemitteilung vom 17. Februar 2023;
                  www.faz.net, Pressemitteilung vom 7. April 2023

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