02.03.2021

„Umgang mit Pandemie benötigt Politikwechsel“

Handwerker hinter Fenster eines geschlossenen Ladens.
Foto: AdobeStock/Irina

Über die Notwendigkeit eines veränderten Umgangs der Politik mit der Corona-Pandemie hat ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer mit Jochen Gaugele von den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesprochen:

„Aus Sicht des Handwerks braucht es im Umgang mit der Corona-Pandemie einen Politikwechsel, der mit einer veränderten Perspektive einhergeht. Wir müssen weg von einem reaktivem und situativem Handeln, das bislang die Strategie von Bund und Ländern geprägt hat, und hin zu einem evidenzbasierten, planbaren und damit gestaltenden Vorgehen. Denn das derzeitige Einfrieren großer Teile des wirtschaftlichen Lebens in Deutschland kann nur eine Ausnahmesituation sein – und kein Dauerzustand. Es geht um den Wohlstand und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes, aber auch um das Lebenswerk und die wirtschaftliche und soziale Existenz von Hunderttausenden Betrieben und Millionen Beschäftigten sowie eine Perspektive für die vielen Auszubildenden im Handwerk.

Betriebe sind existenziell angeschlagen

Uns im Handwerk leitet derzeit der Gedanke: Wir wollen, dass alle gesund bleiben – unsere Betriebe auch. Doch die Gesundheit sehr vieler unserer Betriebe ist aktuell existenziell angeschlagen. Um eine Gesundung auch unserer Betriebe zu ermöglichen, muss Politik wirtschaftliches Leben wieder zulassen, wo immer das epidemiologisch verantwortbar und bei höchstmöglichem Gesundheitsschutz gewährleistet ist. Das heißt für eine Öffnungsstrategie, dass sie in Schritten erfolgt und anhand klarer, nachvollziehbarer, verlässlicher Kriterien, die bundesweit einheitlich zur Anwendung kommen. Dabei kann nicht allein der Inzidenzwert entscheidend für Öffnungsschritte sein, sondern es müssen weitere Kriterien wie etwa der R-Wert, die Intensivbetten-Belegung in Krankenhäusern, der Impffortschritt, die Verfügbarkeit von Schnell- und Selbsttests oder lokal begrenzte Infektionscluster berücksichtigt werden. Die Schnell- und Selbsttest-Kapazitäten müssen zudem massiv ausgeweitet, über die bisherige Corona-App hinausgehende technische Möglichkeiten zur Infektionsverfolgung noch stärker genutzt und vor allem das Impfen noch einmal deutlich beschleunigt werden. Bei den Grippeschutzimpfungen machen es viele Betriebe vor, wie sie aktiv für den Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten sorgen. Dieser Weg sollte auch sobald als möglich für Corona-Impfungen genutzt werden, um das Impfgeschehen in die Breite zu bringen und möglichst schnell möglichst viele Menschen geimpft zu bekommen.“

Coronavirus

Nahaufnahme von Viren grafisch dargestellt.
Foto: AdobeStock/Feydzhet Shabanov
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