22.01.2020

Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt gelingt nur mit den Junioren des Handwerks

Foto: ZDH/Boris Trenkel

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer beschäftigt sich in seiner Kolumne "Berlin Intern" im Deutschen Handwerksblatt mit den Wechselwirkungen von Handwerk, Politik und Gesellschaft. Sein Standpunkt: Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt gelingt nur mit den Junioren des Handwerks.

"Die Selbstverwaltung im Handwerk steht und fällt mit dem Ehrenamt. Unternehmer bringen ihr Know-How ein, ergreifen Initiative und übernehmen Verantwortung. Arbeitnehmervertreter verschaffen den Anliegen und Interessen der Beschäftigten Gehör. Das ist gelebte Unternehmenskultur und macht die Handwerksorganisation aus.

Handwerk ist eben nicht bloß ein Beruf. Das Handwerk ist auch eine Gesellschaftsgruppe, die sich ihrer Verantwortung stellt und sich zum Wohle der Gesellschaft einbringt. Und für mich ganz persönlich ist das Handwerk ein Stück Lebensgefühl.

Wir müssen uns aber ehrlich machen und feststellen: Die Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt ist kein Selbstläufer. Das war sie nie. Und in Zeiten einer immer stärkeren Individualisierung schon gar nicht. Dennoch verlangen die schnellen Veränderungen unserer immer komplexeren Gesellschafts- und Wirtschaftsstruktur frische Ideen und den Mut für neue Wege. Deshalb müssen wir unser Engagement zur Heranführung junger Handwerkerinnen und Handwerker an das Ehrenamt weiter erhöhen.
Ich freue mich sehr, dass die Junioren des Handwerks einmal mehr Initiative ergreifen und den Anspruch erheben, mitzumischen. Die Junioren des Handwerks haben vor kurzem ihren 'Generationenvertrag für das Ehrenamt im deutschen Handwerk' vorgestellt. Mit diesem Papier unterbreiten sie konstruktive und weichenstellende Vorschläge zur Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt. Die Junioren stoßen damit zur richtigen Zeit eine wichtige Debatte an.

Das Junghandwerk betont zu Recht, dass eine erfolgreiche Nachwuchsgewinnung weder von den Handwerksorganisationen noch von den Junioren allein zu stemmen ist. Vielmehr muss es ein Miteinander geben. Ich setze mich persönlich dafür ein, dass die Zusammenarbeit zwischen den Handwerksorganisationen und den Junioren des Handwerks intensiviert wird. Ich sehe große Potentiale und Chancen, die sich bieten. Die Zusammenarbeit muss dabei vor allem vor Ort geschehen. Die Stärke des Handwerks folgt doch gerade daraus, dass Initiativen und Meinungen nicht von oben vorgegeben werden, sondern sich aus der Gemeinschaft der Handwerkerinnen und Handwerker entwickeln. Wir brauchen vor Ort Bündnisse für das Ehrenamt.

Die Junioren des Handwerks geben in ihrem Generationenvertrag das Ziel aus, dass in jedem Kammerbezirk mindestens ein Juniorenverband existiert. Dieses Ziel ist ehrgeizig. Ich bin aber überzeugt, dass der Ansatz eines flächendeckenden Netzwerks junger Handwerkerinnen und Handwerker die Grundlage für eine engagierte, neue Generation Handwerk ist. In den letzten Jahren konnten bereits neue Ortsverbände gegründet werden. Dieser tolle Erfolg verdeutlicht das Potential eines Zusammenwirkens. Daran müssen wir anknüpfen.

Ich unterstütze auch den Vorschlag für eine Kampagne für das Ehrenamt im Handwerk. Der Gedanke ist richtig. Wir müssen stärker als bisher deutlich machen, was die Ausübung eines Ehrenamts ausmacht. Wir haben allen Grund dazu, stolz auf unser Wirken und unser Engagement zu sein. Hierfür müssen wir offen einstehen und tatkräftig werben.

Wenn es darum geht, junge Menschen zu erreichen und dort abzuholen, wo sie sich bewegen, dann kommen wir an sozialen Medien nicht vorbei. Ich strebe deshalb auch in diesem Zusammenhang eine starke mediale Vernetzung zwischen der Handwerksorganisation und den Junioren an.

Es liegen ausreichend Ideen und Vorschläge auf dem Tisch. Nutzen wir unsere Tatkraft und gehen die Zukunft des Ehrenamts im Handwerk an. Ich bin hoffnungsfroh und überzeugt, dass uns dies gemeinsam generationenübergreifend gelingen wird."

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