02.01.2020

"Es gibt einen Riesenbedarf an Fachkräften"

Foto: ZDH/Boris Trenkel

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer:


"Wir brauchen eine gezielte Fachkräfteeinwanderung, da sind sich alle einig. Die Debatte führen wir nicht mehr über das ob, sondern nur noch über das wie. Wir sind uns im Klaren darüber, dass nicht sofort 30.000 Fachkräfte vor der Tür stehen werden, wenn das Gesetz am 1. März kommt. Wir werden vermutlich erst einmal mit kleinen Zahlen anfangen, die dann kontinuierlich steigen. Es ist nun eine gemeinsame Aufgabe, in Drittstaaten Fachkräfte zu gewinnen, Berufsabschlüsse anzuerkennen, Fachkräfte bei Bedarf zu qualifizieren und zu vermitteln. Das wollen wir alle zusammen machen. Das Gesetz muss unbürokratisch und unkompliziert angewendet werden. Dazu gehören dann auch schnellere Visaverfahren.

Mittlerweile fehlen in fast allen Gewerken Fachkräfte – Hochbau und Tiefbau, Straßenbau und Gebäudetechnik, Sanitär, Heizung, Nahrungsmittel. Es gibt einen Riesenbedarf an Fachkräften, der zurzeit nicht gedeckt wird.

Die Zuwanderung von Fachkräften kann eine wirkliche Entlastung bringen, aber die bestehende Fachkräftelücke werden wir auch so nicht vollständig füllen können. Wir müssen deshalb weiter auch alle Potenziale in Deutschland fördern. Wir müssen Langzeitarbeitslosigkeit nachhaltig weiter bekämpfen und dafür sorgen, dass Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt kommen. Wir müssen Frauen – gerade auch in technischen Berufen – fördern. Damit noch mehr Frauen überhaupt im Beruf tätig werden können, müssen die Bedingungen etwa durch mehr Kitas und Ganztagsbetreuung in den Schulen verbessert werden.

Wenn wir einige tausend Fachkräfte pro Jahr aus Drittländern bekommen, wäre das ein Erfolg. Wie viele es genau sein werden, darüber lässt sich nur spekulieren, das kann bei 5.000, aber vielleicht auch bei 50.000 liegen.

In den Ausländerbehörden in Deutschland müssen gleiche Kriterien, Beurteilungen und Standards angewendet werden. Die Ausländerbehörden müssen als 'Welcome Center' fungieren und nicht als Einwanderungsabwehrzentren, denn wir befinden uns im Wettbewerb mit anderen Einwanderungsländern. Derjenige, der eine berufliche Qualifikation hat und kommen will, schaut sich genau an, wie willkommen er ist. Und da müssen wir dafür sorgen, dass sich Deutschland attraktiv nach außen darstellt. Es kommen nicht nur Fachkräfte, sondern auch ihre Familien. Das sollte man – anders als man es bei den Gastarbeitern in den 60er Jahren gemacht hat ­– von Beginn an mitdenken."

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