16.12.2020

Drei Fragen an ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke zur Wiedereinführung der Meisterpflicht

Portraitfoto von Holger Schwannecke im Gespräch im Haus des Deutschen Handwerks vor grauem Hintergrund
Foto: ZDH/Boris Trenkel

Wie bewertet das Handwerk das Gesetz zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in 12 Gewerken nach einem Jahr?

Mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Handwerken zum Jahresauftakt 2020 hat der Gesetzgeber die durch die HwO-Novelle 2004 zu Tage getretenen Fehlentwicklungen korrigiert. Die Spuren, die die Zeit zwischen 2004 und Anfang 2020 hinterlassen hat, werden aber noch über einen längeren Zeitraum sichtbar sein. Perspektivisch verbessern wird sich sicherlich das Ausbildungsgeschehen in diesen Berufen. Dazu müssen aber auch Qualifikations- und Prüfungsstrukturen erweitert werden – etwa Berufsschulklassen, Gesellen- und Meisterprüfungsausschüsse. Es besteht jetzt aber eine realistische Chance auf mehr Qualifikation und mehr Qualität auch in diesen zwölf Handwerken. Eine valide Bewertung der Entwicklung ist aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht möglich, erst recht angesichts der aktuellen Corona-bedingten Gesamtsituation, die alle Trends überlagert. Klar ist, wie auch die ZDH-Betriebsbefragungen zeigen, dass ein Großteil der Handwerksbetriebe massiv unter den Corona-Beschränkungen leidet. Umso erfreulich ist, dass die Betriebszahlen in den 12 Gewerken, in denen die Meisterpflicht wieder eingeführt wurde, im 1. Halbjahr 2020 trotzdem gestiegen sind.

Wie haben die Betriebe reagiert?

Die Meisterbetriebe der jetzt wieder zulassungspflichtigen Handwerke haben die Wiedereinführung durchweg positiv aufgenommen. Sie verbinden damit auch eine persönliche Anerkennung. Viele haben die Abschaffung des Meistererfordernisses in ihrem Handwerk als Abwertung empfunden. Wer etwa Anfang der 2000er Jahre noch die Meisterprüfung mit dem entsprechenden Aufwand abgelegt hatte, sah sich mit der Situation konfrontiert, dass Tätigkeiten ohne den Nachweis jeglicher Qualifikation möglich waren. In der Wahrnehmung der Betriebe war damit ebenso das Ansehen handwerklicher Leistungen und Produkte gesunken wie auch die Attraktivität einer beruflichen Ausbildung bei diesen Betrieben. Die Betriebe sehen jetzt eine gestiegene Wertschätzung bei Kunden, Jugendlichen und in der Öffentlichkeit.

Welche Entwicklungen sind für die kommenden Jahre zu erwarten?

Zunächst einmal muss sich die Konjunktur erholen. Die wirtschaftliche Entwicklung hängt maßgeblich von den  Rahmenbedingungen im Laufe des kommenden Jahres ab. Wir gehen aber davon aus, dass sich das Ausbildungsgeschehen dynamisieren wird. Die Betriebe sind weiterhin sehr engagiert in der Ausbildung und auf Fachkräfte angewiesen. Folglich werden auch wieder mehr Meisterprüfungen abgelegt. Leider hat die Corona-Pandemie die zuvor gute Entwicklung des Handwerks insgesamt ausgebremst. Insofern setzen die Handwerksbetriebe auf eine wirtschaftliche Erholung nach Beendigung der einschränkenden Maßnahmen.

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