22.04.2021

„Corona-Testangebotspflicht nicht notwendig“

Eine Frau hält einen noch verpackten Corona-Schnelltest in die Kamera.
Foto: unsplash/Mika Baumeister

„Testungen können allenfalls ein flankierendes und überbrückendes Instrument zur Pandemiebekämpfung sein. Entscheidend ist und bleibt die Impfung“, so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer gegenüber Andreas Hoenig von der dpa.

„Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen eines unmissverständlich: Die von Teilen der Politik vorgebrachte Aufforderung, Betriebe und Unternehmen müssten jetzt endlich einmal ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bei der Pandemieeindämmung nachkommen, trägt Züge eines pauschalen Bashings, ist unangebracht und entspricht in keiner Weise dem tatsächlichen Engagement unserer Handwerksbetriebe. Unsere Betriebe haben vielmehr Verantwortung in einer Weise und Geschwindigkeit übernommen, die man sich von manch staatlicher Stelle wünschen, ja die man erwarten müsste. Wenn Politik etwa bei der Bereitstellung von Tests oder beim Impfen nur annähernd so schnell gehandelt hätte, wie es unsere Betriebe in den vergangenen Wochen bei der Ein- und Durchführung von Testungen getan haben, dann wären wir schon ein erhebliches Stück näher am Ausgang aus dieser Pandemie.“

„Dass absehbar mehr als 80 Prozent der Betriebe ihren Beschäftigten ein Corona-Testangebot machen, verdeutlicht eindrucksvoll, dass eine gesetzliche Testangebotspflicht nicht notwendig ist und kaum positive Effekte auf das Testgeschehen haben wird. Bei den Betrieben, die bislang nicht testen, handelt es sich vielfach um Ein-Personen-Betriebe ohne Beschäftigte. Und zur Wahrheit gehört auch, dass Testungen derzeit nicht selten daran scheitern, dass es nicht genügend Test-Kits gibt oder beschafft werden können. Lieferprobleme von Test-Kits sowie eine hohe Kostenbelastung gerade für kleinere Betriebe, die wegen der geringeren Bestellmengen nicht von den erheblich günstigeren Beschaffungskonditionen bei Großbestellung profitieren, behindern somit ein noch höheres freiwilliges Testangebot durch unsere Betriebe.“

„Dass Politik die Testangebotsverpflichtung für unsere Betriebsinhaber weiter verschärft, kaum dass diese in Kraft getreten ist, das ist unangemessen und eine völlig ungerechtfertigte Misstrauenserklärung der Politik gegenüber unseren Betrieben. Überhaupt nicht einzusehen ist, dass Betriebsinhaber gesetzlich zu Testungsangeboten verpflichtet werden, während für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter das Prinzip Freiwilligkeit gilt, und es ihnen überlassen bleibt zu entscheiden, ob sie sich testen lassen oder nicht. Wenn es eine gesetzliche Verpflichtung gibt, dann muss diese gleichermaßen für Beschäftigte wie Betriebsinhaber gelten. Beschäftigte, die sich nicht testen lassen, verhalten sich unsolidarisch und gefährden mit ihrem Verhalten ihre Kolleginnen und Kollegen wie auch ihre Kunden. Eine Testangebotsverpflichtung macht nur dann Sinn, wenn es auch eine Test-Wahrnehmungsverpflichtung für die Beschäftigten gibt.“

Ansteckungen innerhalb der Belegschaft vermeiden


„Aus der eigenen Erfahrung in meinem Betrieb kann ich nur sagen: Es liegt doch im ureigenen Interesse eines jeden Betriebes, innerhalb der Belegschaften Ansteckungen zu vermeiden und damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Kunden zu schützen – nicht zuletzt auch, um den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten zu können. Dazu trägt neben selbst beschafften Test-Kits auch die Testung in den Testzentren bei. Deshalb sollte es zumindest Kleinbetrieben ermöglicht werden, die kostenfreie Testung in den Corona-Testzentren zu nutzen. Je rascher Infektionen erkannt und damit auch Infektionsketten zeitnah unterbrochen werden können, umso verlässlicher kann wieder ein Öffnungspfad beschritten werden – eine Perspektive, nach der sich nicht nur die Betriebe sehnen.“

„Diese gesetzliche Testangebotsverpflichtung halte ich ganz persönlich für eine unnötige Aktion und den Versuch, die beim Staat liegende Verantwortung für die Pandemiebekämpfung auf die Wirtschaft zu verlagern. Pandemiebekämpfung ist aber zuallererst einmal eine staatliche Aufgabe, der man sich nicht einfach entledigen kann, indem man sie anderen aufbürdet.“

Impfen! Impfen! Impfen! – 24/7


„Die ganze Diskussion um die Testungen darf nicht davon ablenken, dass Testungen allenfalls ein flankierendes und überbrückendes Instrument zur Pandemiebekämpfung sein können. Das entscheidende Instrument zur Bekämpfung des Virus und zur Überwindung der Pandemie ist und bleibt die Impfung! Die Impfdynamik muss daher massiv und mit aller Kraft beschleunigt werden. „Impfen! Impfen! Impfen!“ bleibt das Gebot der Stunde – am besten 24/7.“

Corona-Umfrage: Testgeschehen in Betrieben

Eine Frau hält einen Corona-Selbsttest in die Kamera. Lediglich ihre Hand und der Test erscheinen scharf, der Rest des Bildes ist verschwommen.
Foto: AdobeStock/pascalskwara

Um ein aktuelles Bild von der Betroffenheit der Betriebe zu erhalten, führen wir gemeinsam mit Handwerkskammern und Fachverbänden regelmäßig Umfragen zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie durch.

Die Ergebnisse der Umfrage vom 14. bis 18. April 2021 finden Sie hier.

Zu den Ergebnissen

Corona: Wir testen!

Kampagnenmotiv zum Thema Corona-Tests mit dem Spruch: "Wir testen, damit alle gesund bleiben."
Foto: DHKT
Logo der Aktion Modernes Handwerk
Logo und Schriftzug des Informations- und Beratungsnetzwerk im Handwerk BISNET.
Logo und Schriftzug des europäischen Dachverbands SMEunited. SMEunited repräsentiert die Fachverbände des Handwerks und KMU.