Zentralverband des
Deutschen Handwerks

Handwerk und Stadtentwicklung

Stadtentwicklungsfragen spielen für das Handwerk eine zentrale Rolle: Sowohl als Akteur im Bauwesen, als auch als Nutzer von Standorten in Städten und Dörfern.

Das Handwerk ist traditionell ein besonders eng mit den Städten verbundener Wirtschaftsbereich. Auch die Innenstädte und Ortsteilzentren sind noch immer ein wichtiger Standort zahlreicher Handwerksbetriebe aus den verschiedensten Gewerken. Die vor Ort ansässigen Unternehmer wünschen den Erhalt dieser Standorte, um auch für die Zukunft die Nähe zu ihren Kunden sichern zu können.

Gerade für innerstädtische Handwerksbetriebe haben sich in den letzten Jahren die Möglichkeiten zur Standortsicherung und Weiterentwicklung jedoch zunehmend verschlechtert. Viele traditionelle städtische Handwerksstandorte werden zunehmend für andere Nutzungsarten in Anspruch genommen. Gleichzeitig verringert sich auch die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen am Standrand und im Umland. Die weitere mittelstandsgerechte Ausgestaltung der Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung ist für das Handwerk deshalb von großer Bedeutung. 

URBANE MISCHUNG: Standortsicherung von Handwerksbetriebe, Studie der HWK Düsseldorf, 2019

  • Standortsicherung und Gewerbeflächenversorgung für Handwerksunternehmen – aktuelle Entwickklungen und politische Aktivitäten
    Dr. Carsten Benke, ZDH, März 2019

ZDH-Sonderumfrage

Betriebsstandorte im Handwerk: Um die Betroffenheit der Handwerksbetriebe von diesen Entwicklungen bewerten zu können, hat der ZDH im Zuge der Konjunkturberichterstattung für das erste Quartal 2019 gemeinsam mit 26 Handwerkskammern (21 in West- und 5 in Ostdeutschland) eine Umfrage zum Thema "Betriebsstandorte im Handwerk" durchgeführt. Die Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass attraktive Gewerbeflächen insbesondere in den Ballungsgebieten knapper werden. Zudem gibt es Verdrängungstendenzen durch andere Gewerbetreibende oder Wohnbebauung und es fehlt an Erweiterungsmöglichkeiten um zu wachsen.

    Innenstadtstrategie des BMI

    Die Corona-Pandemie vertieft in vielen Innenstädten schon länger bestehende strukturelle Probleme, z. B. durch den wachsenden Online-Handel. Um zukünftig durch zurückgehenden Einzelhandelsbesatz bedingte Leerstände, eine abnehmende Attraktivität für Kundinnen und Kunden und die weitere Verschlechterung der Standortbedingungen für ansässige Betriebe zu vermeiden, hat das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat 2020/2021 einen Beirat Innenstadt als Beratungsgremium eingerichtet. Der ZDH ist Mitglied im Beirat und hat sind sowohl für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die ansässigen Ladenhandwerke eingesetzt und als auch neue Möglichkeiten zur Sicherung und Ansiedlung weiterer Handwerksbranchen in den Innenstädten thematisiert.

    Das Handwerk kann – in seiner ganzen Breite – zukünftig entscheidend zu mehr Nutzungsvielfalt und Verkehrsvermeidung und damit zu nachhaltigen und resilienten Städten beitragen, wenn den Betrieben wieder vermehrt Standortoptionen angeboten werden: von den Einkaufsstraßen über die Wohn- und Mischgebiete bis hin zum Innenstadtrand. Die Anregungen des Handwerks fanden auch Eingang in die Ende Juli 2021 vom BMI vorgestellte „Innenstadtstrategie“. U. a. werden dort die bessere Sicherung und verstärkte Ausweisung von für das Handwerk geeigneten Flächen, die Intensivierung von Handwerkhofprogrammen, die Unterstützung von Umnutzungen von brachfallenden Handelsimmobilien, die stärkere Berücksichtigung innerstädtischer Gewerbeverkehre und die Prüfung der Ansiedlung von Schauwerkstätten, Einrichtungen der berufliche Bildung und Standorten der Urbanen Produktion vorgeschlagen.

    Kommunen, Länder und Bund sind aufgefordert, die Innenstädte und Ortsteilzentren als attraktive und vielfältige Orte für Lebensqualität, Bildung, Handwerk, Handel sowie weitere Gewerbebereiche zu stärken. Innenstädte mit Handwerkbetrieben, die die Energiewende und den Klimaschutz umsetzen, Dienste für moderne Mobilität und smarte Gebäudetechnik bieten, Reparaturen und persönliche Dienstleistungen durchführen, Baukultur erhalten oder hochwertige regionale Lebensmittel und Produkte herstellen, sind nachhaltig, attraktiv und zukunftsfähig.

    ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer äußert sich in einer Pressemitteilung vom 22. Juli 2021 über das gemeinsame Anliegen von BMI und Handwerk, Innenstadtbereiche krisenfester aufzustellen.

    • Innenstädte in der Krise – Aktuelle Situation und Perspektiven aus Sicht des Handwerks
      Dr. Carsten Benke, ZDH, Februar 2021
    • Weiterentwicklung der Innenstädte – Herausforderungen und Perspektiven aus Sicht des Handwerks
      Dr. Carsten Benke, ZDH, September 2020
    • Innenstädte als Zukunftsstandorte für das Handwerk – Herausforderungen und Potenziale“
      Dr. Carsten Benke, ZDH, Mai 2019

    Nationale Stadtentwicklungspolitik

    Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat 2006 die Initiative „Nationale Stadtentwicklungspolitik“ ins Leben gerufen. Auf dieser Basis sollen bestehende städtebauliche Initiativen koordiniert und stadtentwicklungspolitische Probleme auf Bundesebene intensiver verankert werden. Es sollen eine Diskussionsplattform für politische und gesellschaftliche Akteure bereitgestellt und die Voraussetzungen für eine stärkere inhaltliche Profilierung der Städtebaupolitik des Bundes (auch gegenüber den Ländern) verbessert werden. Der ZDH ist im Kuratorium der Nationalen Stadtentwicklungspolitik vertreten.

    Im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik wurde 2021 das Memorandum „Urbane Resilienz – Wege zur robusten, adaptiven und zukunftsfähigen Stadt“ unter Beteiligung des ZDH erarbeitet. Die Bedeutung des Handwerks für die Krisenfestigkeit der Städte wird im Memorandum unterstrichen: "Das Handwerk und die regionale Produktion sind wichtige Bausteine für eine resiliente Struktur in Krisenzeiten. (…) Sinkender Raumbedarf und geringere Emissionen ermöglichen nicht nur in Gewerbegebieten neue Möglichkeiten der Nutzungsmischung. Auch hier werden Konzepte und Anreize für urbane Produktion sowie Wohnungsbau in gewerblicher Nachbarschaft benötigt. (…) Unabhängig davon sind auch weiterhin Flächen für Gewerbe und Industrie in den Städten zur Verfügung zu stellen, um eine wohnungsnahe Produktion zu ermöglichen (S. 9). Um städtische Resilienz zu gewährleisten, müssen auch stadträumlich verträgliche und nutzungsgemischte Standorte für Gewerbe und Handwerk vorhanden sein, die für das tägliche Funktionieren, den nachhaltigen Umbau der Städte und die zeitnahe Reaktion auf unerwartete Problemlagen unverzichtbar sind." (S. 12)

      Positionspapier "Handwerk lokal"

      Perspektiven für eine handwerksgerechte Stadtentwicklungs-, Verkehrs- und Wirtschaftspolitik in Städten und Gemeinden

      Für die Entfaltungsmöglichkeiten der Handwerksunternehmen sind die konkreten Standortbedingungen vor Ort, d. h. in den Städten und Gemeinden, eine entscheidende Voraussetzung. Das betrifft z. B. die Bauleitplanung, Standortgenehmigungen, die lokale Verkehrspolitik und den Zustand der örtlichen Infrastruktur. Leider ist festzustellen, dass die lokalen Rahmenbedingungen vielfach schwieriger geworden sind. So sind wachsende bau- und umweltrechtliche Beschränkungen zu beobachten, eine zunehmende Konkurrenz um innerstädtische Standorte oder die Gefährdung kleinteiliger Ortsteilzentren. Umweltzonen oder die wirtschaftliche Betätigung der Kommunen beeinträchtigen die Betriebe ganz konkret.

      Das Positionspapier enthält zu den einzelnen Themenfeldern jeweils eine Bestandsaufnahme sowie handwerkspolitische Forderungen und Anregungen. „Handwerk lokal“ soll in erster Linie ein Angebot zum Dialog mit den Kommunen sein. Den Organisationen vor Ort soll das Papier Argumentationsmaterialien an die Hand geben, um mit regionalen Gemeindeverbänden und ihren Kommunen in Dialog zu treten, aber auch von den Landesregierungen Verbesserungen einzufordern.

        • Positionspapier, Handwerk lokal
          Mai 2011

        Weitere Stellungnahmen, Positionen und Umfragen

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