10.09.2020

Handwerk fordert steuerliche Entlastungen und Reform der Unternehmensbesteuerung

Mehrere 50- und 100-Euro-Banknoten.
Foto: AdobeStock/Marco Scisetti

Zu den Ergebnissen der 158. Sitzung des Arbeitskreises Steuerschätzung erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH):

„Die vom Arbeitskreis Steuerschätzung prognostizierten massiven Steuermindereinnahmen dürfen aus Sicht des Handwerks keinesfalls zum Anlass genommen werden, in der Steuerpolitik weiter untätig zu bleiben und eine grundsätzliche Reform der Unternehmensbesteuerung weiter auf die lange Bank zu schieben. Um der deutschen Wirtschaft nach dieser beispiellosen Krise einen Neustart zu ermöglichen und damit Beschäftigung und Steuereinnahmen auch in der Zukunft zu sichern, muss die Bundesregierung endlich die richtigen Akzente setzen und entsprechend des Dreiklanges aus nötigen Infrastrukturinvestitionen, Innovationsstärkung und Entlastung handeln.

Die Steuerbelastung der in Deutschland tätigen Unternehmen und Betriebe muss wieder auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau zurückgeführt werden.

Zu einer zukunftsorientierten Steuerpolitik gehören daher vor allem auch Steuerentlastungen, da Deutschland mittlerweile unter den Industrieländern den Spitzenplatz bei der Steuer- und Abgabenlast einnimmt. Ein konkretes Ausstiegszenario aus dem Solidaritätszuschlag für alle Steuerpflichtigen ist aus Sicht des Handwerks dringend erforderlich. Außerdem muss die Besteuerung insgesamt mittelstandsgerechter gestaltet werden. Dazu hat das Handwerk konkrete und verantwortungsbewusste Vorschläge vorgelegt. Ein wichtiger Schritt wäre etwa, einbehaltene Gewinne von Personengesellschaften praxisgerecht zu besteuern und die Anrechnung der Gewerbesteuer zu verbessern. Auch die Benachteiligung bei der Besteuerung von Personengesellschaften gegenüber Kapitalgesellschaften muss beseitigt werden.

Aktuell müssen die bereits beschlossenen steuerlichen Sofortmaßnahmen konsequent weitergeführt und am Bedarf weiterentwickelt werden, bis die Betriebe ihren wirtschaftlichen Rückschlag im Zuge der Krise nachhaltig überwunden haben. Durch die Corona-Pandemie hat sich das Geschäftsumfeld für viele Betriebe dauerhaft verändert. Die mit umfassenden Aufwendungen ausgestatteten Instrumente zur Stabilisierung der Betriebe tragen dem bislang aber nur unzureichend Rechnung und erhalten lediglich bestehende Strukturen. Stattdessen sollten sie Impulse für unternehmerische Anpassungsstrategien an das veränderte Marktumfeld setzen, damit die Betriebe auch nachhaltig bestehen können. Auch das wäre ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung und neuerlichen Stärkung der Steuerbasis.“