Handwerk und Ehrenamt

Deutschland ist Land des Ehrenamts. 25 Millionen Bundesbürgerinnen und -bürger sind ehrenamtlich engagiert. An vorderster Front stehen dabei die Handwerkerinnen und Handwerker: Sie und ihre Betriebe sind tief in der Region und im sozialen Umfeld verwurzelt. Ihr Engagement reicht von Sport- und Brauchtumsvereinen über Kirchengemeinden und Freiwillige Feuerwehren bis hin zur handwerklichen Selbstverwaltung.

„Ehrenamt ist für Handwerker Ehrensache. Wir übernehmen Verantwortung und gestalten mit – in der Handwerksorganisation, vor Ort und auf der ganzen Welt.“
ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer

Das Handwerk organisiert sich selbst  

Das Deutsche Handwerk ist seit Jahrhunderten geprägt von der handwerklichen Selbstverwaltung. Getragen von ehrenamtlichem Engagement bringen sich Betriebsinhaber und Arbeitnehmer gleichermaßen ein.

Bei der Weitergabe von Wissen an die nächste Generation und bei der Besetzung der wichtigen Prüfungsausschüsse ist die Erfahrung der Profis aus der Praxis unverzichtbar. Das zeigen auch die Zahlen: Allein in den Ausschüssen für Meister- und Gesellenprüfungen sind 50.000 Handwerkerinnen und Handwerker engagiert.

Organisiert in Handwerkskammern, Innungen und Kreishandwerkerschaften, bilden Ehrenamt und Hauptamt gemeinsam die handwerkliche Selbstverwaltung: Neben der Durchführung von Prüfungen werden hoheitliche Aufgaben wie die Führung von Handwerks- und Lehrlingsrolle, die Regelung der Berufsausbildung und der Erlass von Prüfungsordnungen übernommen.

Außerdem stehen die Handwerker für sich selbst ein: In der Interessenvertretung und der Förderung des Deutschen Handwerks sind sie glaubwürdige und kompetente Ansprechpartner für Politik und Gesellschaft. Der Schlüssel zum Erfolg der handwerklichen Selbstverwaltung sind die Handwerker, die sich ehrenamtlich einbringen – aus der Praxis, für die Praxis.

Ehrenamt in Stadt und Land

Das Handwerk versteht sich als Partner von Gesellschaft und Wirtschaft. Handwerker übernehmen Verantwortung weit über den eigenen Betrieb hinaus – im Sport, bei sozialen Diensten oder in Hilfsorganisationen.  

Meist liegt es am Einsatz Einzelner, ob ein Fußballfest stattfinden kann oder in welchem baulichen Zustand die Vereinsräume sind. Und oft ist da der Einsatz von Handwerkern unabkömmlich: Vom Anpacken vor Ort über Sachleistungen bis hin zum Einbringen von Knowhow.

So sind die Verbindungen zwischen Handwerk und Feuerwehr besonders vielseitig: Beiden liegt die Sicherheit am Herzen, beide sind vor Ort fest verankert und beide leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der ländlichen Infrastruktur. Außerdem profitieren die Feuerwehren von der qualifizierten Vorbildung ihrer handwerklichen Kameraden.  

Handwerk und Kirche dagegen eint das Fundament aus gemeinsamen Werten und der Überzeugung, den Menschen in den Mittelpunkt des Handelns zu nehmen. Einige handwerkliche Gewerke haben einen explizit kirchlichen Hintergrund, denkt man nur an die Glasmaler, Talarschneider, Kerzengießer oder Orgelbauer.  

Leidenschaft, Können, Teamgeist – diese Eigenschaften verbinden Sport und Handwerk. Ein lebendiger und gerade auch für die Jugend attraktiver Ort kommt ohne sportliche Angebote nicht aus: Handwerksbetriebe unterstützen Sportvereine, ihre Veranstaltungen und Wettbewerbe als Sponsoren und mit Logistik.

Ehrenamt rund um die Welt

Das deutsche Handwerk ist weltweit gefragt: Gut 50.000 Handwerksbetriebe verkaufen ihre Leistungen ins Ausland. Doch deutsche Handwerkerinnen und Handwerker sind nicht nur beruflich in anderen Ländern tätig – viele von ihnen engagieren sich ehrenamtlich, um das Leben von Menschen zu verbessern.

Das Handwerk engagiert sich seit Jahrzehnten in der Entwicklungszusammenarbeit. Besonders oft stehen dabei die berufliche Qualifizierung und die Unterstützung von Kammern und Verbänden in den Partnerländern im Fokus.  

Wenn sich einzelne Betriebe im Ausland einbringen, dann vermitteln sie in der Regel ihr spezifisches Wissen – oder wenden es an: Wie zum Beispiel der Solartechniker, der mit seinen Mitarbeitern eine Wasser- und Stromversorgung in Ruanda aufbaut.  

So vielfältig das Engagement von handwerklichen Betrieben und Organisationen in der Entwicklungszusammenarbeit auch ist, es hat etwas gemeinsam: Es ist sinnvoll, es ist bereichernd und es fördert den Austausch zwischen Ländern, Menschen und Kulturen.

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