Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2011 - Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise und der demografischen Entwicklung rückläufig

Nach der am 15. Dezember 2011 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung bekanntgegebenen Ausbildungsbilanz auf der Basis der Erhebung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wurden bis zum 30. September 2011 bundesweit 570.140 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, 10.180 bzw. 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. In Westdeutschland stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 17.348 bzw. +3,7 Prozent auf nunmehr 485.645, in Ostdeutschland sank sie um 7.168 bzw. -7,8 Prozent auf 84.495.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung schätzt ein, dass sich im Vergleich zum Vorjahr die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt für die Jugendlichen weiter verbessert hat. Nach den Ergebnissen der Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) über die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist das Gesamtangebot an Ausbildungsplätzen im Vergleich zu 2010 um über 20.000 gestiegen.

Veränderungen in den Wirtschaftsbereichen

 

Zuständige Stelle

Veränderung absolut

Veränderung in Prozent

Industrie und Handel

Plus 11.739

Plus 3,5 Prozent

Handwerk

Plus 67

Plus/Minus 0,0 Prozent

Öffentlicher Dienst

Minus 1.152

Minus 8,5 Prozent

Landwirtschaft

Minus 417

Minus 3,0 Prozent

Freie Berufe

Plus 171

Plus 3,0 Prozent

Hauswirtschaft

Minus 237

Minus 6,6 Prozent

Seeschifffahrt

Plus 9

Plus 3,8 Prozent

Alle Wirtschaftsbereiche

Plus 10.180

Plus 1,8 Prozent

Angaben Neuverträge ohne Anschlussverträge

 

Bundesweit über alle Wirtschaftsbereiche haben die alten Bundesländer einen Zuwachs an Neuverträgen von 3,7 Prozent und die neuen Bundesländer von Minus 7,8 Prozent. Die demografische Entwicklung, insbesondere in Ostdeutschland, machte sich auch 2011 auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. Die Zahl der Haupt- und Realschulabgänger/-innen - Hauptklientel der dualen Berufsausbildung - sank gegenüber dem Vorjahr um rund 19.700 und lag mit 549.100 bereits um rund 165.000 niedriger als noch vor sieben Jahren. Die doppelten Abiturientenjahrgänge in Bayern und Niedersachsen sowie die Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes führten 2011 nur zu einer leichten Erhöhung der Nachfrage.

Für die Betriebe war es 2011 so schwierig wie seit rund 15 Jahren nicht mehr, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen: knapp 30.000 (rund 5 %, + 10.000 im Vergleich zum Vorjahr) blieben unbesetzt. Gleichwohl bleiben immer noch mehr Jugendliche bei ihrer Lehrstellensuche erfolglos, als Ausbildungsplätze nicht besetzt werden konnten. Rund 76.700 Jugendliche (darunter knapp 11.600 ohne und rund 65.100 mit alternativer Verbleibsmöglichkeit) waren zum Abschluss des Berichtsjahres 2011 (Ende September) immer noch auf Ausbildungsplatzsuche (-9,3 % im Vergleich zum Vorjahr).

Eine wachsende Herausforderung stellen regionale Ungleichgewichte auf den Ausbildungsmärkten dar. Bewerber/-innen leben oft nicht dort, wo genügend Lehrstellen sind - und umgekehrt.

Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Handwerk

Im Handwerk wurden 155.245 neue Ausbildungsverträge und 1.748 Anschlussverträge abgeschlossen. Das entspricht der Entwicklung des Vorjahres (± 0,0 Prozent). In Westdeutschland stieg die Zahl um 2.239 bzw. +1,7 Prozent, in Ostdeutschland sank die Zahl der Neuverträge um 2.172 bzw. -9,7 Prozent. Die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt 2011 ist in Ostdeutschland von der demografischen Entwicklung geprägt, die die Talsohle erreicht hat. In Westdeutschland ist die Zahl der Schulabsolventen noch gestiegen. Zudem hat es durch die doppelten Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen eine leicht erhöhte Nachfrage nach Ausbildungsplätzen gegeben.

Außerbetriebliche Ausbildungsverträge

Im Jahr 2008 ist das neue Merkmal "Finanzierungsform" eingeführt worden. Ein Vergleich zum Vorjahr ist nur eingeschränkt möglich. Im Handwerk haben im Jahr 2011 fünf Handwerkskammern keine Angaben bereitgestellt. Werden die Ergebnisse nur derjenigen Handwerkskammern berücksichtigt, die in beiden Jahren Daten lieferten, ist ein Rückgang an außerbetrieblichen Ausbildungsstellen von 30,1 Prozent statt 24,1 Prozent zu verzeichnen. Die Entwicklung ist in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich. In Ostdeutschland ist der Anteil der außerbetrieblichen Ausbildungsplätze um 72,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Die Entwicklung in Westdeutschland kann derzeit, aufgrund fehlender Angaben einiger Handwerkskammern, nicht genau bewertet werden. Tendenziell ist von einem Rückgang von ca. 20 Prozent der außerbetrieblichen Ausbildungsplätze auszugehen. Damit einher geht ein Anstieg der betrieblichen Ausbildung.

Entwicklung nach Berufen

Die zehn stärksten Ausbildungsberufe umfassen 97.009 Ausbildungsverhältnisse im Jahr 2011. Das ist 1 Prozent weniger als im Vorjahr. Zuwächse habe insbesondere die Berufe Kraftfahrzeugmechatroniker/in (+10,0 Prozent, absolut 1.756) und Elektroniker/in (+6,2 Prozent, absolut 684) zu verzeichnen. Insgesamt haben im Handwerk überwiegend Berufe im Metall- und Elektrobereich sowie Bau- und Ausbauhandwerk mehr Ausbildungsverträge abschließen können. Beispielhaft seien hier genannt: Feinwerkmechaniker/in (21,2 Prozent, + 545), Mechaniker/in für Land- und Baumaschinentechnik (+9,4 Prozent, absolut 176), Mechatroniker/in für Kältetechnik (+20,1 Prozent, absolut 184), Zerspanungsmechaniker/in (+49,3 Prozent, absolut 145), Dachdecker/in (+1,5 Prozent, absolut 56), Steinmetz/in und Steinbildhauer/in (+24,7 Prozent, absolut 96) sowie Zimmerer/Zimmerin (+18,1 Prozent, absolut 530).

Im Bereich Holz haben die Bootsbauer einen Zuwachs von 27,3 Prozent (absolut 30) und der neu geordnete Berufe Technische/r Modellbauer/in von 54,2 Prozent (absolut 57) erreicht. Im Gesundheitshandwerk haben die Zahntechniker ein Plus von 8,4 Prozent (absolut 176), die Orthopädieschuhmacher/in ein Plus von 14 Prozent (absolut 35) und die Orthopädiemechaniker/in und Bandagist/in ein Plus von 3,0 Prozent (absolut 12).

Nicht in allen Bereichen konnten die vorhandenen Ausbildungsplätze besetzt werden. Das wird auch in der geringeren Anzahl eingetragener Ausbildungsverhältnisse deutlich. Davon betroffen sind auch starke Berufe wie Friseur/in (-10,6 Prozent, absolut -1.497), Maler/in und Lackierer/in (- 6,0 Prozent, absolut – 539), Bauten- und Objektbeschichter/in (-23,3 Prozent, absolut – 362).

Teilweise finden Verschiebungen in einzelnen Bereichen statt. Konnten die Konditoren noch 95 mehr Ausbildungsverträge als im Vorjahr (+4,9 Prozent) abschließen, sank die Zahl der abgeschlossenen Verträge bei den Bäckern (-13,9 Prozent, absolut -638) und Fleischern (-12,3 Prozent, absolut -260) drastisch. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich im kaufmännischen Bereich beobachten: Die Zahl der Neuverträge zum/zur Automobilkaufmann/frau (+39,1 Prozent, absolut 323) und Bürokaufmann/frau (+0,9 Prozent, absolut 40) ist gestiegen, die der Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk ist um 7,3 Prozent (absolut -827) gesunken.

Der im Jahr 2009 mit 27,2 Prozent höchste erreichte Frauenanteil sinkt in den letzten beiden Jahren und beträgt nun im Jahr 2011 25,0 Prozent. Handwerksberufe sind dennoch auch für junge Frauen attraktiv, so steigen die Anteile der jungen Frauen und Mädchen - zwar sehr langsam, aber stetig – in einigen Berufen, wie folgende Beispiele belegen:

Beruf

2004

2011

Bäcker/in

18,5 Prozent

21,5 Prozent

Feinwerkmechaniker/in

1,9 Prozent

3,2 Prozent

Kraftfahrzeugmechatroniker/in

1,6 Prozent

2,9 Prozent

Maler/in und Lackierer/in

7,6 Prozent

13,9 Prozent

Tischler/in

6,7 Prozent

9,5 Prozent

 

Detaillierte Informationen finden Sie unter:

http://www.bibb.de/de/59142.htm