23.03.2020

FAQ-Papier zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Prüfungswesen im Handwerk

Mehrere junge Menschen nehmen an einer schriftlichen Prüfung teil.
Foto: AdobeStock/luckybusiness

Nachdem wir bereits mit Rundschreiben vom 17. März 2020 der Handwerksorganisation empfohlen haben, alle Prüfungstermine wegen der Corona-Pandemie bis zum 24. April 2020 abzusagen, erhalten Sie anliegend ein FAQ-Papier, das die Folgen von Prüfungsabsagen sowie Fragen für die Zeit, in denen Prüfungen wieder durchführbar sind, beantworten soll.

Das Papier ist in einem notwendigerweise kurzfristigen Prozess mit der Planungsgruppe Ausbildung abgestimmt worden und spiegelt die dort aktuell vorherrschende Auffassung wider. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich diese ersten Leitlinien im Lichte künftiger Erkenntnisse weiterentwickeln.

Aus aktuellem Anlass möchten wir zwei Fragestellungen aus dem Papier besonders hervorheben:

1. Verlängerung von Berufsausbildungsverhältnissen wegen Prüfungsausfall aufgrund der aktuellen Pandemielage (Frage I.4.)

Auch wenn das Berufsbildungsgesetz und die Handwerksordnung keinen unmittelbaren Rechtsanspruch auf Verlängerung des Berufsausbildungsverhältnisses für den Fall vorsehen, dass die Abschluss- bzw. Gesellenprüfung erst nach Ablauf der Ausbildungszeit stattfindet, empfehlen wir den Kammern, Anträgen auf Verlängerung analog zu § 27 c Absatz 2 HwO / § 8 Absatz 2 BBiG aufgrund der besonderen Situation ausnahmsweise stattzugeben, sofern die Ausbildungsbetriebe keine berechtigten Einwände gegen eine Vertragsverlängerung erheben. Zugleich möchten wir  darauf hinweisen, dass Ausbildungsbetriebe ihre Auszubildende alternativ auch in ein Arbeitsverhältnis übernehmen können, obwohl diese noch keinen Berufsabschluss erwerben konnten.

2. Nachholung von Zwischenprüfungen (Frage I.7.)

In der Handwerksorganisation wird derzeit noch keine grundsätzliche Entscheidung zum ersatzlosen Wegfall von Zwischenprüfungen in der Ausbildung befürwortet. Nach mehrheitlicher Auffassung sollen hierzu zunächst die weiteren Entwicklungen beobachtet werden, um zu prüfen, ob im Laufe des Jahres noch Nachholtermine realisierbar sind. Die Ressourcen der Prüfenden sowie der prüfungsverantwortlichen Stellen sollen dabei berücksichtigt werden.

Sofern die Durchführung einer Zwischenprüfung wegen vorangeschrittener Ausbildungszeit nicht mehr sinnvoll ist und die für Zwischenprüfungen erforderlichen Ressourcen vor Ort nicht zur Verfügung stehen, können diese aufgrund der besonderen Situation ausnahmsweise entfallen. Den Auszubildenden soll dadurch kein Nachteil in Bezug auf die Zulassung zur Abschluss- bzw. Gesellenprüfung entstehen.

Alle Abschluss- und Gesellenprüfungen - auch wenn sie in gestreckter Form vorgeschrieben sind - sind nach geltendem Recht zwingend nachzuholen, sobald Infektionsgefahren in Bezug auf das Coronavirus weitestgehend ausgeschlossen werden können.