Zentralverband des
Deutschen Handwerks
30.10.2026

Bildungspolitik muss frühe Grundkompetenzförderung stärken

Anlässlich der am 30. Oktober 2026 veröffentlichten Ausbildungsmarktbilanz der Bundesagentur für Arbeit erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH):
Ausbildung Hörakustiger am Computer

Die Handwerksbetriebe bieten auch aktuell noch immer 16.500 offene Ausbildungsplätze für das laufende Ausbildungsjahr an. Dahinter stehen mehr als 16.000 ungenutzte Bildungs- und Karrierechancen. Dass seit vielen Jahren so viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, unterstreicht die Notwendigkeit, dass sich die Bundesregierung endlich dem Matching-Problem am Ausbildungsmarkt stellen muss. Es darf nicht sein, dass junge Menschen ohne Ausbildungsplatz bleiben, während Betriebe händeringend Nachwuchs suchen.

Fehlende Grundkompetenzen sind häufig Ursache dafür, dass Bewerberinnen und Bewerber und Ausbildungsbetriebe nicht zueinander finden. Wie dringend ein entschiedenes bildungspolitisches Handeln im Bund und den Ländern ist, haben die aktuellen Pisa-Ergebnisse einmal mehr vor Augen geführt. Bund und Länder müssen daraus endlich entschlossen Konsequenzen ziehen.

Erforderlich sind verbindliche Lernstandserhebungen in allen Klassenstufen der allgemeinbildenden Schulen, bedarfsgerechte und verbindliche Fördermaßnahmen bei den Lerndefiziten sowie eine Stärkung der Kernfächer Deutsch und Mathematik über alle Jahrgangsstufen hinweg. Für eine erfolgreiche berufliche Ausbildung sind Diagnosen des Lernstandes und bedarfsgerechte Förderangebote auch durch die Berufsschulen zu Beginn der Ausbildung flächendeckend bereitzustellen. Zudem muss die Förderung regionaler Angebote zur sprachlichen Grundbildung in der dualen Ausbildung im Rahmen des AlphaBündnisses ab dem Jahr 2027 fortgesetzt werden.

Die Bundesregierung und die Bildungsministerkonferenz müssen künftig ihre Bildungs- und Schulpolitik stärker auf den frühen Erwerb grundlegender Kompetenzen und die Förderung von Leistung ausrichten. Denn Lernerfolge und das Erleben der eigenen Leistungsfähigkeit sind entscheidend für Motivation und Selbstvertrauen. Wer in der Schule erfährt, dass sich Anstrengung lohnt und etwas erreicht werden kann, bringt diese Zuversicht auch in den Beruf mit. Darauf muss Bildungspolitik von Anfang an ausgerichtet sein.

Schlagworte