Zentralverband des
Deutschen Handwerks

Stärkung von Grundkompetenzen

Zur Förderung von Grundkompetenzen bzw. zur Schließung von Lernlücken und Defiziten bei künftigen Auszubildenden in den Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen werden hier die erforderlichen bildungspolitischen Schritte und Maßnahmen beschrieben.

Defizite in Kernkompetenzen bei Ausbildungsinteressierten

Bei Ausbildungsinteressierten und Auszubildenden sind zunehmend Lernlücken und Defizite in den Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen zu beobachten. 

Zum einen hat das Kompetenzniveau der Schülerinnen und Schüler in Deutschland verstärkt durch die Pandemie-bedingten Schulschließungen sowie durch die verstärkte Zuwanderung junger Menschen mit erheblichen Sprachdefiziten und fluchtbedingt unterbrochenen Bildungsbiografien in den vergangenen Jahren erheblich abgenommen. 

Sichtbar wird dies regelmäßig durch die Ergebnisse der nationalen und internationalen Lernstandserhebungen. Auch die PISA-Ergebnisse für 2025 zeigen eine abermalige Verschlechterung des Kompetenzstands der in Deutschland getesteten Schülerinnen und Schüler auf. Zwar erzielen sie durchweg Kompetenzwerte, die geringfügig über dem Durchschnitt aller OECD-Länder zusammen liegen. Im Langzeitvergleich sind die Werte jedoch schlechter als bei allen PISA-Erhebungen seit Deutschlands erstmaliger Teilnahme im Jahr 2000. Im Detail zeigt sich, dass jeweils ca. ein Drittel der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler nicht über die erforderlichen Basiskompetenzen in Mathematik und Lesen verfügen, während dies im naturwissenschaftlichen Bereich nur gut ein Viertel sind.

Damit zeigen die aktuellen PISA-Ergebnisse dieselbe Tendenz wie die letzten Ergebnisse aus Deutschlands nationaler Kompetenzstandmessung, dem IQB-Bildungstrend aus dem Jahr 2024, auf. Im internationalen Vergleich fällt bei den aktuellen PISA-Ergebnissen auf, dass in Deutschland die Kompetenzunterschiede nach sozialer Herkunft überdurchschnittlich hoch ausfallen (abermals höher denn je seit 2000). Soziale Herkunft sei hier der wichtigste Einflussfaktor, während Kompetenzunterschiede nach Zuwanderungshintergrund deutlich geringer ausfielen, so die Studie.

Erhöhter Betreuungsaufwand zur Kompetenzvermittlung

Die häufig familiengeführten Handwerksbetriebe bilden auch (schul-)leistungsschwächere junge Menschen aus. Der deutlich erhöhte Betreuungsaufwand von Auszubildenden mit Defiziten in den Kernkompetenzen führt aber zu großen Herausforderungen insbesondere für die Klein- und Kleinstbetriebe des Handwerks ohne zusätzliches betriebliches Betreuungspersonal. 

Für eine Ausbildung sind ausreichende Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen nicht nur für einen erfolgreichen Besuch des Berufsschulunterrichts, sondern auch für die betrieblichen Ausbildungsinhalte essenziell: Die Fähigkeit, Sicherheitsvorschriften oder Arbeitsanleitungen zu lesen und zu verstehen, Geräte und Maschinen einzurichten, oder Kundenaufträge und Arbeitsberichte zu verschriftlichen, ist unabdingbar im Ausbildungsalltag des Handwerks. 

Auch mathematische Grundkenntnisse, beispielsweise bei der Berechnung von Aufmaßen in der Werkstatt, der Materialbestellung für die Baustelle, der Berechnung der Zusammensetzung von Rezepten oder der Mischung von Haarfärbekomponenten werden zwingend benötigt.

Bildungspolitischer Handlungsbedarf

Damit junge Menschen erfolgreich eine Ausbildung starten und absolvieren können, sind Grundkompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik eine zwingende Voraussetzung. Mit dem Startchancenprogramm wurde ein wichtiger Schritt unternommen, an besonders förderbedürftigen Schulen jene Grundkompetenzen von Schülerinnen und Schülern (Deutsch und Mathematik) zu verbessern, die für ein erfolgreiches Durchlaufen einer Berufsausbildung (Ausbildungsreife) unerlässlich sind. 

Um den Erwerb dieser Mindestkompetenzen bis zum Ausbildungsbeginn sicherzustellen, sind jedoch weitere Unterstützungsmaßnahmen an allen allgemeinbildenden Schulen notwendig. Angesichts der vermehrt festzustellenden Sprachdefiziten von Kindern im Kita-Alter, ist hier auch der vorschulische Bereich mit einzubeziehen. Auch ausbildungsvorbereitend und -begleitend ist, insbesondere für zugewanderte junge Menschen der ersten Generation, die das allgemeinbildende Schulsystem in Deutschland nur kurz oder gar nicht durchlaufen haben, ein stärkeres Engagement vonnöten. 

Um diese essenziellen Grundlagen zu vermitteln, müssen alle relevanten bildungspolitischen Akteure Verantwortung für den Bildungserfolg in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich übernehmen. Es gibt hierzu bereits vielversprechende konzeptionelle Ansätze in Deutschland oder bereits bewährte Konzepte im In- und Ausland, die hier vorgestellt werden.

Bildungspolitische Rahmensetzung

Kriterienkatalog Ausbildungsstartkompetenz entwickeln

Der vom Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftesicherung 2006 entwickelte Kriterienkatalog Ausbildungsreife wird zur Feststellung des Förderbedarfs von Ausbildungsinteressierten herangezogen. Der Kriterienkatalog ist zu aktualisieren und zu einer Beschreibung von “Ausbildungsstartkompetenzen” weiterzuentwickeln, damit bedarfs- und zielgruppenorientierte Förderangebote bereitgestellt werden können.

Die in der 19. Legislaturperiode des Deutschen Bundestags eingerichtete Enquete Kommission “Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt” hat eine Weiterentwicklung des Konzepts der Ausbildungsreife zu einer “Ausbildungsstartkompetenz” diskutiert. Neue Erkenntnisse aus den Bereichen Psychologie, Pädagogik und Kompetenzforschung sollen aufgegriffen und neue Anforderungen aus der veränderten betrieblichen Praxis sowie den Erfahrungen der Berufsberatung und beruflichen Schulen berücksichtigt werden.

Förderung im vorschulischen Bereich

Bereits in den Kindheitsjahren vor dem ersten Schuleintritt werden entscheidende Grundlagen für die persönliche Entwicklung gelegt, welche für einen erfolgreichen Start in die anschließende Schullaufbahn unabdingbar sind. Eine frühzeitige Unterstützung bei Bedarf kann entstandene Defizite schnell und mit großer Aussicht auf Erfolg ausgleichen; vorausgesetzt, sie kann zielgerichtet und individuell passfähig gleistet werden.

Bildungspolitische Verantwortung für vorschulische Erziehung

Die Verantwortlichen in Bund und Ländern müssen die vorschulische Erziehung in Kitas und ähnlichen Einrichtungen bundesweit auf einheitliche Mindeststandards für Grundkompetenzen ausrichten. Maßstab muss dabei der Entwicklungsstand sein, den Kinder für einen erfolgreichen Start ihrer Schullaufbahn benötigen. Angebote im Vorschulbereich müssen über die Betreuung von Kindern hinaus einen elementaren Bildungszweck erfüllen. Die Verortung der politischen Verantwortung für diesen Bereich muss das widerspiegeln.

Frühzeitig Förderbedarf identifizieren und Defizite aufholen

Im Vorschulbereich muss es verpflichtend anzuwendende Instrumente geben, um Entwicklungsdefizite z. B. beim Spracherwerb von Kindern erkennen zu können (z. B. Sprachtests), bevor diese die weitere Entwicklung und Sozialisation der Kinder nachhaltig behindern. Für Kinder mit identifiziertem Unterstützungsbedarf müssen staatlich geförderte Lernangebote bereitstehen, die verbindlich zu nutzen sind.

Förderung während der allgemeinbildenden Schulzeit

Mit den Bildungsstandards für den Hauptschulabschluss bzw. Ersten Schulabschluss haben die Bundesländer (Mindest)Kompetenzniveaus in den Bereichen Deutsch und Mathematik definiert, welche eine Grundlage für einen erfolgreichen Ausbildungsstart und -verlauf bilden. Damit dieses Kompetenzniveau bei den Schulabsolventinnen und -absolventen auf der nächsten Bildungsetappe wieder vorausgesetzt werden kann, besteht bildungspolitischer Handlungsbedarf in den abgebenden Schulen:

Einführung eines flächendeckenden jährlichen Diagnosesystems

Durch Diagnoseinstrumente muss der individuelle Lernstand von Schülerinnen und Schülern regelmäßig in jedem Schuljahr überprüft werden, um bedarfsgerechte Unterstützungsmaßnahmen zur Nachsteuerung anwenden zu können. Die Chancen, die eine datengestützte Schulentwicklung Lernenden wie Lehrenden bietet, müssen optimal genutzt und die Schaffung der erforderlichen Rahmenbedingungen von der Bildungspolitik strategisch verfolgt werden.

Verbindliche Fördermaßnahmen bei Lerndefiziten

Werden die von der KMK definierten Bildungsstandards nicht erreicht und signifikante Kompetenzdefizite in den Bereichen Lesen, Orthografie und Rechnen bei Schülerinnen und Schülern festgestellt, sind an allen Schulen in Deutschland unmittelbar bedarfsorientierte Fördermaßnahmen einzuleiten. Die Förderung sollte durch die Schulen und bei Bedarf auch aufsuchend angeboten werden.

Stärkung der Diagnosekompetenz von Lehrkräften

Lehrkräfte aller Klassenstufen an allen allgemeinbildenden Schulen sind im Rahmen ihrer Aus- und Fortbildung für die Identifikation von Defiziten ihrer Schülerinnen und Schüler in den Grundkompetenzen zu sensibilisieren. Dazu sind die Diagnosekompetenzen der Lehrkräfte zur Feststellung von Abweichungen von den Bildungsstandards der KMK zu stärken.

Stärkung des Unterrichts in den Kernfächern Deutsch und Mathe

Der Unterricht in den Kernfächern ist unmittelbar qualitativ weiterzuentwickeln, damit alle Schulabgängerinnen und -abgänger als potenzielle Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildung im Handwerk auch die dafür erforderlichen Kompetenzen aufweisen. Insbesondere sind leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler gezielt zu fördern und ein verbindliches Unterstützungsangebot in den Bereichen Deutsch und Mathematik sicherzustellen. Das setzt auch eine ausreichende Anzahl von Lehrkräften an den allgemeinbildenden Schulen voraus.

Potenziale des Ganztagsformats ausschöpfen

Ganztagsangebote müssen insbesondere im Primärschulbereich so ausgebaut und gestaltet werden, dass förderbedürftige Kinder die pädagogische Aufmerksamkeit bekommen, die ihr individuelles Lerntempo verlangt. Dafür müssen Ganztagsangebote so ausgerichtet sein, dass sie systematisch mit dem Schulunterricht verzahnt sind und eine lernförderliche Durchmischung von Lernstarken und Lernschwächeren gewährleisten.

Ausbildungsvorbereitung

Ausbildungsvorbereitende Fördermaßnahmen sind für die ausbildungsinteressierten jungen Menschen in ausreichender Zahl und Qualität vorzuhalten, die die allgemeinbildenden Schulen mit erheblichen Kompetenzlücken verlassen und/oder aufgrund einer Flucht-/ Migrationsgeschichte eine unzureichende Grundbildung aufweisen.

Förderunterricht am Übergang Schule – Beruf

Der Erwerb der für eine Ausbildung notwendigen Kompetenzen in Deutsch und Mathematik ist durch Förderangebote am Übergang von der allgemeinbildenden Schule in eine Ausbildung zu unterstützen. Vor allem sind durch gezielte Förderangebote im Rahmen berufsvorbereitender Bildungsmaßnahmen die Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Orthografie und den Grundrechenarten anwendungsbezogen zu stärken. Hierbei sind individuelle Entwicklungs- und Bildungspläne zu entwickeln, Ziele zu definieren und deren Erreichung nachzuhalten.

Ausbau von Kooperation von Schule und Wirtschaft

Die Förderung von Grundkompetenzen ist in Kooperation von Schule und Wirtschaft auszubauen, damit praxisnahe Anwendungsbeispiele einerseits die Lernmotivation stärken und andererseits den Zugang zu Lerninhalten erleichtern. Dafür ist die Entwicklung zielgruppen- und bedarfsgerechter Angebote durch die Länder zu fördern und auszubauen.

Bewerbung der Einstiegsqualifizierung mit Unterstützung

Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf wird durch die betriebliche Einstiegsqualifizierung in Verbindung mit Förderunterricht der Übergang in eine betriebliche Ausbildung geebnet. Das Instrument sollte daher stärker beworben und gezielt - auch in Teilzeit in Verbindung mit der Assistierten Ausbildung oder anderer Fördermaßnahmen - eingesetzt werden.

Ausbildungsbegleitende Förderung

Auszubildenden mit erheblichen Defiziten in den Grundkompetenzen sind auf eine nachholende oder vertiefende Vermittlung von Deutsch- und Mathekenntnissen auch während ihrer Ausbildung angewiesen. Entsprechende Angebote müssen weiterhin gefördert werden.

Diagnose des Lernstands zum Beginn der Ausbildung

Das Kompetenzniveau von Ausbildungsanfängerinnen und -anfängern muss durch die Lehrkräfte der Berufsschulen diagnostiziert werden, um frühzeitig einen Förderbedarf feststellen, entsprechende Förderangebote bereitstellen und damit einen erfolgreichen Ausbildungsverlauf gewährleisten zu können. Dabei sind individuelle Entwicklungs- und Bildungspläne zu erstellen, entsprechende Ziele zu definieren und deren Erreichen nachzuhalten.

Weitere Projektförderung zur Vermittlung von Grundkompetenzen

Im Rahmen einer Verlängerung der Alphabetisierungsdekade muss die Projektförderung für eine nachholende und vertiefende arbeitsorientierte Grundbildung weitergeführt und ausgebaut werden. Projekte in Kooperation mit der Handwerksorganisation waren in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich bei der Unterstützung von Auszubildenden mit Lernlücken.

Qualitätssicherung des Angebots der Assistierten Ausbildung

Förderangebote der Assistierten Ausbildung (AsA flex) sind auch im ländlichen Raum und möglichst ohne zusätzliche Anfahrtswege an den Standorten der Berufsschule oder Überbetrieblichen Unterweisung auszubauen.

Zukunftsfähige Lernumgebung in den Berufsbildenden Schulen

Eine zukunftsfähige und zielgruppengerechte Lernumgebung ist in den berufsbildenden Schulen durch eine stabile und lernförderliche Infrastruktur, die Digitalisierung der Schulen und die Umsetzung von Medienplänen bereitzustellen. Bedarfs- und zielgruppengerecht ist – in Absprache mit der regionalen Wirtschaft – der Unterricht ortsunabhängig erreichbar zu organisieren.

Unterstützungsangebote in der Berufsschule

Auszubildende mit Förderbedarf müssen in der Berufsschule im Rahmen zielgruppengerechter Unterrichtsangebote unterstützt werden. Für Schülerinnen und Schüler, die eine individuellen Förderung benötigen, um das Ausbildungsziel bzw. den angestrebten Abschluss zu erreichen, ist beispielsweise Förderunterricht auch in der Berufsschule als zusätzlicher Pflichtunterricht mit bis zu zwei Unterrichtsstunden einzurichten. Ziel muss es sein, durch einen binnendifferenzierten Unterricht oder Förderklassen den nachholenden Erwerb der erforderlichen Kompetenzen sicherzustellen. Auch in den Berufsschulen sollten die Möglichkeiten zum adaptiven Lernen, welche KI-gestützte Lernmethoden bieten, gezielt für ein binnendifferenziertes Lernen genutzt werden. Sprachförderung muss fester Bestandteil der Schulentwicklungsplanung von Schulleitungen sein.

Verstetigung der Förderung von VerAplus

Die Initiative VerAplus – zur Verbesserung von Ausbildungserfolgen bietet Hilfsangebote des Senior Experten Service und der Kammerorganisationen durch ehrenamtliche Mentoren. Die Förderung des erfolgreichen niederschwelligen Angebots ist langfristig sicherzustellen.

Good Practice Beispiele

Bildungspolitische Verantwortung für vorschulische Erziehung

In den Niederlanden wird im vorschulischen Bereich unterschieden zwischen frühkindlicher Erziehung und Kinderbetreuung, und die politische Verantwortung ist dementsprechend auf das Bildungs- und das Sozialministerium verteilt. Unterstützungsangebote des Bildungsbereichs bestehen für Kinder ab einem Alter von zweieinhalb Jahren und zielen insbesondere darauf ab, sicherzustellen, dass Kinder ohne Bildungsdefizite ihre Schullaufbahn beginnen können. 

Im Rahmen des Kooperationsmodells “Gemeinsam Lernchancen nutzen – Kindergarten und Grundschule” bieten in Bayern beide Bildungsinstitutionen ein flächendeckendes Netzwerk für die Zusammenarbeit. Mit dem Übergabebogen “Informationen für die Grundschule” können bei Einverständnis der Beteiligten wichtige Informationen für die Lehrkräfte bereitgestellt werden. 

In der ersten Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres sind Kindertageseinrichtungen in Bayern verpflichtet, bei allen Kindern den Sprachstand zu erheben. Wenn sie einen zusätzlichen Unterstützungsbedarf feststellen, empfehlen sie die Teilnahme am Vorkurs oder eine andere geeignete Sprachfördermaßnahme. Der Vorkurs Deutsch 240 ist ein Angebot von Kindertageseinrichtungen für Kinder vor der Einschulung. Sie führen den Vorkurs in Kooperation mit der Grundschule und im Umfang von jeweils 120 Stunden durch.

Frühzeitig Förderbedarf identifizieren und Defizite aufholen

Wenn bei Kindern in Baden-Württemberg bei der Einschulungsuntersuchung (ESU) ein intensiver Sprachförderbedarf festgestellt wird, werden diese zur Teilnahme an zusätzlichen Sprachfördermaßnahmen verpflichtet. 

In Jahrgangsstufe 2 werden in Bayern jährlich Orientierungsarbeiten im Fach Deutsch für den Bereich “Richtig Schreiben” durchgeführt. Grundlage für diesen standardisierten Test ist der Lehrplan für die bayerische Grundschule.

Einführung eines flächendeckenden jährlichen Diagnosesystems

Beispielsweise werden in Hamburg normierte Tests eingesetzt, um Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen zu identifizieren. Auf die Ergebnisse aufbauend sollen durch schulische Fördermaßnahmen und außerschulische Unterstützung die grundlegenden Kompetenzen im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen erreicht werden, damit eine erfolgreiche Teilnahme am Regelunterricht möglich wird.

Verbindliche Fördermaßnahmen bei Lerndefiziten

In Sachsen sind nach den Empfehlungen des Staatsministeriums für Kultus Maßnahmen zur individuellen Förderung vor allem auch im Ganztagsangebot durch eine entsprechende methodische und inhaltliche Angebotsgestaltung eng an den Bedarfen und der Lern- und Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler auszurichten. Sie sind sowohl pädagogisch als auch diagnostisch zu stützen. Vorgesehen ist auch die regelmäßige Feststellung der Fortschritte in der Kompetenzentwicklung.

Stärkung der Diagnosekompetenz von Lehrkräften

Die Standards für die Lehrerbildung - Bildungswissenschaften der KMK (Beschlussfassung 2004) sehen vor, dass Lehrkräfte Lernvoraussetzungen und Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern diagnostizieren sowie Schülerinnen und Schüler gezielt fördern.

Stärkung des Unterrichts in den Kernfächern Deutsch und Mathe

Laut dem Beschluss der KMK vom 08.12.2023 sollen die Kernfächer und basale Kompetenzen gestärkt werden, damit insbesondere schwächere Schülerinnen und Schüler sowie Kinder und Jugendliche aus einem wenig unterstützenden sozialen Umfeld stärker gefördert werden. Im Rahmen der PISA-Offensive Bayern steht die deutliche Stärkung von Deutsch und Mathematik: So kommt in allen vier Jahrgangsstufen der Grundschule eine Stunde Deutsch hinzu, außerdem gibt es in der ersten und dritten Klasse jeweils eine zusätzliche Stunde Mathematik.

Potenziale des Ganztagsformats ausschöpfen

Das verpflichtende Ganztagsangebot an Schulen in England wird gezielt dazu genutzt, Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf durch individuell angepasste Maßnahmen zu unterstützen. Die Organisation von Unterstützung für Lernschwache ist strukturell an englischen Schulen mit personaler Verantwortung und konzeptionellen Grundlagen verankert.

Förderunterricht am Übergang Schule – Beruf

Der Bildungsplan für die Berufsschule und Berufsfachschule zur Ausbildungsvorbereitung dual (AVdual) und Ausbildungsvorbereitung (AV) des Landes Baden-Württemberg führt aus, dass ein Unterschreiten des definierten Mindestniveaus am Ende des Schuljahres mit erheblichen Schwierigkeiten dieser Lernenden beim Erlernen eines Berufs einhergehen würde. Im Bereich der Bildungsplaneinheit “Sprachliche Übungen und Kommunikation” wird eine Zusammenarbeit im Fach Berufliche Kompetenz vorgeschlagen (Kundengespräch, Vorstellungsgespräch, Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten, Vorgangsbeschreibung).

Ausbau von Kooperation von Schule und Wirtschaft

In Brandenburg wird mit dem Projekt “Praxislernen” ein praxisorientierter Unterrichtsansatz umgesetzt. Schulische Lerninhalte werden mit der Praxistätigkeit von Schülerinnen und Schülern an außerschulischen Lernorten wie Betrieben oder Berufsbildungsstätten verknüpft. Über praxisbezogene Lernaufgaben aus verschiedenen Fächern werden Unterrichtsinhalte am Praxislernort mit realen Anforderungen der Arbeitswelt in Verbindung gebracht.

Bewerbung der Einstiegsqualifizierung mit Unterstützung

Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter bieten Unterstützungsmaßnahmen für Teilnehmende einer Einstiegsqualifizierung an, zum Beispiel durch eine Assistierte Ausbildung (AsA): Dabei erhält die oder der Auszubildende eine flexible und persönliche Förderung neben der Ausbildung – beispielsweise in Form von Stützunterricht oder einer sozialpädagogischen Betreuung.

Weitere Projektförderung zur Vermittlung von Grundkompetenzen

Die Azubi Akademie des Berliner Handwerks bietet in Zusammenarbeit mit ‘Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg’ eine Förderung in Deutsch und in Mathematik. Der Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Sachsen und ‘Arbeit und Leben Sachsen’ unterstützen in einer langjährigen Kooperation Auszubildende mit einer Offenen Lernwerkstatt, Übungsmaterial und Lernvideos insbesondere in Mathematik.

Qualitätssicherung des Angebots der Assistierten Ausbildung

Workshops zur Vermittlung und Auffrischung von Grundkompetenzen sind ins Angebot der HWK Hamburg integriert, gefördert als Assistierte Ausbildung von der Bundesagentur für Arbeit, u. a. zu Grundrechenarten, Dreisatz und “Lernen lernen”.

Unterstützungsangebote in der Berufsschule

In Bayern kann Förderunterricht niederschwellig auch als Distanzunterricht angeboten werden.

Verstetigung der Förderung von VerAplus

Ehrenamtliche SES-Ausbildungsbegleiterinnen und Ausbildungsbegleiter helfen Auszubildenden, fördern soziale Kompetenz und stärken Lernmotivation. Dabei arbeiten sie eng mit weiteren Unterstützungsangeboten zusammen, wie etwa den ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) oder Angeboten zum Ausgleich sprachlicher Defizite.

Mentorenprogramm VerAplus

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