Zentralverband des
Deutschen Handwerks
20.07.2026

Azubi-Plus im Handwerk: Berufliche Bildung gleichwertig behandeln

Das Handwerk gewinnt im vierten Jahr in Folge mehr Nachwuchs. Politik muss dem Rechnung tragen und berufliche Bildung gleichwertig zur akademischen gesetzlich und finanziell absichern, so ZDH-Präsident Jörg Dittrich zu Andreas Hoenig von der dpa.
Ausbilder und Schüler bei der Installateur-Ausbildung.

Die folgenden Statements zum Ausbildungsmarkt sind zuerst bei der “dpa” erschienen.

“Die Ausbildungszahlen sind ein Lichtblick in einer insgesamt schwierigen Lage. Wir steuern auf das vierte Jahr in Folge mit steigenden Neuvertragszahlen zu. Zwischen Januar und Juni 2026 wurden bereits knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge in die Lehrlingsrollen eingetragen, das sind über 3.160 Verträge beziehungsweise 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Einen so hohen Juni-Wert hatten wir zuletzt 2018. Das ist eine nachdrückliche Botschaft: Junge Menschen entscheiden sich bewusst für das Handwerk. Wer sich jetzt noch mit der Berufswahl beschäftigt, hat weiterhin beste Chancen, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden. Obwohl das Ausbildungsjahr in vielen Bundesländern bereits Anfang August beginnt, ist ein Ausbildungsstart noch bis weit in den Herbst hinein möglich. Allein über die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern werden derzeit noch Auszubildende für 20.460 offene Ausbildungsstellen gesucht.”

“Einmal mehr zeigt sich aber gerade beim Thema Ausbildung, dass das Handwerk eben nicht nur eine Wirtschafts-, sondern immer auch eine Gesellschaftsgruppe ist: Auch in schwierigen Zeiten und trotz auch im Handwerk sinkender Umsätze übernimmt das Handwerk Verantwortung.”

 “Warum ist mir so wichtig, das Thema der vom Handwerk gezeigten Verantwortungsübernahme einzubringen? Weil es die klare Erwartung ist, dass diese Verantwortung auch entsprechend gewürdigt wird. Es geht um die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung, eine Forderung, die wir seit Jahren vertreten. Diese muss endlich gesetzlich verankert werden. Und sie muss an der finanziellen Ausstattung deutlich werden. Unsere Bildungszentren haben erheblichen Sanierungsbedarf. Dieser darf nicht nur benannt, sondern muss auch finanziell hinterlegt werden. Es kann nicht sein, dass wir junge Menschen in Bildungszentren schicken, die 30, 40 oder 50 Jahre alt sind und dringend modernisiert werden müssen. Dieser Sanierungsstau muss genauso ernst genommen werden wie bei maroden Brücken. Die Bildungszentren müssen saniert werden und dafür ist die Ausfinanzierung bisher nicht gegeben. Zweitens geht es um die Überbetrieblichen Lehrunterweisungen und die Drittelfinanzierung zwischen Bund, Ländern und Betrieben. Auch dort sind Kürzungen nicht hinnehmbar. Und drittens ist überhaupt nicht nachvollziehbar, dass das Programm ‚Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen‘ Ende 2027 auslaufen soll. Die Willkommenslotsen und die passgenauen Besetzer haben über Jahre wertvolle Netzwerke aufgebaut und leisten vor Ort einen wichtigen Beitrag, indem sie Betriebe unterstützen, junge Menschen für die duale Ausbildung gewinnen und Menschen aus dem In- und Ausland den Weg in Ausbildung und Beschäftigung ebnen. Ein Wegfall des Programms ist angesichts des wachsenden Fachkräftebedarfs kontraproduktiv. Die über Jahre entstandenen regionalen Netzwerke dürfen nicht aufs Spiel gesetzt werden. Wer Fachkräfte sichern und die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe stärken will, muss dieses erfolgreiche Programm unbedingt erhalten.”

 “Im Handwerk steigen aktuell die Ausbildungszahlen und das gegen den Trend in der Gesamtwirtschaft. In einigen Kammerbezirken verzeichnen wir sogar zweistellige Zuwächse. Da fragt man sich schon: Wie kommt es, dass die Entwicklung so deutlich nach oben geht? Weil Handwerk sichere und gute Jobs bietet. Ein Beispiel ist ein Elektromeister aus Stuttgart mit einem Betrieb von 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Er hatte über Jahre Schwierigkeiten, seine drei oder vier Ausbildungsplätze im Umfeld der Automobilindustrie zu besetzen. Jetzt hat er 90 Bewerbungen.”

 “Ich führe die steigenden Ausbildungszahlen auf mehrere Punkte zurück. Erstens: KI. Junge Menschen erkennen, dass das Handwerk eine echte Alternative bietet, wenn sie einen sicheren Job haben wollen. Zweitens: Unsere Imagekampagne und unsere Werbebemühungen sind offensichtlich in der Gesellschaft angekommen. Drittens: Die Verdienst- und Karrieremöglichkeiten im Handwerk haben sich verbessert. Und viertens: Teile der Industrie haben die Zahl ihrer Ausbildungsplätze aufgrund der Weltmarktlage massiv verringert.”

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