Zentralverband des
Deutschen Handwerks
21.07.2026

Weitere ambitionierte Reformen sind unausweichlich

Die Reformbemühungen sind zu würdigen, doch davon kommt in den Betrieben bislang nichts an. Weitere Reformen sind unausweichlich, dann vor allem zur Senkung der Lohnzusatzkosten, so ZDH-Präsident Jörg Dittrich zu Andreas Hoenig von der dpa.
Jörg Dittrich

Die folgenden Statements sind zuerst der “dpa” gegeben worden: 

“Die Lohnzusatzkosten müssen in den Fokus. Die müssen reduziert werden. Wir brauchen mehr Leistungsgerechtigkeit. Reine Umverteilung macht uns nicht wettbewerbsfähiger. Wenn Menschen über weniger Geld verfügen, mindert das den Konsum. Bei geringeren Lohnzusatzkosten hätten hingegen Betriebe und Beschäftigte mehr Mittel zur Verfügung. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit stärken sowie den Export und zugleich den Binnenmarkt stützen. Die Bundesregierung sagt, dass ihr das Geld fehlt, um solche Entlastungen zu finanzieren. Wir können gern hinnehmen, dass Deutschland auch bei der nächsten WM das Sechzehntelfinale wieder verliert. Aber wenn wir gewinnen wollen, müssen wir unsere Spielweise ändern.”

“Wir haben bei der Rente gesehen, dass eine Kommission insgesamt ausgewogene Vorschläge erarbeitet hat, die dann dem Grunde nach breite Zustimmung gefunden haben: Ja, das machen wir jetzt so. Meine Erwartung ist: Wenn dies das Instrument der Koalition ist, dann sollte sie jetzt eine Kommission einsetzen, die die finanzielle Entlastung der Betriebe und Beschäftigten in den Blick nimmt. Ich rede nicht nur von einer Einkommensteuerreform, die wir auch brauchen. Sondern es muss explizit um das Thema gehen, wie die viel zu hohen Lohnzusatzkosten wieder verringert werden. Dort müssten wir genauso ambitioniert hingehen und sagen: Jetzt wollen wir ein Maßnahmenpaket zur Entlastung und Wettbewerbsfähigkeit.”

“Die wirtschaftliche Lage im Handwerk ist schlechter geworden. Das zeigen alle aktuellen Daten. Die Reformbemühungen der Regierungskoalition sind ausdrücklich zu würdigen. Das Problem ist, dass davon bislang in den Betrieben noch nichts ankommt, weder bei den wirtschaftlichen Kennzahlen noch in der Stimmung. Wir bekommen im ZDH viele besorgte, teils auch empörte und verbitterte Nachrichten, wie wir denn dazu kommen, den Reformprozess positiv zu begleiten, wo doch die Wirtschaftsdaten immer schlechter werden und sich das auch in den Auftragsbüchern widerspiegelt. Die Insolvenzzahlen steigen. Und auch wenn wir im Handwerk noch keine Insolvenzwelle sehen, läuft die Entwicklung in die falsche Richtung. Die Umsatzentwicklung im Gesamthandwerk ist seit Jahresbeginn preisbereinigt negativ. Einzelne Bereiche wie der Hochbau stehen massiv unter Druck und sind deutlich im Minus. Natürlich sind der Bauturbo und Superabschreibungen richtig, aber alle Daten zeigen, dass sie nicht ausreichen. Weitere ambitionierte Reformen sind unausweichlich.”

“Die Entlassungen bei VW betreffen mich als Handwerkspräsidenten nicht unmittelbar. Trotzdem empfinde ich das als eine tiefe Zäsur, geradezu als Kernschmelze, weil das für die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt steht. Auch im Handwerk haben wir 2025 gegenüber dem Vorjahr 73.000 Arbeitsplätze weniger. Das liegt natürlich auch am demografischen Wandel. Aber wenn die Wirtschaft rund laufen würde, hätten Meisterinnen und Meister Wege und Möglichkeiten, gegenzusteuern, etwa durch die Übernahme von Beschäftigten aus anderen Branchen, die sich wandeln. Auch bei der Fachkräftegewinnung und der gesteuerten Zuwanderung hätten wir dann bessere Voraussetzungen. Es geht darum, wieder eine Dynamik zu schaffen, in der Beschäftigung wachsen kann.”

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