Fleißige Hände, smarte Technik
Foto: ZDH/Anne Beyer
Im Textilreinigungsbetrieb Bestform Textilpflege Franchise + Service GmbH im Berliner Stadtteil Wilmersdorf arbeiten Mensch und Technik Hand in Hand für makellose Wäsche. An der Spitze steht Geschäftsführer Jörn Löpelmann, dessen Anspruch klar ist: Moderne Technik soll den Menschen unterstützen, nicht umgekehrt.
Künstliche Intelligenz, Automatisierung, RFID-Systeme: Wenn der 53-Jährige über die Zukunft spricht, merkt man schnell, dass hier jemand am Werk ist, der sein Handwerk liebt und gleichzeitig in Jahrzehnten denkt. “Wir setzen auf Automatisierung und Digitalisierung. Allerdings nicht, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ersetzen”, betont er. “Wir wollen Routinearbeit verringern, Fehler vermeiden und die anspruchsvollen Tätigkeiten stärken.” Für den Berliner ist das kein Selbstzweck, sondern die Antwort auf eine zentrale Frage des Handwerks: Wie bewahrt man Tradition und öffnet gleichzeitig die Tür für Innovation?
Vom Ingenieur zum Textilreiniger
-
Oleksander ist einer von zwei Azubis berlinweit in der Textilreinigung.
Foto: ZDH/Anne Beyer
-
Pawel Banach befüllt eine der riesigen Waschmaschinen.
Foto: ZDH/Anne Beyer
Dass Löpelmann heute einen Textilreinigungsbetrieb führt, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis verschiedener Stationen, an deren Ende immer wieder eine Grundentscheidung stand: Verantwortung übernehmen. Nach dem Abitur folgte eine Offizierslaufbahn, dann ein Wirtschaftsingenieurstudium und Tätigkeiten in der Industrie. Parallel dazu sammelte er unternehmerische Erfahrung mit eigenen Projekten im digitalen Umfeld. Eine entscheidende Begegnung war die mit Rudolf Rüdiger Wudtke, dem Gründer der Bestform Textilpflege und einer prägenden Persönlichkeit der Branche.
Das Handwerk braucht Menschen, die bereit sind, vertraute Wege zu verlassen und Neues auszuprobieren. Wer Technik nur als Bedrohung sieht, macht sich das Leben unnötig schwer. Wer sie als Werkzeug versteht, kann viel bewegen.
Wudtke baute einen Betrieb mit mehreren Standorten auf und suchte jemanden an seiner Seite, der Organisation, Zahlen und Technik zusammenführen konnte. Aus der Zusammenarbeit entstand Vertrauen. Nach Wudtkes überraschen dem Tod übernahm Löpelmann zunächst übergangsweise die Geschäftsführung. Schließlich traf er eine klare Entscheidung. Er kaufte das Unternehmen und führte es weiter. Heute steht Bestform für einen Betrieb, der gewachsen ist, ohne seine handwerklichen Wurzeln zu verlieren.
Das Handwerk von morgen: digital, präzise, persönlich
-
Jedes Wäschestück erhält einen Barcode oder RFID-Chip. Jedes Teil lässt sich so auf seinem Weg durch die Reinigung stets zuordnen.
Foto: ZDH/Anne Beyer
-
In der Bügelstation werden die Textilien finalisiert.
Foto: ZDH/Anne Beyer
In der Filiale in Berlin-Wilmersdorf zeigt sich, wie sich Textilreinigung wandeln kann. Auf begrenzter Fläche wird täglich ein beachtliches Volumen an Wäsche bearbeitet, ein großer Teil davon für Hotels, die auf zuverlässige Qualität angewiesen sind. “In der Aufbereitung von Arbeitskleidung und Hotelwäsche ist die Automatisierung schon weit entwickelt”, erklärt Löpelmann. Am Wareneingang wird die angelieferte Wäsche per Barcode oder RFID erfasst. Von da an sind die Schritte klar definiert. Jeder Weg durch den Betrieb ist nach vollziehbar, jedes Teil lässt sich bis zur Kommissionierung verfolgen.
Gemeinsam mit seinem engsten Team, allen voran mit seiner rechten Hand, dem ausgebildeten Textilreiniger Pawel Banach (31), arbeitet er daran, diese Abläufe weiterzuentwickeln. Die Vision: mehr intelligente Beförderungssysteme, noch feinere Sortierung, digitale Unterstützung bei der Qualitätssicherung, und das alles auf dem Niveau großer Wäschereien, aber angepasst an einen mittelständischen Handwerksbetrieb mitten in der Stadt. “Wir wollen Durchlaufzeiten verkürzen, Fehlerquoten weiter senken und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Raum für die handwerklich anspruchsvollen Arbeiten und die persönliche Betreuung unserer Kundschaft geben”, erläutert Löpelmann. “So sollen Abläufe im Hintergrund so effizient werden wie in großen Wäschereien, während nach außen das bleibt, was unsere Kundinnen und Kunden schätzen: handwerkliche Sorgfalt, persönliche Ansprache und verlässliche Qualität.”
Standort- und Erweiterungsfragen werden bewusst ab gewogen. Im Mittelpunkt stehen drei Punkte: die Nähe zu Privatkundinnen und -kunden, verlässliche Leistungen für Hotel- und Geschäftskunden und gute Wege für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. “Effizienz ist wichtig”, sagt Banach, “aber sie darf nicht auf Kosten der Menschen gehen, die jeden Tag hier arbeiten, oder der Kundinnen und Kunden, die uns seit Jahren vertrauen.”
Team, Ausbildung, Verantwortung
So technikaffin der Betrieb ist, am Ende entscheiden Menschen über Qualität. “Wir leben von unserem Ruf”, sagt Löpelmann. “Unsere Kundinnen und Kunden kommen wieder, weil sie wissen, dass wir uns kümmern: um ihre Textilien und um die Details.” Im Unternehmen arbeiten rund drei Dutzend Menschen: vom langjährigen Profi bis zur Auszubildenden, die gerade erst ins Berufsleben startet. Besonders bemerkenswert: Die beiden einzigen Auszubildenden im Beruf Textilreiniger/-in in Berlin lernen bei Bestform. Für sie ist der Betrieb ein guter Ort, um zu sehen, wie sich ihr Handwerk verändert: mit modernen Maschinen, digitalen Erfassungssystemen und gleichzeitig der Aufgabe, jedes einzelne Stück mit geschultem Blick zu beurteilen.
Gute Qualität entsteht im Team. Wir suchen keine Einzelkämpfer, sondern Menschen, die gestalten wollen, die Ideen einbringen, Abläufe verbessern und Lust haben, unser Handwerk in die nächste Etappe zu führen.
Pawel Banach ist dafür ein gutes Beispiel. Seine Eltern führten die Reinigung “Florida” und gaben sie aus gesundheitlichen Gründen an Löpelmann ab. Doch noch immer trägt diese Wilmersdorfer Filiale der Bestformtextilpflege den Namen “Exclusiv Florida Reinigung & Änderungsschneiderei”. Banach blieb, brachte sein Wissen als ausgebildeter Textilreiniger ein und wuchs Schritt für Schritt in eine zentrale Rolle hinein. “Viele Jugendliche kennen diesen Beruf gar nicht”, sagt er. “Dabei ist er vielseitiger, als viele denken. Man arbeitet mit Technik, mit Chemie, mit Stoffen, mit Kundinnen und Kunden. Und jeder Tag bringt andere Aufgaben.” Für ihn und das Team ist es mehr als ein Job: “Wenn ein schwieriges Stück am Ende wieder tadellos aussieht, ist das ein gutes Gefühl. Wir wollen, dass man unseren Anspruch in jeder Hose, jedem Hemd und jedem Kleid sieht.”
Übergabe mit Weitblick
Jörn Löpelmann, Geschäftsführer von Bestform Textilpflege Franchise + Service GmbH Berlin
Foto: ZDH/Anne Beyer
Löpelmann und Banach denken schon heute daran, wie der Betrieb weitergeführt werden kann, wenn eines Tages ein Generationswechsel ansteht. Nicht als abstrakte Frage, sondern als laufender Prozess. “Eine Übergabe ist kein Datum im Kalender”, sagt Löpelmann. “Sie beginnt damit, dass man Verantwortung teilt, Wissen weitergibt und Strukturen so baut, dass sie nicht an einzelnen Personen hängen.” Dass die Auszubilden den erleben, wie ein Betrieb geführt, entwickelt und Schritt für Schritt digitalisiert wird, ist Teil dieses Plans. Sie sehen, dass es im Handwerk nicht nur darum geht, “wie man etwas macht”, sondern auch darum, “wie man es besser organisiert”.
Jahrbuch 2026
Diese Handwerk-Story wurde zuerst im ZDH-Jahrbuch 2026 veröffentlicht. Das Jahrbuch steht unter dem Motto "Zukunft im Handwerk. Trends im Blick. Mit Können gestalten." Dieses Jahrbuch lädt dazu ein, nach vorn zu schauen und zugleich anschaulich und beispielhaft zu erleben, wie Zukunft im Handwerk bereits heute entsteht.