Zentralverband des
Deutschen Handwerks

Meisterstücke mit Tradition und Herz

Die Geschwister Bert Böger und Petra Schmitt-Böger leiten gemeinsam mit ihrem Cousin Dirk Böger das Hamburger Dentallabor Böger Zahntechnik. Mit handwerklicher Fertigkeit und sozialer Verantwortung entstehen hier Meisterstücke.
Die Geschwister Bert Böger und Petra Schmitt-Böger leiten gemeinsam mit Cousin Dirk Böger das Unternehmen.

Die Geschwister Bert Böger und Petra Schmitt-Böger leiten gemeinsam mit Cousin Dirk Böger das Unternehmen.

“Meisterstücke” prangt auf den Tüten, in denen die Produkte von Böger Zahntechnik den Firmensitz am Waterloohain in Hamburg-Altona verlassen. Die edlen weißen Tüten wirken bewusst hochwertig, denn schließlich enthalten sie ein wertvolles Produkt: Ein schöner Zahnersatz stellt nicht nur die Gesundheit und Funktion wieder her, sondern verbessert auch das Selbstbewusstsein und die Lebensqualität eines Menschen grundlegend. Kronen, Brücken, Implantate, Prothesen und Veneers vereinen höchstes handwerkliches Fertigungskönnen mit medizinischer Präzision und schenken den Trägerinnen und Trägern die Freiheit, unbeschwert zu lachen, zu sprechen und am Leben teilzunehmen.

Eine Erfolgsgeschichte seit 1920

  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an Großraumlaborarbeitsplätzen

    Zahntechnik im 21. Jahrhundert: helle, digital ausgestattete Großraumlaborarbeitsplätze mit ergonomischen Tischen

  • Ein Zahntechnik arbeitet am Computer

    Der Beruf des Zahntechnikers hat sich immens gewandelt, heute gehört Bildschirmarbeit dazu

1920 von den Großvätern in Hamburg gegründet, ist Böger Zahntechnik eines der ältesten zahntechnischen gewerblichen Dentallabore Deutschlands. Dort und an den weiteren Niederlassungen in Schwerin und Neumünster schreiben 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Böger-Erfolgsgeschichte fort. Bereits die Firmengründer Oscar und Friedrich Böger wussten um die gesellschaftliche Relevanz ihres Handwerks: Sie setzten sich damals dafür ein, dass Zahntechniker/-in als Handwerksberuf anerkannt wurde, und waren Mitbegründer der Zahntechnikerinnung Hamburg. Als Erste im deutschen Sprachraum legten Friedrich und Oscar Böger neben vier weiteren Zahntechnikern die Meisterprüfung ab. Friedrich Böger nahm als Vorsitzender der Meisterprüfungskommission die ersten Prüfungen zum Zahntechnikermeister von Hamburg bis Österreich ab. Neue Wege gehen, moderne Materialien ausprobieren, auch früh die Welt darüber informieren, was sich bei Böger tut: Was heute die Firmenleitung auszeichnet, haben bereits die Gründungsväter betrieben.

Dieser Devise folgte auch die zweite Generation. Die Brüder Claus und Fritz Böger steigen im Jahr 1966 als Teilhaber ein. Claus Böger führt im Jahr 1972 als erster Unternehmer in der Zahntechnik einen Computer ein, heuert einen Programmierer an und lässt ein digitales Dispositionsprogramm entwickeln. Vorreiter zu sein, liegt in der Familien-DNA.

Die dritte Generation: Verantwortung für die Zukunft

Seine Tochter Petra Schmitt-Böger ist zunächst aus der Familientradition ausgeschert. Sie ist weder Zahnärztin noch Zahntechnikermeisterin, Berufe, die die anderen beiden aktuellen Geschäftsführer von Böger Zahntechnik, ihr Bruder Bert und Cousin Dirk, ausüben. Sie hat Betriebswirtschaft studiert und in der Kommunikationsbranche gearbeitet. 1996 konnte sie den Wunsch ihres Vaters und Onkels nicht abschlagen und stieg in die Betriebsleitung ein. 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das ist für uns nicht nur unternehmerische Überzeugung, sondern auch wichtiger Wettbewerbsfaktor in Zeiten eines Arbeitnehmermarktes und großen Fachkräftebedarfs.

Hier bringt sie ihre kaufmännischen Kenntnisse und ihr Marketing-Know-how ein. Wie gelingt die Zusammenarbeit im Führungstrio? “Wir ergänzen uns, jeder hat seinen Aufgabenbereich. Da reden wir uns untereinander nicht rein, aber wir scheuen uns auch nicht, Konflikte anzusprechen”, sagt Petra Schmitt-Böger. Verantwortung ist ein zentrales Stichwort, das im Gespräch mit der sympathischen Hamburgerin oft fällt. “Natürlich spürt man eine Verantwortung, wenn ein Unternehmen so lange von einer Familie geführt wird”, sagt sie. Pflichtbewusstsein spürt sie nicht nur gegenüber der Familie, sondern auch gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den 18 Auszubildenden. Bereits im Jahr 2014 wurde der Betrieb mit dem Familiensiegel der Stadt Hamburg als familienfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet.

Familienfreundlich und sozial engagiert

Ein Obdachloser wird bei Böger Zahntechnik behandelt

Böger Zahntechnik engagiert sich sozial und versorgt Obdachlose mit Zahnersatz

Die Verantwortung, die Petra Schmitt-Böger empfindet, erstreckt sich weit über die Familie und den Betrieb hinaus. “Wir wollen uns engagieren, aber mir ist es wichtig, dass es zum Betrieb passt”, schildert sie. So kümmert sich Böger Zahntechnik darum, dass Obdachlose und Bedürftige mit Zahnersatz versorgt werden, und kooperiert seit 2016 mit der Zahnarztpraxis des Hamburger Caritasverbandes St. Pauli, wo Menschen ohne Krankenversicherung und Wohnungslose versorgt werden. “Es war Zufall, dass das Projekt zu meinem 50. Geburtstag gestartet ist. Es fühlte sich wie ein Geschenk an. Ich erinnere mich besonders an eine 30-Jährige, die weder ein Zuhause noch einen Job hatte. Sie erhielt damals Komplettprothesen, weil sie keine Zähne mehr hatte. Sie fand zwei Wochen später einen Job und eine Wohnung”, berichtet Petra Schmitt-Böger.

Durch die Digitalisierung hat sich der Beruf verändert

Präzise Fräsarbeiten durch modernste Technik

Modernste Technik erleichtert präzise Fräsarbeiten

“Der Beruf des Zahntechnikers hat sich immens gewandelt", beschreibt Petra Schmitt-Böger. Fast 70 Prozent des Berufs sind inzwischen digitale Aufgaben, “aber es bleiben immer auch die analogen Anteile.” Im Jahr 2018 wurde das Labor in Hamburg aufs Modernste renoviert. Die Außenmauern des damals errichteten Gebäudes blieben stehen, innen wurde komplett umgebaut. Es entstanden helle, freundliche Großraumlaborarbeitsplätze. Die Technikerinnen und Techniker arbeiten an ergonomischen Tischen, die alle digital ausgestattet sind. Service-Roboter “Wallyi” saust augenkullernd zwischen Arbeitsplätzen umher und versorgt die Teams mit Nachschub an Prothesen, Kronen und Brücken. 

Wer bei Böger Zahntechnik eine Ausbildung absolviert, braucht handwerkliches Geschick, das in einem intern entwickelten Aufnahmetest geprüft wird: Interessierte müssen einen Draht in Zahnform biegen können: für viele eine Hürde. Wer Geschick beweist, erlernt in der Ausbildung traditionelle Handwerkstechniken: “Es braucht nicht nur geschickte Hände, sondern auch ein gutes Auge, denn wenn die Keramik später verblendet wird, muss ja auch der individuelle Farbton der eigenen Zähne getroffen werden”, beschreibt Petra Schmitt-Böger.

Zurzeit befassen wir uns damit, den IT-Faktor noch besser in unsere Abläufe zu integrieren: Digitale und analoge Arbeiten müssen noch besser verzahnt werden. Die Kunst liegt darin, die Präzision und Geschwindigkeit digitaler Prozesse mit der haptischen Sensibilität und ästhetischen Expertise der Handarbeit zu kombinieren.

Gleichzeitig nutzen Zahntechnikerinnen und Zahntechniker digitale Technologien: CAD/CAM-Fräsmaschinen zum präzisen Ausfräsen von Kronen, Brücken und Inlays aus Keramik- oder Zirkonblöcken. Sie nutzen 3D-Drucker für Modelle und arbeiten mit digitalen Scans, wenn Zahnärztinnen und Zahnärzte mit Intraoralscanner Abdrücke nehmen.

Jahrbuch 2026

Diese Handwerk-Story wurde zuerst im ZDH-Jahrbuch 2026 veröffentlicht. Das Jahrbuch steht unter dem Motto "Zukunft im Handwerk. Trends im Blick. Mit Können gestalten." Dieses Jahrbuch lädt dazu ein, nach vorn zu schauen und zugleich anschaulich und beispielhaft zu erleben, wie Zukunft im Handwerk bereits heute entsteht.

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