28.02.2019

BerufsAbitur - Große Herausforderung und Chance zugleich

Das BerufsAbitur ermöglicht, einen Beruf zu erlernen und gleichzeitig das Abitur zu machen. Das Online-Magazin www.abi.de hat dazu mit dem ZDH gesprochen und gefragt, warum und für wen das BerufsAbitur entwickelt wurde.

In welchen Bundesländern gibt es das BerufsAbitur bereits?
Derzeit sind sieben Bundesländer dabei: Im Schuljahr 2017/18 haben Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen mit dem BerufsAbitur gestartet. In diesem Schuljahr kam Berlin dazu, im nächsten folgen Hessen und Rheinland-Pfalz. In manchen Bundesländern gibt es das BerufsAbitur flächendeckend, das heißt für alle handwerklichen Berufe, in anderen als Modellprojekt für einen Beruf. Wie beispielsweise in Berlin: Dort wird das BerufsAbitur derzeit ausschließlich für Auszubildende zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik angeboten.


Warum und für wen wurde das Angebot entwickelt?

Die Initiative wurde vom ZDH gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz (KMK) ins Leben gerufen, um berufliche Bildungs- und Karrierewege im Handwerk aufzuzeigen und weiterzuentwickeln und so mehr junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen. Jugendliche, die das Ziel haben, das Abitur zu erreichen, hatten Handwerksberufe bislang nicht im Blick. Ihnen wird mit dem BerufsAbitur ermöglicht, einen Beruf zu erlernen und gleichzeitig das Abitur zu machen. Dieser sogenannte doppeltqualifizierende Bildungsgang ist eine attraktive Perspektive und soll auch die Fachkräftesicherung erleichtern. Das Modell wirbt aber auch allgemein für die Berufsbildung. Langfristiges Ziel ist, das BerufsAbitur bundesweit als Regelangebot für alle Wirtschaftszweige zu etablieren.


Auch vor dem BerufsAbitur gab es bereits Wege, die allgemeine Hochschulreife während der oder im Anschluss an die Berufsausbildung zu erlangen. Was ist der Vorteil von diesem Modell?

Bei anderen Wegen muss man mindestens fünf Jahre investieren, um beides – Berufsabschluss und Abitur – in der Tasche zu haben. Beim BerufsAbitur braucht man nur vier Jahre. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des ZDH und der KMK hat das Modell so entwickelt, dass die unterschiedlichen Lernorte, also Betrieb, Berufsschule und Fachober- beziehungsweise Berufsoberschule optimal miteinander verknüpft werden. Die Lehrpläne und Stundentafeln beispielsweise wurden so entwickelt, dass es keine inhaltlichen Doppelungen etwa im Fach Deutsch oder Wirtschaftskunde gibt.

Was muss ich tun, wenn ich mich für das BerufsAbitur interessiere?
Am besten einen Beratungstermin bei der zuständigen Handwerkskammer vereinbaren. Dort erhalten die Jugendlichen ausführliche Informationen zu den Angeboten in ihrer Gegend und zum Ablauf. Aufgrund der föderativen Struktur in Deutschland hat jedes Bundesland sein eigenes Bildungssystem, was sich auch auf die Ausgestaltung des Modells auswirkt. Ein Beispiel: In manchen Ländern wird die Ausbildung auf vier Jahre gestreckt und man macht das Abi parallel. Das bedeutet, dass man nach der Berufsschule beispielsweise noch den Unterricht für die zweite Fremdsprache besucht oder am Wochenende in die Schule geht. In anderen Bundesländern absolviert man erst die Ausbildung, dann folgt ein vollzeitschulisches Jahr.


Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?
Teilnehmen können alle mit einem mittleren Schulabschluss. Beide Abschlüsse zeitgleich zu machen ist natürlich eine Herausforderung, man braucht Disziplin. Aber es ist auch eine große Chance. Als Belohnung winken sowohl der Gesellenbrief wie auch die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Danach kann man im Beruf bleiben, die Meisterqualifikation erlangen und auch einen eigenen Betrieb gründen oder übernehmen. Oder man kann ein Studium anschließen und später eventuell in den Beruf zurückkehren. Den Absolventen stehen also alle Karrierewege offen.