Denkmalpflege: Handwerk bewahrt Kulturerbe
Foto: Land.nrw / Hermenau
Historische Gebäude zu erhalten, verlangt Erfahrung, Materialkenntnis und handwerkliche Präzision. Beim Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege sind am Dienstagabend, 13. Oktober, in Düsseldorf die an den Restaurierungen beteiligten Handwerksbetriebe und die privaten Denkmaleigentümer ausgezeichnet worden. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst überreichte die Preise. Die Veranstaltung würdigte herausragende Leistungen bei der Bewahrung des kulturellen Erbes.
“Wer historische Gebäude erhält, braucht besonderes Können und ein tiefes Verständnis für Materialien und traditionelle Techniken. Handwerkerinnen und Handwerker retten alte Dachstühle, restaurieren Fassaden und bewahren wertvolle Bausubstanz vor dem Verfall. Sie erhalten damit nicht nur Gebäude, sondern auch ein Stück Geschichte und Heimat für kommende Generationen”, würdigte Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), die Preisträgerinnen und -träger. Alle ausgezeichneten Projekte zeigten, wie wichtig die Zusammenarbeit verschiedener Gewerke und die Verbindung traditioneller Techniken mit fachlicher Planung seien.
Damit dieses Wissen erhalten bleibe, brauche das Handwerk die dafür qualifizierten Fachkräfte und verlässliche Rahmenbedingungen. “In der Denkmalpflege fehlt es nicht an Arbeit, sondern zunehmend an Menschen mit dem nötigen Können. Wenn Fachkräfte fehlen, Bürokratie Zeit bindet und Förderbedingungen nicht verlässlich sind, gefährdet das den Erhalt historischer Gebäude. Politische Entscheiderinnen und Entscheider müssen endlich ernst mit einer gleichwertigen Behandlung beruflicher und akademischer Bildung machen, unnötigen Verwaltungsaufwand abbauen und für verlässliche Förderung sorgen. Davon profitieren dann nicht nur Denkmaleigentümer, sondern die Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt”, betonte Dittrich.
Der ZDH unterstützt die Suche nach qualifizierten Fachbetrieben mit der Datenbank “Handwerksbetriebe für Restaurierung und Denkmalpflege”. Unter www.restaurierung-handwerk.de können Interessierte passende Betriebe nach Region und Gewerk finden.
Hintergrundinformationen zum Bundespreis und zur Denkmalpflege im Handwerk
Der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege wird seit 1994 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks durchgeführt und jährlich in zwei Bundesländern ausgeschrieben. 2026 sind Nordrhein-Westfalen und Bremen an der Reihe. In Nordrhein-Westfalen stehen für die ausgezeichneten privaten Denkmaleigentümer insgesamt 30.000 Euro zur Verfügung. Die beteiligten Handwerksbetriebe erhalten Ehrenurkunden. Die Auszeichnung soll Eigentümer ermutigen, historische Gebäude mit qualifizierten Handwerksbetrieben zu erhalten, und auf die Bedeutung handwerklicher Qualität für die Denkmalpflege aufmerksam machen.
Die handwerkliche Restaurierung und Denkmalpflege ist auch wirtschaftlich ein bedeutendes Tätigkeitsfeld. Mehr als 80 Gewerke erzielen in diesem Bereich zusammen jährlich rund 7,5 Milliarden Euro Umsatz. Zugleich wächst der Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Die Denkmalpflege bietet damit vielfältige berufliche Perspektiven, von der Ausbildung bis zur spezialisierten Fortbildung zum Master Professional für Restaurierung im Handwerk.