Zentralverband des
Deutschen Handwerks

Programm "Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen" erhalten!

Wir appellieren an Bundesregierung und Bundestag, das Programm "Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen" - anders als vorgesehen - über 2027 hinaus verlässlich fortzuführen und dauerhaft abzusichern. Es ist wirksam, regional verankert und kostengünstig.

Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen: Ausbildungs- und Fachkräftesicherung jetzt verlässlich fortführen!

Deutschland steht vor einer massiven demografischen Herausforderung: In den kommenden Jahren scheiden die geburtenstarken Jahrgänge in großer Zahl aus dem Erwerbsleben aus, während deutlich kleinere Jahrgänge nachrücken. Zugleich bleiben schon heute zehntausende Ausbildungsstellen unbesetzt. Kleine und mittlere Unternehmen benötigen verlässliche Unterstützung, um junge Menschen frühzeitig für berufliche Perspektiven zu gewinnen, Bewerberprofile und betriebliche Anforderungen realistisch zusammenzuführen, internationale Nachwuchskräfte rechtssicher zu integrieren und Ausbildungsverhältnisse zu stabilisieren. Das Bundesprogramm “Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen” schafft genau diese Brücke: regional verankert, niedrigschwellig und praxisnah. Ein Auslaufen des Programms Ende 2027 wäre ein schwerer Rückschlag für den Ausbildungsmarkt, die Fachkräftesicherung und die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Wo der Ausbildungsmarkt Unterstützung braucht

Der Ausbildungsmarkt leidet nicht nur an zu wenigen Bewerberinnen und Bewerbern. Er leidet vor allem auch an Passungsproblemen: Betriebe finden keine geeigneten Auszubildenden, während junge Menschen keinen passenden Zugang zu Ausbildung und Beruf finden. Genau hier setzen die Passgenauen Besetzerinnen und Besetzer an. Sie kennen die Betriebe, deren konkrete Bedarfe und die Anforderungen der Ausbildungsberufe. Zugleich eröffnen ihnen über viele Jahre etablierte Strukturen, Netzwerke und Schulkontakte den Zugang zu jungen Menschen.

Damit leisten sie etwas, das kein digitales Portal ersetzen kann: Sie sprechen Betriebe aktiv an, schließen sie auf für Ausbildung, beraten individuell, vermitteln passgenau und begleiten beide Seiten bei Bedarf bis in das Ausbildungsverhältnis hinein. So entstehen nicht nur Ausbildungsverträge. Sie sind auch langfristig tragfähiger, weil Konflikte, Sprachprobleme oder organisatorische Hürden frühzeitig aufgefangen werden können.

Hohe Wirkung, starke Nachfrage

Nachweislich erfolgreich ist das Programm auch in Zahlen:

  • fast 10.000 Vermittlungen in Arbeit, Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung in den Jahren 2024 und 2025, darunter fast 2.300 aus EU- und Drittstaaten sowie nach Deutschland Geflüchtete.
  • über 52.000 individuell beratene und begleitete junge Menschen,
  • rund 21.000 unterstützte Betriebe,
  • 93 bzw. 96 Prozent der Unternehmen sind mit der passgenauen Besetzung und den Willkommenslotsen zufrieden oder sehr zufrieden.

Diese Zahlen zeigen: Das Programm ist nachgefragt und erreicht die Betriebe, die Unterstützung bei Ausbildung und Fachkräftesicherung besonders brauchen.

Nachwuchssicherung ist Wissenssicherung

Wenn Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben oder Ausbildungsverhältnisse scheitern, fehlen nicht nur künftige Fachkräfte. Wenn der Staffelstab nicht übergeben werden kann, geht auch betriebliches Erfahrungswissen verloren. Die Passgenauen Besetzerinnen und Besetzer helfen, dieses Wissen weiterzugeben, Ausbildungsbereitschaft zu stärken und regionale Wirtschaftsstrukturen zu stabilisieren. In einzelnen Regionen sind sie jährlich an bis zu 15 bis 20 Prozent der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge beteiligt.

Ein Auslaufen des Programms würde gewachsene Netzwerke zerstören. Der spätere Neuaufbau solcher Strukturen wäre deutlich teurer, langwieriger und weniger wirksam als ihre verlässliche Fortführung. 

Jetzt Programm über 2027 hinaus sichern

Das vom Bundeswirtschaftsministerium angekündigte Auslaufen des Programms Ende 2027 steht im Widerspruch zu den arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Deutschland braucht mehr erfolgreiche Übergänge in Ausbildung, mehr beruflich qualifizierte Menschen und eine bessere Integration inländischer und internationaler Potenziale. Dafür braucht es keine neuen Strukturen, sondern die verlässliche Fortführung eines bewährten Instruments. Das Programm “Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen” ist kostengünstig, wirksam, regional verankert und unmittelbar anschlussfähig an die Ziele der Fachkräfte-, Ausbildungs- und Integrationspolitik der Bundesregierung.

Der ZDH appelliert daher an Bundesregierung und Bundestag:

Das Förderprogramm “Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen” muss über 2027 hinaus verlässlich fortgeführt und dauerhaft abgesichert werden.

Der ZDH steht bereit, die Ausgestaltung einer Folgerichtlinie konstruktiv zu begleiten und gemeinsam dafür zu sorgen, dass Betriebe weiter ausbilden, junge Menschen berufliche Perspektiven erhalten und die Fachkräftebasis der Zukunft gesichert wird.

  • Programm Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen
    ZDH kompakt, September 2026

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