Zentralverband des
Deutschen Handwerks

Die Viererkette aus Oberfranken

Bei der Baugesellschaft RAAB wird seit jeher weit vorausgedacht. Zurzeit arbeiten die Eltern Wolfgang und Gisela mit ihren Kindern Julia und Benedikt zusammen, volle Familienpower für die Herausforderungen von morgen.
Die Eltern Wolfgang und Gisela Raab mit Tochter Julia und Sohn Benedikt

Die Eltern Wolfgang und Gisela Raab mit Tochter Julia und Sohn Benedikt

Vom Bahnhof Ebensfeld ist es ein viertelstündiger Spaziergang über die Himmelreichstraße bis zum Gelände der Baugesellschaft RAAB. Kein Auto weit und breit, nur die eigenen Schritte sind zu hören auf dem Weg zum Gewerbegebiet des 2.500-Seelen-Örtchens in Oberfranken. Ein freundliches “Grüß Gott” hier, ein Nicken dort, auch Fremde werden gegrüßt. Mit jedem Schritt wird die Stille spürbarer. Wie ruhig ein Ort sein kann, an dem schon immer Neues ausprobiert wurde und wo die Familie Raab immer schon der Zeit voraus war. 

In der Ideenwerkstatt, dem modernen Bau auf dem Firmengelände, nehmen sich gleich vier zugewandte Menschen Zeit für das Gespräch – die Viererkette, wie Junior Benedikt Raab es ausdrückt. Als da sind sein Vater Wolfgang, seine Mutter Gisela und seine Schwester Julia. Auf dem Fußballplatz ist die Viererkette erfolgreich, weil sie Defensive, Stabilität und Flexibilität ausbalanciert. Räume kontrollieren, offensiv unterstützen und das Spiel gestalten – mit ähnlich verteilten Rollen ist die Raab’sche Viererkette unterwegs und sorgt in vierter beziehungsweise fünfter Generation dafür, dass die Baugesellschaft zukunftsfit bleibt.

Was auch angepackt wird: Es ist immer eine Pionierleistung

  • In der Ideenwerkstatt werden nachhaltige Baustoffe getestet, die bisher auf dem Markt noch wenig verwendet werden, wie etwa Käferholzsteine.

    In der Ideenwerkstatt werden nachhaltige Baustoffe getestet, die bisher auf dem Markt noch wenig verwendet werden, wie etwa Käferholzsteine.

  • Ein Mitarbeiter planiert eine Straße.

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzen die hohe Eigenverantwortung.

Dabei ist es den Eltern bereits gelungen, die Firma mit 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die Champions League der Baubranche zu katapultieren – davon zeugen die zahlreichen Ehrungen, die kaum alle aufzuzählen sind: Gisela Raab ist Trägerin der Bayerischen Verfassungsmedaille, Wolfgang Schubert-Raab ist mit der Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft ausgezeichnet worden, der Betrieb erhielt den Deutschen Baupreis im Jahr 2022. Ein Vorzeigeunternehmen, das als eines der ersten ökologisch baute – und es ausgehalten hat, dafür mit Häme und Spott bedacht worden zu sein. 

Mit über 125 Jahren Erfahrung verbinden wir umfangreiches Know-how mit hoher Qualität und setzen auf moderne Technologien. Umweltfreundliche Lösungen sehen wir weiterhin als wichtige Geschäftsfelder der Zukunft.

Neuland zu betreten, liegt in der Familien-DNA: Früh hat Gisela Raab auf die intrinsische Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesetzt und ihnen Mitspracherechte eingeräumt. Anders wäre das Thema Vereinbarkeit von Unternehmen und Familie nicht zu stemmen gewesen. Es war ein Novum damals im Jahr 1999 – nicht nur in Bayern, in ganz Deutschland –, dass ein Betrieb eine mehrtägige Zukunftskonferenz organisierte. Um das Thema “Schneller Wandel in großen Gruppen” ging es damals, 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelten starke Visionen für die Zukunft des Betriebs. Mit dem Ergebnis, dass damals das Betriebsergebnis deutlich verbessert und Stellenabbau vermieden werden konnte – entgegen dem deutschlandweiten Trend. In fünf Jahren wird die nächste Zukunftskonferenz stattfinden. 

Während den Beschreibungen der Kinder zufolge Vater Wolfgang der ruhende Pol ist, der Zahlenmensch, der mit Geduld und Durchhaltevermögen die Geschicke der Baugesellschaft leitet, ist Mutter Gisela das Powerhaus. Sie sei seit jeher ein Energiebündel gewesen, der unruhige Geist, der Neues ausprobieren will und ganz besonders zur Höchstform aufläuft, wenn andere sagen, etwas funktioniere nicht. Auf dem Bauhof ihres Vaters aufgewachsen, stand für sie früh fest, dass sie die Familientradition fortsetzen will. Die Bauingenieurin, die auch als Baubiologin ausgebildet wurde, wusste auch sofort, was sie anders machen wollte als der Firmenpatriarch: die Verantwortung auf mehrere Schultern legen. So hatte sie mehr Zeit für das, was ihr am Herzen liegt: ökologische Baustoffe und der Bau von Wohnungen, die den Bedürfnissen und Wünschen von Menschen genügen, die vielleicht aufgrund einer Behinderung viel Platz brauchen, für soziokulturelle Wohnformen mit Gemeinschaftsräumen und generationenübergreifenden Raumkonzepten.

Soziales und ökologisches Bauen: kein Zuschussgeschäft

Ein Maurer setzt eine Wand.

Die RAAB Baugesellschaft bildet Maurerinnen und Maurer, Betonbauerinnen und Betonbauer sowie und Fachkräfte im Straßen- und Tiefbau aus.

Familie Raab tritt den Beweis an, dass ökologisches und soziales Bauen sich auch ökonomisch lohnt. Projekte wie “Klein Wohnen@Land” mit Tiny Houses zeigen die Bandbreite. Neben dem Baugeschäft ist Familie Raab längst auch in der Immobilienentwicklung tätig. Auf diesem Feld bringt sich Tochter Julia ein. Ihr ist es gelungen, die Eltern zu überraschen, als sie sich entschloss, ebenfalls in der Firma Verantwortung zu übernehmen. Nach dem Abitur hat sie Fremdsprachen gelernt, hat sich in anderen Branchen ausprobiert, um sich schließlich dann doch für ein Architekturstudium zu entscheiden. Als Architektin kann sie ihr Faible für Formen, Farben und Gestaltung, ihre Kreativität ausleben. 

Auch ihr Bruder Benedikt hat einen eigenen Kompetenzbereich: Beton und Geothermie. Der staatlich geprüfte Bautechniker mit Zusatzqualifikation im Tiefbau ist bereits in die Geschäftsführung eingestiegen. Er verantwortet die Geschäftsbereiche Hochbau, Tief- und Straßenbau, Ingenieurbau, das Fuhrparkmanagement sowie das zukunftsorientierte Feld Erdwärme und Geothermiebohrungen. Er engagiert sich zudem im Vorstand der Bauinnung Lichtenfels.

15 Azubis und ein Versprechen

Azubis der unterschiedlichen Gewerke gehen den Bauplan durch.

Azubis der unterschiedlichen Gewerke gehen den Bauplan durch.

Die Firma bildet derzeit 15 Azubis aus – auch aus Marokko und dem Kosovo. Teilweise entstand der Kontakt durch ehemalige Azubis, die für ihre Landsleute die Hand ins Feuer legen. Familie Raab hat kleine Appartements für die ausländischen Kräfte über der Ideenwerkstatt eingerichtet und die Flüge bezahlt, unterstützt den angehenden Fachkräftenachwuchs auch beim Deutschlernen und im Behördendschungel. Um motivierten Nachwuchs zu gewinnen (und zu halten), wird alles gegeben: Der Ausbildungsleiter geht in Schulen und ist auf Messen präsent. Julia und Benedikt betreuen selbst die Social-Media-Kanäle, lassen dabei aber den jungen Leuten freie Hand. “Wir geben nichts vor, jeder darf das sagen, was ihm oder ihr in den Sinn kommt”, erklärt Julia. Coole Auftritte, Drohnenbilder von den Baustellen – sie wissen, wie sich moderne Arbeitgeber authentisch im Netz präsentieren. Ausgebildet werden Maurerinnen und Maurer, Betonbauerinnen und Betonbauer sowie Fachkräfte im Straßen- und Tiefbau. “Momentan ist die Ausbildung im Tiefbau sehr begehrt”, verrät Julia. “Aber das ändert sich immer mal wieder”, ergänzt Benedikt. 

Jeder Mensch hat eine besondere Fähigkeit. Wir geben unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Freiraum, sich zu entfalten und ihre Talente einzubringen. Wir aktivieren die Selbstverantwortung: Wer arbeitet, macht das am liebsten mit dem größtmöglichen Spielraum.

Nachwuchssorgen haben sie nicht, wenngleich die Betreuung aufwendig ist. “Es sind eben junge Menschen, die noch in der Entwicklung sind, das darf man nicht vergessen”, sagt Wolfgang Schubert-Raab. “Wir fangen viel auf, suchen oft den Kontakt zu den Eltern, um gemeinsam zu unterstützen.” Schon die jüngsten Angestellten kommen in den Genuss eines Coachings, um ihre Talente entfalten zu können. Gisela hat dazu eine klare Überzeugung: “Jeder Mensch hat Mozart-Fähigkeiten, man muss sie nur identifizieren können.”

Gemeinsam in die Zukunft

Die Viererkette ist noch notwendig, da sind sich alle einig. “Wir leben in Zeiten, in denen sich im Affenzahn so viel tut: KI, Digitalisierung, die Veränderung der Gesellschaft – da möchten wir unseren Kindern zur Seite stehen”, sagt Gisela. Darüber freuen sich die Geschwister: “Wir sind als Viererkette unheimlich stark, und meiner Schwester und mir ist sehr bewusst, dass wir das jetzt ausnutzen müssen, um zukunftsfit zu bleiben.” Das sehen auch die Eltern so, wenngleich sie die Chance wittern, nach und nach Verantwortung abgeben zu können. Sie freuen sich auf ausgedehntere Urlaube als früher, peilen an, immer längere Zeiträume weg sein zu können. Denn sie wissen ihr Lebenswerk in besten Händen.

Jahrbuch 2026

Diese Handwerk-Story wurde zuerst im ZDH-Jahrbuch 2026 veröffentlicht. Das Jahrbuch steht unter dem Motto "Zukunft im Handwerk. Trends im Blick. Mit Können gestalten." Dieses Jahrbuch lädt dazu ein, nach vorn zu schauen und zugleich anschaulich und beispielhaft zu erleben, wie Zukunft im Handwerk bereits heute entsteht.

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