Zentralverband des
Deutschen Handwerks
24.02.2026

EU-Mercosur-Abkommen: Geringere Kosten, erhöhte Stabilität

Das Freihandelsabkommen schafft Chancen für Exporte, birgt aber Risiken für die Landwirtschaft.
Gruppe von Fahnen, die im Wind wehen: Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Mercosur-Konvention

Unterzeichnet ist es – doch noch nicht in Kraft: Das Mercosur-Abkommen sorgt erneut für hitzige Debatten. Am 9. Januar 2026 stimmten die Vertreter der 27 EU-Staaten mit der erforderlichen Mehrheit endlich für das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Die feierliche Unterzeichnung fand am 17. Januar in Asunción (Paraguay) statt. Mehr als 25 Jahre nach Aufnahme der Verhandlungen ebnet die geplante Freihandelszone nun den Weg für einen strategischen Handelsausbau zwischen der EU und den Mercosur-Staaten – ein historischer Meilenstein, der mit Chancen, aber auch mit Risiken verbunden ist. 

Mercosur will 92 Prozent aller Importzölle schrittweise abschaffen. Davon profitieren in Südamerika vor allem Agrarerzeuger und Rohstoffkonzerne. Für die europäischen Verbraucher bedeutet dies niedrigere Preise und mehr Auswahl, für europäische Unternehmen aber auch mehr Konkurrenz. Neben den Zollerleichterungen werden künftig auch Produktstandards und geschützte Herkunftsbezeichnungen wie Nürnberger Rostbratwürstchen oder Dresdner Christstollen im Mercosur-Raum anerkannt – auch das gehört zu dem Abkommen.

Stark gefährdet hingegen sieht sich die europäische Landwirtschaft: EU-Landwirte fürchten Billigimporte von Rindfleisch, Geflügel, Zucker und Ethanol aus den vier Mercosur-Staaten, die niedrigere Standards in Tierwohl, Umwelt und Pestiziden haben – trotz Schutzklauseln und EU-Entwaldungsverordnung.

Chance für Stärkung der deutschen Wirtschaft

Ob die Landwirte die Stärkung der deutschen Wirtschaft ausbaden müssen, lässt sich nach Ansicht des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht eindeutig sagen. Unbestritten sei jedoch: Das Mercosur-Abkommen nutzt der deutschen Wirtschaft spürbar. Einerseits verbessern sich die Rahmenbedingungen für Exporte vor allem in der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Chemie- und Pharmaindustrie, so dass deutsche Firmen größere Marktanteile in den Mercosur-Staaten erobern können und andererseits sinken die Kosten für Vorprodukte und stärken so langfristig die Wettbewerbsfähigkeit. Zudem gleicht der Deal zumindest teilweise Einbußen durch die US-Zollpolitik von Präsident Trump aus.

Vor- und Nachteile von Mercosur im Überblick

Vorteile

  • Zollabbau für 91 Prozent der EU-Exporte spart 4 Mrd. Euro jährlich
  • Günstigere Rohstoffe (Seltene Erden) und Diversifizierung von Lieferketten
  • Stärkung der deutschen Wirtschaft durch besseren Marktzugang

Nachteile

  • Billige Agrarimporte (Rindfleisch, Zucker) erhöhen Druck auf EU-Bauern
  • Niedrige Standards (Umwelt, Tierwohl) in Mercosur-Ländern
  • Geringer BIP-Effekt in der EU (+ 0,05 bis 0,1 Prozent bis 2040)

Handwerksfreundliche Perspektive

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) lobt das Abkommen als echte Chance für Handwerksbetriebe. Zollfreie Importe von hochwertigen Vorprodukten wie Tropenholz, Leder, Maschinen und Stahl mindern die Kosten, stärken die Wettbewerbskraft kleiner und mittlerer Unternehmen und sorgen für diversifizierte, resiliente Lieferwege – gerade in einer Welt voller geopolitischer Unsicherheiten.

EU-Parlament stimmt für Überprüfung durch EuGH

Bisher hat das Mercosur-Abkommen jedoch noch keine Rechtssicherheit. Das Europäische Parlament hat am 21. Januar mit knapper Mehrheit beschlossen, das Abkommen vom Europäischen Gerichtshof prüfen zu lassen. Der EuGH soll klären, ob der Vertrag mit EU-Recht vereinbar ist – eine Prüfung, die bis zu zwei Jahre dauern kann und die Ratifizierung verzögert. Die EU-Kommission will jedoch trotz der Blockade des EU-Parlaments und noch vor der Prüfung durch den EuGH das Mercosur-Abkommen vorläufig anwenden.

Quellen: www.zdfheute.de, Pressemitteilung vom 24. Januar 2023;
                  www.gtai.de, Pressemitteilung vom 9. Januar 2026;
                  www.zdh.de, Pressemeldungen vom 15. und 22. Januar 2026; 
                  www.forum-verlag.com, Pressemitteilung vom 22. Januar 2026;
                  www.bpb.de, Pressemitteilung vom 1. August 2025

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