Reformdiskurs braucht Respekt statt Abwehrreflexe
Foto: ZDH/Henning Schacht
Die Lage vieler Betriebe und Unternehmen in Deutschland ist sehr ernst. Viele Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz und sorgen sich um ihre wirtschaftliche Zukunft. Tag für Tag geraten Betriebe unter Druck, Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel und ganze Wertschöpfungsketten geraten ins Wanken.
Gerade in einer solchen Situation sollte unser gesellschaftlicher und politischer Diskurs von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung geprägt sein. Jede gesellschaftliche Gruppe erwartet zu Recht Anerkennung für ihre Leistung und ihre Perspektive. Wer dies für sich einfordert, muss es auch anderen entgegenbringen.
Als Präsident des Handwerks vertrete ich nicht nur Unternehmerinnen und Betriebsinhaber, sondern auch 5,6 Millionen Beschäftigte im Handwerk. Wer jetzt notwendige Veränderungs- und Reformvorschläge pauschal als Angriff auf Arbeitnehmererrungenschaften und den Sozialstaat diskreditiert und brandmarkt und sich in klassenkämpferischen Abwehrreflexen verliert, hilft weder den Betrieben noch den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Denn wenn weitere tausende Arbeitsplätze verloren gehen, dann verlieren wir nicht nur wirtschaftliche Substanz, sondern auch soziale Sicherheit, Mitbestimmung und Arbeitnehmerrechte. Der wirksamste Schutz von Arbeitnehmerrechten ist die Sicherung von Arbeitsplätzen und von Betrieben.
Deshalb können wir nur gemeinsam Lösungen finden, um Beschäftigung zu sichern, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Zukunft zu ermöglichen. Was wir jetzt brauchen, ist die Bereitschaft zum konstruktiven Dialog, zur gemeinsamen Verantwortung und zur Offenheit gegenüber Veränderungen, nicht das reflexhafte Zurückweisen jeder Reformidee und eine grundsätzliche Verweigerungshaltung gegenüber notwendigem Wandel.