Ausbildungsprüfungen im Handwerk

Die handwerkliche Ausbildung schließt mit einer Gesellenprüfung ab, in der die berufliche Handlungsfähigkeit der Lehrlinge und damit der Erfolg der Ausbildung durch eine unabhängige Prüfungskommission festgestellt wird. Die Gesellenprüfungen werden von den Handwerkskammern oder von beauftragten Innungen durchgeführt. Im Jahr 2010 wurden über 149.500 Gesellenprüfungen im Handwerk abgelegt.

Prüfungsausschuss

In der Prüfungskommission sind mindestens drei Personen, je eine Vertreterin oder ein Vertreter der Arbeitgeber-, der Arbeitnehmer- und der Berufsschulseite, tätig. Sie bewerten die Prüfungsleistungen gemeinsam.

Prüfungsinhalte und -anforderungen

Die Prüfungen erfolgen in unterschiedlichen Bereichen und werden in der Regel sowohl schriftlich (z. B. mit Fachaufgaben) als auch praktisch (z. B. mit Arbeitsaufgaben, durch Anfertigung eines Prüfungsstücks) durchgeführt. Oftmals wird ergänzend ein Prüfungsgespräch durchgeführt. Die Prüfungsanforderungen sind für jeden Beruf in der jeweiligen Ausbildungsordnung festgelegt:

Gesellenprüfungsordnung

Das Prüfungsverfahren ist in der Gesellenprüfungsordnung der Handwerkskammer geregelt. Dort finden sich z. B. Vorschriften über die Zusammensetzung des Prüfungsausschusses, das Zulassungsverfahren, die Durchführung der Prüfung, das Bewertungsverfahren und die Wiederholungsprüfung.

Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) hat eine Musterprüfungsordnung für die Durchführung von Gesellen- und Umschulungsprüfungen empfohlen:

Gesellenprüfungszeugnis

Sind die Prüfungsanforderungen erfüllt und ist die Prüfung bestanden, erhalten die Teilnehmer ein Prüfungszeugnis als formalen Nachweis ihrer Berufsqualifikation. Für das Zeugnis kann auch eine englische oder französische Übersetzung beantragt werden.

Externenprüfungen im Handwerk – Der Weg zu einer Gesellenprüfung mit Berufserfahrung

Was ist eine Externenprüfung?

Die Externenprüfung bietet erfahrenen Berufspraktikern die Chance, einen anerkannten Berufsabschluss zu erhalten, ohne vorab eine Ausbildung absolviert zu haben. Die Anforderungen in der Externenprüfung sind identisch mit denjenigen, die an Auszubildende gestellt werden (www.zdh.de/themen/bildung/ausbildung/pruefungen/ausbildungspruefungen-im-handwerk.html). Die Prüfungen haben theoretische und fachpraktische Anteile und werden in der Regel gemeinsam mit den Auszubildenden abgelegt.

Der Antrag auf Zulassung zur Prüfung

Personen, die die Externenprüfung ablegen wollen, müssen eine längere Berufstätigkeit in dem Beruf nachweisen, in dem sie die Prüfung ablegen möchten. Sie muss mindestens das Eineinhalbfache der regulären Ausbildungszeit betragen. Bei einem dreijährigen Ausbildungsberuf sind das 4,5 Jahre Berufstätigkeit. Dazu zählen auch Ausbildungszeiten in einem anderen einschlägigen Ausbildungsberuf ebenso wie Zeiten der Ausbildung oder Berufstätigkeit im Ausland. Wichtig ist, dass durch die Tätigkeiten die wesentlichen beruflichen Anforderungen aus der Ausbildungsordnung abgedeckt werden.

Wenn eine Person die Mindestzeit an beruflicher Tätigkeit nicht nachweisen kann, ist dennoch eine Prüfungszulassung möglich, wenn auf andere Weise dargelegt wird, dass die für einen Prüfungserfolg erforderliche berufliche Handlungsfähigkeit vorliegt. Die berufliche Handlungsfähigkeit kann beispielsweise durch Zertifikate von einer längeren und fundierten beruflichen Qualifizierungsmaßnahme belegt werden. Ob die Voraussetzungen für die Prüfungszulassung erfüllt werden, entscheidet die Kammer bzw. der Prüfungsausschuss jeweils einzelfallbezogen.

Die Vorbereitung auf die Externenprüfung

Wie für jede Prüfung ist eine gezielte Prüfungsvorbereitung die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss. Es ist möglich, sich selbständig auf die Prüfung vorzubereiten; sinnvoll ist es jedoch regionale Qualifizierungsangebote zu nutzen. Hierzu empfiehlt sich die Kontaktaufnahme zur regionalen Handwerkskakmer oder auch zur Arbeitsagentur.

Termine und Gebühren

In der Regel werden Prüfungen zwei Mal im Jahr angeboten, zumeist im Sommer bzw. im Winter. Die Prüfungen sind gebührenpflichtig.

Weiterführende Links: www.perspektive-berufsabschluss.de/de/501.php

Sonstige Prüfungen im Handwerk

Neben den Gesellenprüfungen werden im Handwerk auch

  • Abschlussprüfungen auf Grundlage des BBiG (in Berufen, die nicht auf Grundlage der HwO beruhen, aber dennoch im Handwerk ausgebildet werden),
  • Zwischenprüfungen (zur Ermittlung des Ausbildungsstandes während der Ausbildung,
  • Umschulungsprüfungen (für Umschüler) und
  • so genannte Externenprüfungen (für Menschen, die einen Berufsabschluss ohne vorhergehende Ausbildung erwerben wollen) durchgeführt.
    Weitere Informationen

Darüber hinaus werden auch für die berufliche Weiterbildung Fortbildungsprüfungen durchgeführt.

Insgesamt stellt das Handwerk eine umfangreiche Prüfungsinfrastruktur zur Verfügung, die einen hohen Personaleinsatz im organisatorischen und noch höheren persönlichen Einsatz der ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer im operativen Bereich erfordert.

Weitere Informationen:

  1. Allgemeine Informationen über das Prüfungsamt und spezielle Informationen für Prüfer und Prüferinnen:
    Prüferportal

  2. Rechtsgrundlagen zur Gesellenprüfung
     §§ 31 – 40 a HwO

Logo der Aktion Modernes Handwerk
Foto: AMH
Logo und Schriftzug des europäischen Dachverbands SMEunited. SMEunited repräsentiert die Fachverbände des Handwerks und KMU.
Foto: SMEunited