Kriterien guter betrieblicher Ausbildungsqualität aus Sicht des Handwerks

Kriterien guter betrieblicher Ausbildungsqualität aus Sicht des Handwerks

Qualität ist dem Handwerk nicht nur bei seinen Produkten und Dienstleistungen, sondern als beschäftigungsintensiver Wirtschaftsbereich insbesondere auch bei der Ausbildung seines Fachkräftenachwuchses wichtig.

Der nachfolgende Kriterienkatalog soll das Selbstverständnis des Handwerks von guter betrieblicher Ausbildungsqualität darstellen. Der Erfolg der dualen Ausbildung ist jedoch nicht isoliert aus der betrieblichen Perspektive zu betrachten, sondern wird wesentlich vom dualen Partner Berufsschule, von der überbetrieblichen Unterweisung, betrieblichen Faktoren, persönlichen Faktoren und nicht zuletzt durch das soziale Umfeld der Auszubildenden – insbesondere dem Elternhaus – sowie auch von handwerks- und bildungspolitischen Faktoren beeinflusst. Die bei der bildungspolitischen Diskussion hervorstechenden Themen vorzeitige Vertragslösungen, Vergütung und Image eines Ausbildungsberufes sollen jedoch bei der nachfolgenden Betrachtung ausgeklammert werden.

Ziel der Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz ist die Vermittlung einer umfassenden beruflichen Handlungsfähigkeit, d. h. die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. Grundlage hierfür sind die rechtlichen Voraussetzungen als Mindestqualitätsstandard (siehe unten). Darüber hinaus wird durch eine gute Ausbildungsqualität die Attraktivität einer handwerklichen Ausbildung erhöht und der Fachkräftenachwuchs gesichert.

Die Qualität des Ausbildungsergebnisses ist dabei nicht nur von der Inputqualität (z. B. Qualifikation des Ausbildungspersonals), sondern insbesondere von der Prozessqualität abhängig.

Um Ausbildungsbetrieben und den sie beratenden Strukturen einen Leitfaden für eine Optimierung der betrieblichen Ausbildungsqualität an die Hand zu geben, werden nachfolgend über die Mindeststandards hinausgehend Empfehlungen für eine qualitativ hochwertige betriebliche Ausbildung im Handwerk ausgeführt.

Mindestqualitätsstandards

Die folgenden Kernbegriffe stellen einen Mindestqualitätsstandard für die betriebliche Ausbildungsqualität dar, der verbindlich einzuhalten ist:

Rechtliche Voraussetzungen

  • Umsetzung des Ausbildungsvertrags und Beachtung gesetzlicher Vorschriften (u. a. Berufsbildungsgesetz, Jugendarbeitsschutzgesetz, Ausbildungsordnung).

Ergänzende Qualitätsstandards

Für eine qualitativ hochwertige Ausbildung sind aus Sicht des Handwerks folgende ergänzende Qualitätsstandards empfehlenswert:

Ausbildungs- und Führungskultur

  • Wertschätzende Kommunikation
  • Vermittlung von Wertschätzung
  • Verlässlichkeit der Vereinbarungen
  • Aufbau eines Vertrauensverhältnisses
  • Transparenz der gegenseitigen Erwartungen
  • Verständnis für die jeweiligen Belange
  • Anerkennung von Leistungen
  • Interkulturelle Kompetenz

 Kommunikation

  • regelmäßige Feedbackgespräche mit Auszubildenden
  • Aufzeigen von Perspektiven
  • Konfliktmanagement
  • Kommunikation mit und Führung von Auszubildenden als Führungsaufgabe im Betrieb richtig wahrnehmen
  • zielgruppengerechte Ansprache und Kommunikation

Ansprechpartner

  • Benennung fester Ansprechpartner im Betrieb
  • offizielle Übertragung von Ausbildungsaufgaben, -verantwortung  und  ‑res­sour­cen
  • pädagogische Schulungen von ausbildendem Personal

Lernprozessbegleitung

  • individuelle Betreuung und Förderung der Auszubildenden
  • Ausbildung verläuft plangemäß
  • Nutzung von Unterstützungsangeboten und Zusatzqualifikationen
  • handlungsorientierte Ausbildung (Fördern von frühzeitigem selbstständigem Arbeiten im Arbeits- und Geschäftsprozess)
  • intensive Zusammenarbeit der Lernorte
  • Kundennähe in der Ausbildung
  • Förderung der Eigenverantwortung der Auszubildenden