Zentralverband des
Deutschen Handwerks
07.01.2021

RCEP: Weltweit größtes Freihandelsabkommen unterzeichnet

Mitte November 2020 haben 15 Staaten aus dem Asien-Pazifik-Raum die "Regional Comprehensive Economic Partnership" (RCEP) geschlossen.
Containerschiff am Containerterminal

Mitte November 2020 haben 15 Staaten aus dem Asien-Pazifik-Raum die "Regional Comprehensive Economic Partnership" (RCEP) geschlossen. Dem neuen Freihandelsverbund gehören die 10 ASEAN-Staaten sowie fünf weitere Länder an: Australien, Brunei, Volksrepublik China, Indonesien, Japan, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Neuseeland, Philippinen, Singapur, Südkorea, Thailand, Vietnam.

Die 15 Staaten dieser Freihandelszone erbringen mit über 2 Milliarden Menschen fast ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung. Indien, das ursprünglich an den Verhandlungen beteiligt war, hatte 2019 beschlossen, der RCEP nicht beizutreten, weil es Nachteile für die heimische Wirtschaft durch preiswerte Industriegüter und Agrarprodukte, insbesondere aus China sowie Australien und Neuseeland, befürchtete.

Das Bruttoinlandsprodukt der Unterzeichnerstaaten beträgt knapp 28 Bill. USD und ist somit größer als das der NAFTA-Staaten USA, Mexiko und Kanada sowie der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. RCEP soll innerhalb von 20 Jahren bis zu 90 % der Einfuhrzölle zwischen seinen Mitgliedern beseitigen sowie gemeinsame Regeln für E-Commerce, Handel und geistiges Eigentum festlegen.

Da die tarifären und nichttarifären Barrieren zwischen den Partnern durch Handelsabkommen bereits zuvor weitgehend abgebaut waren und der durchschnittliche Zollsatz innerhalb des RCEP-Raums lediglich rd. 1,6 % beträgt, ist die Harmonisierung der Ursprungsregeln eine der wichtigsten Errungenschaften des Abkommens. Exporteure benötigen jetzt nur ein einziges Ursprungszeugnis, um mit allen anderen Mitgliedern Handel zu betrieben. Künftig dürfen bei der Berechnung der heimischen Wertschöpfung Vorleistungen aus allen 15 Mitgliedstaaten verwendet werden. Deshalb ist durch RCEP eine noch stärkere wirtschaftliche Verflechtung zwischen den Mitgliedsländern zu erwarten, insbesondere durch den Ausbau von Lieferketten.

Für Unternehmen aus den USA und Europa dürften sich die Wettbewerbsbedingungen hingegen erschweren. Firmen der RCEP-Staaten haben nun Vorteile in der Region, auf die europäische Exporteure weiter verzichten müssen. Allerdings werden ausländische Unternehmen, die in den 15 Staaten tätig sind, auch von stabileren Lieferketten und der erwarteten Harmonisierung von Standards in den RCEP-Mitgliedsländern profitieren. Dennoch wird Europa durch Handelsumlenkungseffekte insgesamt verlieren, wenn der Handel zwischen den asiatischen Ländern ansteigt und dadurch die Nachfrage nach Waren aus dem Westen sinkt.

China bietet die Vereinbarung die Chance, den wirtschaftlichen Einfluss in der Region weiter auszubauen. Als Hauptverlierer werden Indien und die USA gesehen, da beide nicht bei der Gestaltung der aktuellen sowie künftigen Handelsregeln mitwirken können. Die Architektur für die künftigen Handelsbeziehungen Asiens wird aktuell in erster Linie in Tokio, Canberra, Singapur und Hanoi ausgearbeitet.

Quellen: www.handelsblatt.com, Pressemitteilung vom 15. November 2020;
                 Märkte der Welt Nr. 46 vom 19. November 2020;
                 Nachrichten für Außenhandel Nr. 222 vom 16. November 2020;
                 Wirtschaftsdienst, Heft 12/2020

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