Anpacken und abheben: mit Drohnen hoch hinaus
Foto: ZEP Team GmbH
Der etwas andere Chef: Wie Eugen Penner, Zimmerermeister und Geschäftsführer des ZEP-Teams in Bielefeld, mit Drohnen und Teamgeist sein Handwerk neu definiert.
Drohnenpilot. Problemlöser. Content-Creator. Nervenbewahrer. Ideenverwirklicher. Teamchef. Altmodisch würde man Eugen Penner als Tausendsassa bezeichnen, heutzutage könnte er auch Chief Everything Officer sein. Der 42-jährige Zimmerermeister aus Bielefeld baute das ZEP-Team (ZEP steht für Zimmerei Eugen Penner) auf: einen Zimmerei- und Dachdeckerbetrieb, der fünfzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, darunter sechs Meister und 15 Auszubildende. Dabei hatte er eigentlich nicht vor, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Doch in seinen 13 Jahren als angestellter Zimmerer erlebte er nicht immer optimale Arbeitsbedingungen. Das reichte von unklaren Strukturen bis hin zu einem rauen Führungsstil. “Das kann ich besser”, dachte sich Eugen Penner.
Neue Nachrichten aus dem ZEP-Kosmos
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Die Vogelperspektive erleichtert dem Dachdeckerhandwerk die Planung
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Die KI-gestützte Vermessungstechnologie ersetzt allerdings weder den direkten Austausch noch Pläne auf Papier
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Wie gut er es kann, zeigt sein in anderen Handwerksbetrieben derzeit eher selten zu hörender Satz: “Bei uns herrscht kein Nachwuchsmangel.” Mädchen und Jungen nach der zehnten Klasse finden als Azubis bei ZEP ebenso den Weg auf die Dächer der Stadt wie junge Erwachsene, die ihr Studium abgebrochen haben. Bewerbungen von Frauen sind ausdrücklich erwünscht, Rollenstereotype kein Thema. Wer sich um eine Ausbildungsstelle bewirbt, findet unkompliziert auf der Firmenwebsite alle Informationen. Dort wie auch auf Instagram, Facebook, TikTok und YouTube wird aus dem ZEP-Kosmos berichtet: Gezeigt werden die Arbeit auf den Dächern und der Einsatz von Drohnen, aber auch die Azubi-Projekte, bei denen der Nachwuchs selbstverantwortlich und am Ende kontrolliert durch die Meister Herausforderungen bewältigt. Die Botschaft ist eindeutig: Nicht die oder der Einzelne, sondern das ZEP-Team ist der Star.
Die Postings vermitteln ein realistisches Bild des Alltags. Followerinnen und Follower kennen nicht nur die Katze Erika (benannt nach einer Säge) und den tierischen Blutdrucksenker Kater Mirka (getauft nach Schleifpapier), die sich auf dem Betriebsgelände an der Blomestraße superwohl fühlen. Die Community ahnt auch, dass es anstrengend sein kann, bei 30 Grad auf einem Dach zu stehen, dass es aber auch cool ist, souverän eine Drohne zu steuern. Dass es im Sommer um 5.45 Uhr losgeht und dass der Chef für Langschläferinnen und Langschläfer keine Gnade kennt. Wer zu spät kommt, zahlt fünf Euro und macht zehn Liegestütze. Und eine weitere für jede Minute Verspätung.
Wir erzählen auf den Kanälen in den sozialen Medien Geschichten: über unser Team, unsere Aufgaben und Produkte. Geschichten bleiben im Gedächtnis und schaffen eine emotionale Verbindung.
Eugen Penner setzt auf Authentizität und Persönlichkeit, zeigt die menschliche Seite seines Unternehmens, den Teamspirit. Zudem bietet er in seiner Kommunikation visuelle Qualität mit hochwertigen Bildern und Videos. Dass er schon früh das Potenzial von Drohnen erkannt hat, ist längst ein Asset geworden.
Drohnen erleichtern die Arbeit auf den Dächern
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Mit dem Joystick werden die Höhe und die Vorwärts-, Rückwärts- und Seitenbewegung gesteuert.
Foto: ZEP Team GmbH
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Wer eine Drohne in die Luft bringt, trägt eine Warnweste "Drohenpilot"
Foto: ZEP Team GmbH
Beeindruckende Luftaufnahmen von Projekten sind nicht nur hervorragendes Material für seine Kanäle, sie erleichtern die Arbeit und liefern wichtige Daten. Eugen Penner besitzt selbst den Drohnenführerschein und finanziert ihn auch seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. “Drohnen erleichtern uns die sichere Begutachtung. Das reduziert Unfallrisiken erheblich, besonders bei steilen, hohen oder beschädigten Dächern”, erläutert er. Hochauflösende Kameras und Wärmebildkameras erkennen undichte Stellen, Isolationsprobleme oder defekte Ziegel. Drohnen mit spezieller Software können automatisch Dachflächen vermessen. Das spart Zeit bei der Angebotserstellung und macht Kalkulationen präziser. Eugen Penner arbeitet mit dem Berliner Start-up Airteam zusammen, um bei der KI-gestützten Vermessungstechnologie stets auf dem neuesten Stand zu sein.
Das ZEP-Prinzip: nicht jammern, einfach machen.
Der 42-Jährige geht gern neue Wege, probiert Dinge aus. Etwa den Azubi-Tausch. Dabei gehen die Auszubildenden aus Bielefeld in befreundete Betriebe aus Mainz und Köln. Dafür kümmert sich das ZEP-Team um den Nachwuchs aus den beiden Rheinmetropolen. Nächstes Jahr ist Chef-Tausch und Eugen Penner weiß jetzt schon, dass es anstrengend wird. Aber er verlangt nichts von seinem Team, was er nicht selbst auch zu leisten bereit ist. "Klar, das verlangt mehr Organisation, aber es lohnt sich. Für die Azubis ist es gut, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Am Ende freut man sich vielleicht mehr über das, was man hat." Die Fass-Sauna auf dem Betriebsgelände etwa, den Physiotherapeuten, der freitags die belasteten Muskeln lockert, und die vielen gemeinsamen Aktionen des ZEP-Teams. Und einen Chef, der selbst gerne dazulernt, offen für neue Entwicklungen und ein Teamspieler ist.
Wie wir gute Leute finden? Das ist das Gesetz der Anziehung: Wenn ich vorlebe, dass ich etwas nach vorne bringen will, finde ich auch Leute, die etwas bewegen wollen.
Das Team um Eugen Penner leistet eine Extra-Anstrengung, um Auszubildende zu unterstützen, die es besonders schwer haben. Mancher unter den 15 Auszubildenden wird auch beim Erwachsenwerden begleitet. Der Chef weiß aus Erfahrung, dass man nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens steht. Er kam mit sechs Jahren aus Russland nach Deutschland, wurde ohne Deutschkenntnisse eingeschult und hatte entsprechend zu kämpfen. Am Ball bleiben, nicht jammern, einfach machen: Das ist seine Devise.
Die Parole “Durchhalten” gilt auch für die Betriebsausflüge des ZEP-Teams, für die der Chef sich gerne Kniffeliges und Herausforderndes ausdenkt. Im Oktober 2025 war das ein Fußmarsch von beachtlicher Länge: 32 Kilometer vom Hermannsdenkmal bei Detmold bis zur Burg Sparrenberg in Bielefeld. 35 von 50 Teammitgliedern waren beim achtstündigen Spaziergang dabei und hatten jede Menge Spaß.
Jahrbuch 2026
Diese Handwerk-Story wurde zuerst im ZDH-Jahrbuch 2026 veröffentlicht. Das Jahrbuch steht unter dem Motto "Zukunft im Handwerk. Trends im Blick. Mit Können gestalten." Dieses Jahrbuch lädt dazu ein, nach vorn zu schauen und zugleich anschaulich und beispielhaft zu erleben, wie Zukunft im Handwerk bereits heute entsteht.