Zentralverband des
Deutschen Handwerks
21.03.2021

Deutsche Unternehmen erwarten stagnierende Exporte

Deutsche Exporte nach Großbritannien sanken 2020 um 15 %. Fast 60 % der deutschen Firmen erwarten eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäftsbeziehungen.
LKW-Stau

In der Umfrage „Going International 2021“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) haben deutsche Unternehmen das bisher negativste Urteil über ihre Geschäftsbeziehungen in das Vereinigte Königreich gefällt. Auf dieser Grundlage erwartet der DIHK für 2021 stagnierende Exporte auf die britische Insel. Laut der Umfrage bewerten drei von fünf Unternehmen ihre Geschäfte mit Großbritannien als schlecht, nur 10 % gaben eine positive Einschätzung. Die Umfrage wurde im Februar 2021 mit Unterstützung der 79 Industrie- und Handelskammern erstellt und basiert auf Antworten von rund 1.200 mit Großbritannien geschäftlich in Verbindung stehenden Unternehmen.

Die deutschen Ausfuhren auf die britische Insel sind 2020 um 15 % gesunken. Damit dürfte das Vereinigte Königreich (VK) in der Rangliste der deutschen Ausfuhren in diesem Jahr auf Platz 6 abrutschen, nachdem es seit dem Referendum nach 2016 bereits von Rang drei auf Rang fünf zurückgefallen war. 57 % der deutschen Firmen sehen für die kommenden zwölf Monate eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäftsbeziehungen zu Großbritannien, nur 7 % erwarten eine Verbesserung. Jedes sechste Unternehmen plant eine Verlagerung seines Engagements von Großbritannien auf andere Märkte oder hat dies bereits getan. Wie schon im Vorjahr bewerten die Unternehmen die Zollbürokratie als größtes Geschäftsrisiko (75 %). Die notwendigen Zollanmeldungen sind oft zeitaufwändig und mit zusätzlichen Kosten verbunden. Über die Hälfte der Umfrageteilnehmer klagt außerdem über aktuelle Probleme in der Logistik: So gibt es etwa Ärger mit der britischen Zoll-Software und Überlastungen bei britischen Zöllnern und Zolldienstleistern wegen der umfangreichen Dokumentationspflichten.

Ähnliche Ergebnisse zeigte die Umfrage zum „German-British Business Outlook 2021“ bereits im Oktober 2020 – wenige Wochen vor dem Beschluss des Handels- und Kooperationsabkommens sowie dem finalen Austritt Großbritanniens aus der EU. Gemeinsam mit der British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) wurden 66 deutsche und britische Unternehmen mit Geschäftsbezug zu Deutschland und Großbritannien zu ihren Erwartungen in Zeiten von Brexit und Covid-19 befragt. Bei mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen (54 %) sanken die Umsatzerlöse 2020,     31 % erwarten auch künftig starke Rückgänge. Gefragt nach den Plänen zur Verlagerung ihres Unternehmens in die EU, steht Deutschland mit 14 % an erster Stelle, 17 % wollen in andere EU-Länder ausweichen. Mögliche neue Partnerschaften von Unternehmen jenseits und diesseits des Ärmelkanals auf Drittmärkten sahen lediglich 5 % der Umfrageteilnehmer als eine sichere oder sehr wahrscheinliche Post-Brexit-Option. Noch skeptischer ist die Einstellung gegenüber Überlegungen, an einem neuen US-amerikanischen Handelsabkommen zu partizipieren. Stattdessen wird mit zusätzlichen administrativen Belastungen gerechnet, beispielsweise im Bereich Datenschutz.

Quellen: German-British Business Outlook 2021;
                Nachrichten für Außenhandel Nr. 27 vom 10. Februar 2021

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