02.07.2020

Kolping und Handwerk dringen auf ausreichende Förderung ausbildungsbegleitender Einrichtungen

Foto: AdobeStock/auremar

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt war das zentrale Thema der diesjährigen Sitzung des Arbeitskreises „Kolping und Handwerk“, die erstmals in Form einer Videokonferenz stattfand.

„Trotz der schwierigen Situation, in der sich viele Betriebe wegen der Corona-Pandemie befinden, müssen wir gemeinsam alles dafür tun, damit junge Menschen eine Chance auf eine berufliche Qualifizierung und damit eine tragfähige Lebensperspektive erhalten“, betonten Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), und Ulrich Vollmer, Bundessekretär des Kolpingwerkes Deutschland. Als einen ersten Schritt begrüßten sie die mit dem jüngsten Konjunkturpaket der Bundesregierung vorgesehene finanzielle Unterstützung für besonders von der Corona-Pandemie betroffene Unternehmen, die trotz der Corona-Krise ihr Ausbildungsplatzangebot in diesem Jahr aufrechterhalten oder erhöhen.

Die Hilfen müssten allerdings so nachgeschärft werden, dass auch wichtige Infrastrukturen wie Einrichtungen des sozialpädagogisch begleiteten Jugendwohnens, berufliche Bildungseinrichtungen und die handwerklichen Bildungsstätten eine ausreichende Förderung in dieser wirtschaftlich schwierigen Lage bekämen. Förderlücken bestehen nach wie vor für Jugendwohnheime mit Blockschulunterricht, die weiterhin in ihrer Existenz bedroht sind. Es besteht die Gefahr, dass diese Einrichtungen im nächsten Ausbildungsjahr für die Auszubildenden ihre Türen nicht mehr öffnen können. Eine noch engere Kooperation zwischen diesen Einrichtungen sei zudem sinnvoll. So können z.B. die Einrichtungen des Jugendwohnens zur zeitweisen Unterbringung während der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung genutzt werden.

Mehr staatliche Hilfe bräuchten außerdem die Jugendlichen mit speziellem Unterstützungsbedarf. Dabei muss vor allem auch die digitale Teilhabe sichergestellt werden. Sowohl die Lehrkräfte in den Bildungsstätten als auch die Auszubildenden benötigten mehr Weiterqualifizierung, um die Möglichkeiten der Digitalisierung für den Unterricht besser nutzen zu können.

Speziell Einrichtungen der Jugendberufshilfe – vor allem aber finanziell benachteiligten jungen Menschen – fehlt bislang eine ausreichende technische Infrastruktur, da sie beispielsweise nicht beim DigitalPakt Schule berücksichtigt sind. Hier reichen Pauschalbeträge wie die 150 Euro für eine digitale Ausstattung von Jugendlichen oftmals nicht aus.

Beim virtuellen Treffen wurde eine vertiefte Beratung der strukturellen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die sozialen Sicherungssysteme und auf die Entwicklungsperspektiven der ländlichen Räume vereinbart. Auch die gesellschaftspolitischen Auswirkungen auf lokales Wirtschaften, die Digitalisierung in der Bildung, verändertes Konsumverhalten und Nachhaltigkeit werden in dem gemeinsamen Arbeitskreis weiterhin beleuchtet.