Fachkräftesicherung

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Im Handwerk fehlen Fachkräfte inzwischen in einem Umfang, der das Wachstum erheblich bremst. Teils müssen Betriebe Aufträge ablehnen, weil sie nicht genügend Personal haben. An allen Enden fehlen Auszubildende, Gesellen und Meister. 150.000 unbesetzte Stellen im Handwerk waren Ende 2017 in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit ausgewiesen. Doch viele Betriebe melden ihre offenen Stellen nicht mehr, sodass inzwischen von einem deutlich höheren Bedarf, von etwa 250.000 Personen ausgegangen werden muss. Bereits etwa die Hälfte der Betriebe beklagt Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Betroffen sind nahezu alle Gewerke und Regionen in Deutschland. Gewerkeübergreifend berichten Betriebsinhaber im Handwerk, dass es immer aufwendiger und schwieriger wird, Personal zu finden. Das führt zu einer Situation, die niemandem gefällt: Kunden müssen sich auf immer längere Wartezeiten einstellen. Betriebe arbeiten an ihren Kapazitätsgrenzen, kommen terminlich schwer hinterher und müssen immer öfter auch Aufträge absagen.

Auch die Nachwuchsgewinnung ist eine große Herausforderung für die Betriebe. Obwohl die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge im Handwerk seit einigen Jahren steigt, bleiben jährlich rund 15.000 bis 20.000 der Lehrstellen im Handwerk unbesetzt. Der jahrlange Werbefeldzug von Politik und OECD für Abitur und Studium hat dazu beigetragen, dass sich immer mehr junge Menschen für die akademische Ausbildung entschieden haben, inzwischen fast 60 Prozent der Schulabgänger eines Jahrgangs. Vor zehn Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt. Zusätzlich erschwert wird die Nachwuchsgewinnung dadurch, dass wegen der demografischen Entwicklung die Zahl der Schulabgänger sinkt. Im Jahr 2016 waren es rund 120.000 weniger als noch 2006.

Zentrale Forderungen des Handwerks

  • Berufliche Ausbildung braucht wieder mehr gesellschaftliche Anerkennung und die berufliche Tätigkeit als qualifizierte Fachkraft mehr Wertschätzung.

  • Die Attraktivität des dualen Ausbildungssystems muss nachhaltig gestärkt werden. Der vom Handwerk geforderte Berufsbildungspakt hat zwar Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden, muss nun aber auch mit Leben gefüllt werden. Dazu gehört eine Finanzierung der beruflichen Bildung auf Augenhöhe mit der akademischen Bildung: Es gilt, die über 600 Berufsbildungszentren des Handwerks auf den neuesten Ausstattungsstand zu bringen und die Fortbildung zum Meister kostenlos anzubieten, ein Studium ist es in der Regel auch.

  • Das Handwerk muss wieder in das Blickfeld der Jugendlichen rücken. Über 130 Ausbildungsberufe bieten hervorragende und vielfältige Karriere- und Berufschancen. Um die verschiedenen Karrierewege jungen Menschen bekannt zu machen und nahe zu bringen, muss die ganzheitliche Berufsberatung intensiviert werden, auch und gerade an Gymnasien.

  • Jungen Menschen muss vor Augen geführt werden, dass es ein Trugschluss ist zu glauben, im Handwerk ließe sich nichts verdienen. Die Einkommen von Handwerksmeistern liegen im Verlauf eines Berufslebens gleichauf mit denen von Bachelor-Absolventen. Es ist zudem weniger wahrscheinlich, mit einem Meister in der Tasche arbeitslos zu werden, als mit einem akademischen Abschluss.


Mehr Wertschätzung für berufliche Ausbildung und berufliche Tätigkeiten wie für diejenigen, die ausbilden, mehr Förderung beruflicher Bildung, mehr Jugendliche, die eine Ausbildung machen, mehr Frauen, mehr Langzeitarbeitslose, Flüchtlingsintegration und Zuwanderung: All das sind notwendige Bausteine, um Fachkräfte für die Zukunft zu sichern und damit unsere Wirtschaft langfristig weiter erfolgreich auf Kurs zu halten. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über bildungspolitische, arbeitsmarktpolitische und sozialpolitische Maßnahmen zur Fachkräftesicherung.

Initiativen zur Fachkräftesicherung

Bildungspolitische Initiativen zur Fachkräftesicherung

Um den künftigen Fachkräftebedarf zu sichern, verfolgt das Handwerk eine bildungspolitische Strategie, die allen Interessierten eine Ausbildung und darauf aufbauende Fortbildungen ermöglicht.
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Arbeitsmarktpolitische Initiativen zur Fachkräftesicherung

Der durch die Digitalisierung der Arbeitswelt stark beschleunigte Strukturwandel macht es mehr denn je erforderlich, die Qualifikationen der Beschäftigten ständig auf dem neuesten Stand zu halten.
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Sozialpolitische Initiativen zur Fachkräftesicherung

Der ZDH fordert, die Anreize für eine Frühverrentung abzubauen, und setzt sich für attraktivere Bedingungen für eine längere Lebensarbeitszeit ein.
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Weitere Projekte

Menschen ohne Berufsabschluss als Fachkräfte gewinnen: Projekt ValiKom

ValiKom möchte Menschen mit mehrjähriger Berufserfahrung, aber nur geringer formaler Bildungserfahrung die Sichtbarmachung ihrer Kompetenz jenseits eines Prüfungsverfahrens ermöglichen.
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