ZDH-Kurzbericht Konjunktur 4. Quartal 2025
Zum Herunterladen
Handwerk stellt sich auf Konjunkturbelebung ein
- Im Vergleich zum Jahresende 2024 verbesserte sich im 4. Quartal 2025 vor allem die Auftragslage am Bau spürbar. Zugleich stabilisierte sich die Nachfrage der Industrie nach handwerklichen Vorleistungsgütern. Der private Konsum wuchs deutlich.
- Im Vorjahresvergleich bewerten die Handwerksbetriebe ihre aktuelle Geschäftslage deutlich besser: 8 Prozentpunkte mehr melden gute Geschäfte (43 Prozent), 1 Prozentpunkt weniger schlechte (18 Prozent). Zusätzlich verbessern sich auch die Geschäftserwartungen spürbar: Inzwischen wieder 17 Prozent der Betriebe erwarten bessere Geschäfte in den nächsten Monaten (plus 11 Prozentpunkte), nur noch 25 Prozent schlechtere (minus 4 Prozentpunkte). Der Geschäftsklimaindex, der Lage und Erwartungen der Betriebe bündelt, steigt um 13 Zähler auf 107 Punkte – der höchste Wert in einem 4. Quartal seit 2019.
- Die bessere Stimmung wird von allen Gewerbegruppen mit Ausnahme der Lebensmittelhandwerke geteilt. Insbesondere die Bauhauptgewerke, die Ausbauhandwerke und die Kfz-Gewerke sind deutlich zufriedener mit der geschäftlichen Situation.
- Die Umsätze der Handwerksbetriebe entwickeln sich trotz der besseren Geschäftslage wie vor einem Jahr rückläufig. Der Umsatzindikator verbessert sich nur minimal um 1 Zähler auf minus 10 Punkte. Einen spürbaren Anstieg verzeichnen vor allem die Umsatzindikatoren für die Bauhaupt- (plus 5 Zähler auf minus 14 Punkte) und die Gesundheitshandwerke (plus 7 Zähler auf minus 6 Punkte). In den Lebensmittelgewerken bricht der Umsatzindikator hingegen regelrecht ein und sinkt um 15 Zähler auf nur noch 2 Punkte.
- Deutlich abgeschwächt hat sich zum Jahresende 2025 der Rückgang der Auftragsbestände im Handwerk. Lag der Auftragsbestandsindikator im 4. Quartal 2024 noch bei schwachen minus 25 Punkten, erholt er sich nun auf minus 15 Punkte. Dabei verbesserte sich die Bewertung der Auftragslage in der Mehrzahl der Gewerbegruppen. Vor allem in den Bauhaupt- (Auftragsbestandsindikator: plus 25 Zähler auf minus 18 Punkte) und den Ausbaugewerken (plus 21 Zähler auf minus 16 Punkte) fiel die Erholung deutlich aus.
- Die Kapazitätsauslastung nahm hingegen noch einmal leicht um 2 Prozentpunkt auf 75 Prozent ab. Die durchschnittliche Auftragsreichweite sinkt im Gesamthandwerk nur noch leicht um 0,1 auf 8,5 Wochen. In den Bauhauptgewerken erholen sich die Auftragsvorläufe im Vorjahresvergleich bereits deutlich um 1 Woche auf 12,5 Wochen.
- Die Beschäftigungsentwicklung war im 4. Quartal 2025 wie am Jahresende 2024 negativ. Der Beschäftigungsindikator für das Gesamthandwerk lag bei minus 6 Punkten (IV/2024:
minus 7 Punkte). Beschäftigungsrückgänge gab es vor allem in den Bauhaupt- und den Handwerken für den gewerblichen Bedarf. Lediglich für die Kfz-Handwerke zeigte der Beschäftigungsindikator eine stabile Beschäftigung an. Die Investitionstätigkeit erholt sich, bleibt aber weiterhin gedämpft. Lediglich 20 Prozent der Betriebe erhöhten ihre Investitionen, während 28 Prozent diese reduzierten. Insbesondere die Bauhaupt-, die Lebensmittel- und die Handwerke für den gewerblichen Bedarf verzeichneten erneut einen starken Rückgang der Investitionen. Insgesamt erholte sich der Investitionsindikator aber spürbar um 7 Zähler auf minus 8 Punkte. Bevor die Konjunktur im Handwerk sich nicht nachhaltig auf einem höheren Niveau stabilisiert hat, wird die Zurückhaltung der Betriebe bei den Investitionen anhalten.
Ausblick 2026: 2026 sollte die deutlich expansivere Finanzpolitik das Konjunkturbild positiv beeinflussen und die sich abzeichnende Konjunkturerholung im Handwerk unterstützen. Die Mittel aus den Sondervermögen sollen der Produktion im verarbeitenden Gewerbe und den Bauinvestitionen einen deutlichen Schub geben. Wachsende Staatsausgaben stärken zudem die Nachfrage nach Dienstleistungen und die Forcierung der Staatsmodernisierung sollte in der ITK-Branche für einen Wachstumsimpuls sorgen.
Trotz der absehbaren Konjunkturbelebung und dem Ende der Rezessionsjahre fehlt damit auch 2026 ein sich selbst tragendes Wirtschaftswachstum. Ein echter Aufschwung ist weiterhin nicht in Sicht. Um diese Trendwende zu initiieren, bedarf es zusätzlich zum Wachstumsimpuls durch massive Schulden der konsequenten Umsetzung von Strukturreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit und das Potenzialwachstum zu erhöhen. Zentral bleiben dabei weniger Bürokratie, eine Absenkung der Steuer- und Abgabenlast, verlässliche Energiekosten, die zukunftsfähige Umgestaltung der Sozialsysteme und weitere Anreize für Ausweitung des Arbeitsvolumen und zum Heben der stillen Reserve am Arbeitsmarkt.
Für das Handwerk ist unter diesen Voraussetzungen eine moderate Belebung des Umsatzwachstums zu erwarten, das bei etwa 1 Prozent liegen sollte. Gespeist wird diese Belebung durch die Belebung der Bauaktivitäten (insbesondere im Wohnungs- und Infrastrukturbau), einer anziehenden Nachfrage nach handwerklichen Vorleistungsgütern, steigenden Absatzzahlen für Pkw und der erneuten moderaten Zunahme des privaten Konsums. Trotz der Konjunkturbelebung werden die Beschäftigtenzahlen im Handwerk mit hoher Wahrscheinlichkeit auch 2026 weiter zurückgehen, da altersbedingt weiter viele Beschäftigte aus dem Erwerbsleben ausscheiden und die Betriebe nicht hinreichend viele Fachkräfte und Auszubildende finden werden, um diese Lücken zu schließen oder gar zusätzliche Beschäftigung im Handwerk zu schaffen.