Zentralverband des
Deutschen Handwerks

Mehrjähriger Finanzrahmen (MFR)

Die Europäische Kommission will den mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) ab 2028 effizienter und flexibler gestalten. Dennoch müssen insbesondere auch Handwerk und KMU ausreichend bedacht werden.
Berlaymont-Gebäude der EU-Kommission in Brüssel.

Berlaymont-Gebäude der EU-Kommission

Der Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) ist der langfristige Haushaltsplan der EU, der für sieben Jahre Höchstbeträge für Ausgaben in verschiedenen Politikbereichen festlegt. Er gewährleistet Planungssicherheit, begrenzt die Ausgaben und setzt politische Schwerpunkte. Der aktuelle MFR 2021–2027 umfasst ein Volumen von 1.216 Mrd. Euro.  Der EU-Haushaltsplan für den Zeitraum 2028-2034 sieht einen Finanzrahmen in Höhe von fast 2.000 Mrd. Euro vor.

Artikel zum MFR

Mehrjähriger Finanzrahmen (MFR) 2028 - 2034

Im Juli 2025 hat die Europäische Kommission ihre Vorschläge für den mehrjährigen Finanzrahmen ab 2028 vorgelegt. Zukünftig sollen die Mittel durch das Zusammenfassen von Programmen und eine Struktur basierend auf lediglich vier Säulen effizienter vergeben werden und flexibler sein.

Themen wie Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und digitaler Wandel, die allgemein die aktuelle Legislaturperiode prägen, sollen auch im MFR eine zentrale Rolle spielen. Aus Handwerkssicht ist der Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen. Wobei sichergestellt werden muss, dass hierbei vor allem KMU im Fokus stehen, die 99,8% aller Betriebe ausmachen und die Stütze für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Wachstum sind. 

ZDH-Stellungnahme

  • ZDH-Stellungnahme zum Mehrjährigen Finanzrahmen 2028-2034
    Januar 2026

Die Kommission schlägt vor, dass der MFR zukünftig aus vier Säulen bestehen wird: 

  1. Wirtschaftlicher, sozialer und territorialer Zusammenhalt, Landwirtschaft, ländlicher und maritimer Wohlstand und Sicherheit 
  2. Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Sicherheit 
  3. Europa in der Welt 
  4. Verwaltung

Der Großteil der Mittel wird sich auf die ersten beiden Säulen verteilen. Die erste Säule wird vor allem Mittel aus Agrar- und Regionalpolitik bündeln, die zweite Säule Programme zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Zentrales Element wird hierbei der Wettbewerbsfähigkeitsfonds sein.

1. Wirtschaftlicher, sozialer und territorialer Zusammenhalt, Landwirtschaft, ländlicher und maritimer Wohlstand und Sicherheit

Strukturfonds

Das Handwerk und die KMU fordern, dass die Strukturfonds klar als eigenständiges, regional verankertes Kohäsionsinstrument erhalten bleiben und nicht zugunsten einer stärker zentralisierten, an Großunternehmen orientierten Förderlogik geschwächt werden. Entscheidend sind eine verbindliche KMU-Ausrichtung, Investitionsförderung auch jenseits eines engen Innovationsbegriffs, die Stärkung aller Regionen (nicht nur der schwächeren) sowie echte Mitsprache der Regionen bei der Mittelverwendung. Die Förderung soll praxisnah, planbar und bürokratiearm sein; eine Kopplung von Mitteln an politische Reformauflagen oder komplexe Leistungsindikatoren wird abgelehnt, weil sie Unsicherheit schafft und kleinere Projektträger überfordert. Insgesamt geht es darum, regionale Potenziale, Fachkräftebasis, wirtschaftsnahe Infrastruktur und Modernisierung von KMU als Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit und Zusammenhalt in Europa systematisch abzusichern.

Europäischer Sozialfonds (ESF und EFRE)

Für Handwerk und KMU ist zentral, dass ESF und EFRE mit festen, verlässlichen Mittelquoten ausgestattet bleiben, um Planungssicherheit zu gewährleisten. Der ESF soll klar auf Fachkräfteentwicklung, berufliche Bildung und Arbeitsmarktintegration ausgerichtet sein, einschließlich der Absicherung bewährter Instrumente wie überbetrieblicher Ausbildung, während der EFRE weiterhin KMU-Investitionen, Modernisierung sowie den Ausbau wirtschaftsnaher Infrastruktur und Bildungszentren fördern muss – und zwar flächendeckend, auch in wirtschaftsstärkeren Regionen im Transformationsprozess. Gefordert werden transparente thematische Leitplanken, einfache Verfahren und kontinuierlicher Mittelabfluss, damit Innovation und Qualifizierung mittelstandsgerecht unterstützt werden. Eine zu starke Leistungsorientierung, sinkende Jahresbudgets oder die Verlagerung dieser Themen in stärker technologiegetriebene Wettbewerbsinstrumente werden kritisch gesehen, weil dadurch gerade kleinere Betriebe faktisch vom Zugang abgeschnitten würden. Insgesamt sollen ESF und EFRE die endogenen Potenziale der Regionen und die Wettbewerbsfähigkeit von KMU als eigenes Förderziel absichern.

2. Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Sicherheit

Wettbewerbsfähigkeitsfonds

Das Handwerk fordert, dass der neue Wettbewerbsfähigkeitsfonds trotz Programmzusammenlegung echte KMU-Beteiligung an Steuerung und Ausgestaltung sicherstellt, etwa über eine verbindliche Einbindung von KMU-Vertretern im Strategic Stakeholder Board. Vereinfachung und Flexibilität werden begrüßt, dürfen aber nicht dazu führen, dass Förderpolitik faktisch an den Bedürfnissen kleiner Betriebe vorbeigeht. Wichtig sind die gesicherte Finanzierung handwerksrelevanter Programme wie u.a. des Enterprise Europe Networks (zukünftig Teil des EU4Business Network) sowie klare Regeln bei programmübergreifender ("kumulativer") Finanzierung, damit Mittel nicht gegeneinander verrechnet oder gekürzt werden. Ziel ist eine Wettbewerbsförderung, die die Breite der Wirtschaft stärkt statt primär große Industrieakteure.

Digital Leadership

Positiv bewertet wird der explizite KMU-Fokus mit Beratung, Qualifizierung, Internationalisierung und Anbindung an Innovationsnetzwerke, da dies helfen kann, die digitale Lücke kleiner Betriebe zu schließen. Kritisch ist jedoch, dass Förderinstrumente oft zu komplex bleiben und sich faktisch größere, fördererfahrene Unternehmen durchsetzen. Zudem passt die starke Ausrichtung auf Schlüsseltechnologien und skalierbare High-Tech-Projekte häufig nicht zur Realität vieler Handwerksbetriebe. Gefordert werden daher vereinfachte Zugänge, intermediäre Unterstützung und praxisnahe Förderlogiken, damit der KMU-Fokus tatsächlich wirksam wird.

InvestEU

InvestEU wird als wichtiges Instrument gesehen, um unter anderem über Garantien Investitionen auch bei fehlenden Sicherheiten oder höheren Risiken zu ermöglichen. Entscheidend sind für das Handwerk ausreichend ausgestattete, klar abgegrenzte KMU-Fenster, die ausschließlich KMU zugutekommen und nicht von Midcaps genutzt werden können. Zudem ist es eine Überlegung wert, zur stärkeren Berücksichtigung von Kleinstbetrieben diesen Mittel zu reservieren und Verfahren zu vereinfachen. Wichtig ist, dass ausreichend Mittel über die gesamte Förderperiode verfügbar bleiben und nicht frühzeitig ausgeschöpft sind.

Sauberer Übergang und Dekarbonisierung der Industrie

Die Förderansätze für Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung bieten zwar thematische Anknüpfungspunkte für das Handwerk, doch besteht die Sorge, dass die auf großskalige, breitenwirksame Maßnahmen ausgerichtete Logik des Fonds kleine, praxisnahe Projekte benachteiligt. Damit Handwerksbetriebe und -organisationen tatsächlich profitieren, müssen Förderbedingungen stärker auf umsetzungsnahe KMU-Projekte zugeschnitten sein und dürfen sich nicht allein an industriellen Maßstäben orientieren.

Erasmus+ und AgoraEU

Aus Sicht des Handwerks ist die stärkere Ausstattung und Eigenständigkeit von Erasmus+ positiv, reicht aber allein nicht aus: Entscheidend ist der Ausbau und die dauerhafte Finanzierung von Beratungs- und Unterstützungsstrukturen, die Betriebe und Auszubildende bei Auslandsaufenthalten praktisch begleiten. Die Lernmobilität in der Berufsbildung muss klar im Zentrum bleiben, mit deutlich mehr Mitteln speziell für Auszubildende, Fachkräfte und Ausbildende aus dem Handwerk. Gefordert werden zudem weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit für akkreditierte Einrichtungen und eine Fortführung der Erasmus-Akkreditierung mit einfachen Verlängerungsmöglichkeiten, damit Mobilität kein Ausnahmeprojekt, sondern regulärer Bestandteil beruflicher Bildung wird.

Horizont Europa

Für das Handwerk ist wichtig, dass Innovationsförderung nicht einseitig auf Hochtechnologie, Start-ups und stark skalierbare Modelle verengt wird, sondern technologieoffen, praxisnah und auch für kleine sowie Low-Tech-orientierte Betriebe zugänglich bleibt. Benötigt werden einfachere Verfahren, schnellere Bewilligungen, hohe Förderquoten für KMU und stärkere Unterstützung marktnaher Forschung sowie Technologietransfer, damit Innovation tatsächlich in die betriebliche Anwendung gelangt. Kritisch gesehen werden zu enge thematische Vorgaben, bürokratische Innovationsdefinitionen und Strukturen, die die Unabhängigkeit von Verbundforschung oder Bottom-up-Initiativen einschränken. Ziel ist ein dezentrales, kooperatives Innovationssystem, das KMU als zentrale Akteure im Innovationsökosystem einbindet.

3. Europa in der Welt (Global Europe)

Das Instrument “Global Europe” fasst Mittel für außen- und entwicklungspolitische Maßnahmen sowie die Finanzierung der EU-Erweiterungspolitik zusammen. Mit Blick auf die signifikanten Veränderungen in den internationalen Handelsbeziehungen sowie in der globalen Sicherheitslage hat sich die EU das Ziel gesetzt, eine kohärentere und effizientere gemeinsame Außenpolitik zu verfolgen. Für das Instrument “Global Europe” stehen Mittel in Höhe von 200 Mrd. Euro zur Verfügung, die auf fünf geographische Säulen verteilt werden. Für jede Großregion (Makroregion) der fünf geographischen Säulen wird ein Richtbeitrag bereitgestellt, der flexibel umgeschichtet werden kann. 

Um auf Krisen und unvorhergesehene Situationen innerhalb der Union sowie in den Nachbarländern angemessen reagieren zu können, wird ein ergänzendes Polster von 14 Mrd. Euro geschaffen. 

Sinnvoll ist aus Handwerkssicht der stärkere Fokus der Wirtschaftsaußenpolitik auf Aspekte wie wirtschaftliche Sicherheit, Handel und Wettbewerbsfähigkeit, Energieversorgungssicherheit sowie Zugang zu kritischen Rohstoffen.

weitergehende Informationen können Sie der ZDH-Stellungnahme entnehmen.

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