Zentralverband des
Deutschen Handwerks

Berufsprüfungen stärken.

ZDH-Kompakt zum Thema "Berufsprüfungen stärken." vom 7. Dezember 2020.

ZDH-Kompakt, Dezember 2020

Hintergrund

Abschluss- und Gesellenprüfungen spielen im Berufsbildungssystem eine zentrale Rolle: Sie stellen die berufliche Handlungsfähigkeit als Ergebnis der Berufsausbildung fest und bescheinigen diese durch ein anerkanntes Zeugnisdokument. Durchschnittlich 111.100 Personen haben in den vergangenen Jahren eine Abschluss- oder Gesellenprüfung vor einer Handwerkskammer oder -innung abgelegt.

Die hohe Leistungsfähigkeit des beruflichen Prüfungssystems fußt auf dessen qualitätssichernden Leitprinzipien und auf den austarierten Zuständigkeitsstrukturen. Die Feststellung der beruflichen Handlungsfähigkeit wird in einem breiten Verantwortungssystem aller Akteure des Berufsbildungssystems lernortunabhängig umgesetzt. In den Prüfungsausschüssen von Kammern und Innungen sind fachkundige Arbeitgeber/innen und Arbeitnehmer/innen aus der Berufspraxis sowie Lehrerkräfte aus den Berufsschulen vertreten. Diese beide Lernorte des Dualen Ausbildungssystems bringen sich auf diese Weise gemeinsam und abgestimmt in das Prüfungssystem ein. Die Selbstverwaltung der Wirtschaft trägt die organisatorische Verantwortung für die Prüfungen und unterstützt die ehrenamtlichen Prüfer/innen. Was und wie geprüft wird, wird in jedem Ausbildungsberuf von den Sozialpartnern definiert und in den Ausbildungsordnungen des Bundes verbindlich festgelegt. Damit gelten für Berufsprüfungen – anders als im Schul- und Hochschulwesen – bundesweit einheitliche Standards. Weitere Leitprinzipien der Berufsprüfungen sind Ganzheitlichkeit, Lernortunabhängigkeit, Handlungsorientierung und Praxisbezug. Diese Prinzipien tragen maßgeblich zum Vertrauen der Betriebe in Abschluss- und Gesellenprüfungszeugnisse bei.

Aktuelle Entwicklung

In der aktuellen Corona-Pandemie zeigt sich die Funktionsfähigkeit des Prüfungssystems in besonderer Weise. Handwerkskammern und Innungen haben sich in kürzester Zeit auf die neuen Herausforderungen eingestellt und im ersten Lockdown ausgefallene Prüfungstermine zügig nachgeholt. Es wurden umfassende Vorkehrungen getroffen, um Gesundheitsrisiken in den Prüfungen für alle Beteiligten auszuschließen. Dass die Auszubildenden ihre Berufsausbildung auch im Jahr 2020 mit einem Abschluss beenden konnten, ist auf die hohe Einsatzbereitschaft und Motivation der ehrenamtlich Prüfenden zurückzuführen.

Trotz dieser sichtbaren Stärken des Prüfungssystems werden derzeit Leitprinzipien der Berufsprüfungen in Frage gestellt: So sprechen sich Berufsschullehrerverbände und die Kultusministerkonferenz dafür aus, dass die Leistungsbewertung der Auszubildenden zum Teil aus der Praxis in die Berufsschulen verlagert werden soll. Diese Systemveränderung würde qualitätssichernde Leitprinzipien der Berufsprüfung nivellieren und damit erhebliche Strukturveränderungen im Berufsbildungsgesetz, der Handwerksordnung sowie in den Schulgesetzen der Länder bedeuten. Konkrete Vorteile für Betriebe und Auszubildende sind nicht erkennbar.

Was zu tun ist

Wer die Leistungsfähigkeit des Prüfungssystems stärken will, muss dessen Strukturen und Leitprinzipien fördern und weiterentwickeln. Hierfür setzt sich das Handwerk mit großer Gestaltungsbereitschaft und Fokus auf die folgenden vier Handlungsfelder ein:

  • Die Digitalisierung bietet Chancen, um Prüfungsprozesse effizienter zu gestalten. Strukturen für das Prüfen in digitaler Form sind deshalb auszubauen. Digitale Arbeitstechniken können in praxisnahe Prüfungen hervorragend einbezogen werden. Praktisches Arbeiten in der realen Welt darf aus handwerklichen Prüfungen jedoch keinesfalls verbannt werden.
  • Prüfungsformen müssen outcomeorientiert weiterentwickelt werden: Nicht die Kompetenzentwicklung während des Lernprozesses, sondern die berufliche Handlungskompetenz zum Ende der Ausbildung ist festzustellen. Die Outcomeorientierung entspricht dem bildungspolitischen Grundkonsens im Rahmen des europäischen und deutschen Qualifikationsrahmens.
  • Die Professionalisierung bei der Prüfungsaufgabenerstellung ist zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung voranzutreiben. So sollten beispielsweise Erkenntnisse, wie sie im Rahmen von Förderprojekten des BMBF (z.B. im Rahmen der Initiative ASCOT+) gewonnen werden, genutzt werden, um die Kompetenzorientierung und Qualität von Prüfungsaufgaben zu erhöhen.
  • Die Position der Prüferinnen und Prüfer stärken: Dafür ist die Unabhängigkeit der Prüfungsausschüsse von den Lernorten der Berufsausbildung zu bewahren und das kooperative Zusammenwirken der Prüfenden weiterzuentwickeln.

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  • Berufsprüfungen stärken.
    ZDH-Kompakt, Dezember 2020

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