Zentralverband des
Deutschen Handwerks
29.01.2026

Reformverweigerung gefährdet den Sozialstaat

Anlässlich der DGB-Sozialstaatskonferenz 2026 am 29. Januar in Berlin erklärt Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH):
Jörg Dittrich

"Wer den Sozialstaat sichern will, muss ihn reformieren. Alles andere ist Augenwischerei. Angesichts des demografischen Wandels, steigender Kosten und wachsender Belastungen für Betriebe und Beschäftigte ist klar: Ein Weiter-so führt nicht zu mehr Solidarität, sondern in die Überforderung der Systeme.

Worum es uns allen gehen muss: Sozialstaat sichern, Teilhabe gewährleisten, Demokratie schützen. Ein solidarischer und handlungsfähiger Sozialstaat ist die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts. Über den Weg dorthin müssen wir jedoch offen und ehrlich diskutieren. Solidarität bedeutet Verantwortung füreinander: für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ebenso wie für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Gerade das Handwerk weiß, wie wichtig dieses Miteinander ist. In unserer Organisation sind beide Seiten vertreten, und wir erleben täglich, dass tragfähige Lösungen dort entstehen, wo Verantwortung gemeinsam in den Betrieben übernommen wird.

Solidarität ist dabei keine Einbahnstraße. Sie muss für diejenigen gelten, die Leistungen benötigen, ebenso wie für diejenigen, die sie finanzieren, und für die junge Generation, die zu Recht erwartet, dass die Systeme auch morgen noch tragen. Die Realität ist: Unsere sozialen Sicherungssysteme geraten zunehmend unter Druck. Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung stoßen an finanzielle Grenzen, der Gesamtsozialversicherungsbeitrag entfernt sich immer weiter von der 40-Prozent-Marke. Das belastet Beschäftigte und Betriebe massiv und untergräbt das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Sozialsysteme, besonders bei jungen Menschen.

Das Handwerk steht für Verantwortung. Wir fordern mutige Reformen, damit der Sozialstaat solidarisch, bezahlbar, generationengerecht und zukunftsfest bleibt. Solidarität heißt für uns, Lasten ausgewogen zu verteilen, Fehlanreize abzubauen, Gerechtigkeitslücken zu schließen und die Systeme an die Wirklichkeit anzupassen. Dazu gehören auch unbequeme Debatten über Lebensarbeitszeit, Beitragsstrukturen und neue Formen der Absicherung für Selbstständige und Unternehmerinnen. Ein starker Sozialstaat entsteht nicht durch das Festhalten am Status quo oder durch einseitige Forderungen, sondern durch Ehrlichkeit, Dialog und den Mut zur Veränderung. Diese Verantwortung nehmen wir als Handwerk an, und erwarten sie auch von allen anderen Beteiligten."

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