Zentralverband des
Deutschen Handwerks
04.08.2021

„Mehr Klimaschutz nur mit mehr Handwerkerinnen und Handwerkern“

ZDH-Präsident Wollseifer spricht über die Notwendigkeit von mehr qualifizierten Fachkräften im Handwerk zur Umsetzung von Umwelt- und Klimaschutz.
Klimaschutz: Kraftwerk im Sonnenuntergang, im Vordergrund eine Wiese.

„Mehr Klimaschutz, mehr Energieeffizienz, mehr Nachhaltigkeit, mehr E-Mobilität, SmartHome, E-Health: Das alles wird es nur mit MEHR Handwerkerinnen und MEHR Handwerkern geben“, so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer gegenüber Michael Bröcker von „Mediapioneer“.

„Beruflich ausgebildete Fachkräfte werden in der Zukunft noch mehr als schon jetzt gebraucht! Viele Gewerke im Handwerk suchen nach den dringend benötigten Fachkräften, um die derzeitigen Herausforderungen zu meistern. Und die Situation wird sich in dem Maße verschärfen, in dem die Aufgabenfelder etwa im Klimaschutz, bei der Sanierung und dem Wohnungsbau oder der E-Mobilität zunehmen, bei denen zwingend beruflich qualifizierte Fachkräfte nötig sind, sich aber gleichzeitig immer weniger junge Menschen für eine berufliche Ausbildung entscheiden. Meiner Wahrnehmung nach hat die Politik jedoch bislang noch nicht die Brisanz erkannt, die das zu Wenig an beruflich qualifizierten Fachkräften für unsere Gesellschaft und Wirtschaft insgesamt bedeutet. Wie soll es gelingen, all die anstehenden Zukunftsthemen umzusetzen, wenn wir nicht ausreichend beruflich qualifizierte Fachkräfte haben? Es sind Handwerkerinnen und Handwerker, die Häuser dämmen, Ladesäulen für E-Autos aufstellen, Solardächer installieren und altersgerechte Bäder bauen, die instand setzen und reparieren. Mehr Klimaschutz, mehr Energieeffizienz, mehr Nachhaltigkeit, mehr E-Mobilität, SmartHome, E-Health: Das alles wird es nur mit MEHR Handwerkerinnen und MEHR Handwerkern geben. Doch bereits vor der Corona-Pandemie war zu beobachten, dass sich weniger junge Menschen für eine Ausbildung entschieden haben. Das ist fatal, weil das Gleichgewicht zwischen akademisch und beruflich Ausgebildeten aus dem Lot geraten ist. Der Fachkräftesockel, auf dem unsere Gesamtwirtschaft basiert, droht wegzubrechen mit gravierenden Folgen für die Gestaltungsfähigkeit und -möglichkeiten in der Zukunft. Wenn wir dem nicht wirksam entgegenwirken, drohen die Fachkräfteengpässe zu echten Bremsklötzen beim Klimaschutz, aber eben nicht nur dort, zu werden.“
 
„Bei allen programmatischen Ankündigungen der Parteien in diesen Tagen wird die Bedeutung der Forcierung und Förderung der beruflichen Ausbildung viel zu wenig mit bedacht. Deshalb müssen die politisch Verantwortlichen viel stärker auf den Schirm nehmen, dass sie im Bereich der beruflichen Bildung – auch finanziell – stärker einsteigen müssen, wenn die von ihnen in Aussicht gestellten Vorhaben und Pläne beim Umwelt- und Klimaschutz, der Energie- und Mobilitätswende überhaupt eine Chance haben sollen, umgesetzt zu werden und zu gelingen. Es ist für die Zukunftsfähigkeit und den Wohlstand unseres Landes unabdingbar, dass deutlich mehr junge Menschen eine Ausbildung im Handwerk machen und als qualifizierte Fachkräfte die großen Zukunftsaufgaben gestalten und umsetzen. Die Politik muss ihren Fokus noch stärker auf die berufliche Ausbildung lenken und dieser eine auch finanzielle Wertschätzung entgegenbringen, die der des akademischen Bereiches gleichwertig ist. Wir brauchen leistungsfähige Bildungsstätten, mehr digitale Bildungsangebote und eine echte Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung.“

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