Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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Deutschen Handwerks
08.11.2021

"Klimaschutz nur mit mehr beruflich Ausgebildeten erreichbar"

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer warnt, dass Klimaschutzbeschlüsse ins Leere zu laufen drohen, wenn Politik nicht mehr tut, um die berufliche Ausbildung zu stärken.
Portraitfoto von Hans Peter Wollseifer im Gespräch im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

"Mehr Klimaschutz und eine gelungene Energie- und Verkehrswende werden wir nur mit tausenden zusätzlichen beruflich qualifizierten Fachkräften im Handwerk schaffen können. Handwerkerinnen und Handwerker sind die ZukunftsMACHER und unverzichtbar für den Klimaschutz und bei der Energie- und Mobilitätswende, denn sie sind es, die für die Energieeffizienz bei Gebäuden sorgen, Ladesäulen für E-Autos aufstellen, die Windparks bauen und Solardächer installieren", so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer auf tagesschau.de.

"Man muss kein Prophet sein um vorauszusagen, dass alle geplanten Beschlüsse zum Klimaschutz ins Leere zu laufen drohen, wenn die Politik nicht gleichzeitig alles in die Wege leitet, um die berufliche Ausbildung zu stärken und wieder mehr Jugendliche dafür zu gewinnen."

"Es ist für die Zukunftsfähigkeit und den Wohlstand unseres Landes unabdingbar, dass deutlich mehr junge Menschen eine Ausbildung im Handwerk machen und als qualifizierte Fachkräfte die großen Zukunftsaufgaben gestalten und umsetzen. Ansonsten dürften die Vorhaben und Pläne der Ampel-Parteien beim Umwelt- und Klimaschutz, der Energie- und Mobilitätswende kaum eine Chance haben, umgesetzt zu werden und zu gelingen."

Mehr Aufgaben beim Klimaschutz, mehr Menschen im Handwerk nötig

"Beschlüsse sind das eine, aber entscheidend ist, sie auch Wirklichkeit werden zu lassen und umzusetzen. Schon jetzt gibt es nicht genügend qualifizierte Fachkräfte zur Umsetzung der aktuellen Klimaschutzmaßnahmen. Und die Situation wird sich weiter in dem Maße verschärfen, in dem durch die voraussichtlichen Koalitionsbeschlüsse weitere Aufgaben beim Klimaschutz, der energieeffizienten Gebäudesanierung, der Photovoltaik, im Wohnungsbau oder der E-Mobilität hinzukommen. Dafür werden dann noch mehr qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker gebraucht."

"Die Politik hat bislang noch nicht ausreichend die Brisanz von zu wenigen beruflich qualifizierten Fachkräften für unsere Gesellschaft und Wirtschaft erkannt. Wie aber soll es gelingen, all die anstehenden Zukunftsthemen umzusetzen, wenn die dafür qualifizierten Fachkräfte fehlen? Bereits vor der Corona-Pandemie war zu beobachten, dass sich weniger junge Menschen für eine Ausbildung entschieden haben, auch in der irrigen Annahme, ein Studium sei Garant für eine berufliche Karriere. Inzwischen erweist sich das als glatte Fehleinschätzung. Längst lässt sich das mit einem Studium verbundene Aufstiegsversprechen nicht mehr für jede und jeden einlösen. Und gleichzeitig gibt es zu wenige beruflich Qualifizierte. Der Fachkräftesockel, auf dem unsere Gesamtwirtschaft basiert, ist bereits brüchig und er droht wegzubrechen mit gravierenden Folgen für die Gestaltungsfähigkeit und -möglichkeiten in der Zukunft. Wenn wir dem nicht wirksam entgegenwirken, drohen die Fachkräfteengpässe zu echten Bremsklötzen beim Klimaschutz und für die Energie- und Mobilitätswende zu werden."

Berufliche Aubsildung ist der Schlüssel für qualifizierte Fachkräfte

"Der Schlüssel zur Fachkräftesicherung ist die berufliche Ausbildung. Deshalb müssen die künftig politisch Verantwortlichen endlich viel stärker als bislang die Ausbildung der für den Klimaschutz und die Energie- und Verkehrswende nötigen Fachkräfte unterstützen und im Bereich der beruflichen Bildung – auch finanziell – viel stärker einsteigen."

"Die Politik muss der beruflichen Ausbildung eine - auch finanzielle - Wertschätzung entgegenbringen, die der des akademischen Bereiches gleichwertig ist. Wir brauchen leistungsfähige Bildungsstätten, mehr digitale Bildungsangebote und eine echte Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung."

"Alle Jugendlichen, die sich im Klima- und Umweltschutz oder der Energiewende engagieren wollen, kann ich nur ermutigen, ins Handwerk zu kommen, denn hier gibt es viele klimarelevante Berufe, die jungen Menschen sichere Karrieremöglichkeiten und zugleich die Chance bieten, an den zukunftsgestaltenden Aufgaben an vorderster Stelle mitwirken zu können. Auch wenn 'Klimaschützerin' oder 'Klimaschützer' kein Ausbildungsberuf ist, eine Ausbildung im Handwerk ist der erste Schritt in diese Richtung. Da kann aus dem Protest bei Fridays for Future ganz konkrete Klimaschutz-Arbeit werden."

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