Zentralverband des
Deutschen Handwerks
06.08.2021

“Es braucht eine Politik, die die Betriebe entlastet und stärkt!“

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer äußert sich zu den Programmen der Parteien für die Bundestagswahl 2021.
 Portraitfoto von Hans Peter Wollseifer vor dem Haus des Deutschen Handwerks in Berlin

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

„In den kommenden Jahren braucht es eine Politik, die unsere Betriebe entlastet und stärkt. Die nächste Bundesregierung muss sicherstellen, dass Steuern zu verkraften sind, Sozialbeiträge nicht weiter ansteigen und Bürokratie unsere Handwerkerinnen und Handwerker nicht erdrückt“, so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer gegenüber Steffen Range von der „Deutschen Handwerkszeitung“.

„Unser Land muss seine Zukunftschancen mutiger nutzen, um weiter erfolgreich zu bleiben. Die künftigen politischen Entscheidungsträger sehe ich in der Verantwortung, einen positiven Zukunftsentwurf für unser Land zu erarbeiten und mit entsprechenden politischen Weichenstellungen zukunftsfest aufzustellen. Diese Erkenntnis schlägt sich mittlerweile zwar auch in den Wahlprogrammen der Parteien nieder. Doch Papier ist geduldig. Entscheidend ist die Frage: Wer setzt das alles um? Dafür braucht es das Handwerk. Nur mit dem Handwerk lässt sich die Zukunft unseres Landes gestalten. Es sind Handwerkerinnen und Handwerker, die Häuser dämmen, Ladesäulen für E-Autos aufstellen, Solardächer installieren und altersgerechte Bäder bauen.

Wer im Vorfeld dieser Wahl oder im bisherigen Wahlkampf auf eine echte Zukunftsdebatte zwischen den Parteien gehofft hat, ist bislang eher enttäuscht worden. Politische Konzepte jenseits von Corona spielen im Moment eine untergeordnete Rolle. Doch genau darüber müssen wir reden.

Entlastung und Stärkung der Handwerksbetriebe

In den kommenden Jahren braucht es eine Politik, die unsere Betriebe entlastet und stärkt. Die nächste Bundesregierung muss sicherstellen, dass Steuern zu verkraften sind, Sozialbeiträge nicht weiter ansteigen und Bürokratie unsere Handwerkerinnen und Handwerker nicht erdrückt.
 
Nachhaltiges Wirtschaften und Leben wird zukunftsentscheidend sein. Dabei wird es aber wichtig sein, Wege zu finden, die Klimaschutz und wirtschaftlichen Erfolg gleichermaßen ermöglichen. Denn nur mit einer starken Wirtschaft werden wir in der Lage sein, die Klimaschutzherausforderung zu finanzieren und zu bewältigen. Es gilt, technologieoffene Lösungen zu finden, bei denen Klimaschutz und Wirtschaftserfolg im Einklang sind. Dass wir dieses Problem unbedingt angehen müssen, damit uns unsere Lebensgrundlagen nicht unter den Füßen entzogen werden, das haben wir in den vergangenen Wochen schmerzlich erfahren müssen.

Fachkräftesicherung ist zentrales Zukunftsthema

Die Fachkräftesicherung über berufliche Ausbildung ist für das Handwerk ein zentrales Zukunftsthema. Nur mit genügend fachlich qualifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern wird sich der Wohlstand und die Wirtschaftskraft unseres Landes auch in der Zukunft sichern lassen. Die Politik muss ihren Fokus noch stärker auf die berufliche Ausbildung lenken und dieser eine auch finanzielle Wertschätzung entgegenbringen, die der des akademischen Bereiches gleichwertig ist. Wir brauchen leistungsfähige Bildungsstätten, mehr digitale Bildungsangebote und eine echte Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung.
 
Klare Erwartungen hat das Handwerk auch bei der Digitalisierung, bei der in Deutschland Vieles noch bei Weitem nicht so funktioniert, wie wir uns das vorstellen und es im internationalen Vergleich vielfach schon selbstverständlich ist. Diese Versäumnisse muss die nächste Bundesregierung zügig aufholen, damit unser Land und seine Betriebe international wettbewerbsfähig bleiben. Dazu gehört etwa die Versorgung mit schnellem Internet, eine umfassende Digitalisierung staatlicher Verwaltungen und Genehmigungsprozesse sowie das Sorgetragen für einen fairen Datenzugang auch kleiner und mittlerer Betriebe.“